Filme H-P


Hai Wai Chi Zi  海外赤子 ("Loyal Overseas Chinese Family")
Drama von Ou Fan (欧凡) und Xing Jitian (邢吉田), China 1979. Mit Joan Chen (陈冲), Shi Jin (史进), Qin Yi (秦怡). 116 min., chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

黄思华是一名歌喉清脆婉转的年轻女歌唱演员。在报考部队文工团过程中,因为她是 华侨女儿的家庭背景,录取工作受到了阻力。文工团团长司马威执行党的华侨政策, 派政审干部韩山到星星湖华侨农场了解黄思华的家庭情况。在了解过程中,发现黄思 华的父亲黄德琛出生于南洋,父母早亡,孤身漂泊海外。解放前,黄德琛挺身而出, 救了被外国水手侮辱的女学生林碧云。而林碧云当时也为抗日救国募捐。黄德琛由此 与林碧云相识相爱,并结为夫妇。中华人民共和国成立时,黄德琛和妻子将四岁的儿 子思国留给岳父,回到祖国参加国家建设,并得到周总理的接见。在国内生下女儿思 华。但是在文化大革命中,黄德琛被定为走资派,受尽迫害。女儿思华也遭株连而难 以参加热爱的文工团。黄思国从英国留学后,回国探亲。黄德琛被逼迫搬进宽敞的套 房以掩人耳目,这一阴谋被思华揭穿,思华因此被调到打石场接受超强的体力折磨。 思国劝妹妹出国,思华却坚定地回答:“我不能离开妈妈——我的祖国!”“四人帮”被粉碎,思华获得了艺术生命。在北京召开的人民代表大会上,思华唱 出了华侨儿女的心声——《飞向无限向往的明天》!

Der Titel zeigt, worum es geht, nämlich um die "Huaqiao" (华侨), also die "Übersee-Chinesen". Ebenso wie die sogenannten "Kapitalisten", die "Grundbesitzer" und die Intellektuellen hatten diese unter Maos Kampagnen schwer zu leiden. Zu den "Huaqiao" gehörten dabei genau genommen drei Gruppen. Erstens die Auslandschinesen, die nach 1949 voller Enthusiasmus in die Volksrepublik kamen, um beim Aufbau mitzuarbeiten. Zweitens Chinesen, die Verwandte oder sonstige Bezugspersonen im Ausland hatten. Drittens deren Kinder, und zwar auch dann, wenn sie bereits in der Volksrepublik geboren waren.
Diese zu Unrecht gequälten und verdächtigten Bürger zu rehabilitieren, war nach dem Ende der Kulturrevolution ein wichtiges Anliegen, das in "Loyal Overseas Chinese Family" thematisiert wird. Im Mittelpunkt steht die junge Huang Sihua, gespielt von der damals blutjungen Joan Chen, die mit "Little Flower" 小花 gerade den ersten Filmruhm geerntet hatte. Mit ihrem überragenden sängerischen Talent bewirbt sie sich um die Aufnahme bei einer Armee-Musikschule. Das führt dort sogleich zu Diskussionen. Zwar ist ihr Talent offenkundig, doch als "Huaqiao" gilt sie als gesellschaftlich unzuverlässig, zumal ihr Vater Huang Deshen in der Kulturrevolution schwerer Vergehen beschuldigt wurde. Doch inzwischen ist ja die "Viererbande" gestürzt (die wie in ganz China so auch hier für den Terror der Kulturrevolution allein verantwortlich gemacht wird, als hätte der Große Vorsitzende zehn Jahre nur schnarchend im Bett gelegen). Also wird ein junger Offizier beauftragt, zu prüfen, ob sich die Familie Huang wirklich schwerer Vergehen schuldig gemacht hat. Und er stellt fest, dass sie in Wahrheit nie anders gehandelt hat als in glühendem Patriotismus. Am Ende wird Huang Sihua Sängerin ... und im Publikum sitzt (wie damals millionenfach in China) seelenruhig der schmierige Parteifunktionär, der das Elend und die Demütigungen der Familie Huang angeordnet hatte.

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HAI YANG TIAN TANG  海洋天堂 ("Ocean Heaven")
Von Xue Xiaolu, China 2010. Mit Jet Li, Zhang Wen und Guey Lun-Mei. 95 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

In der modernen Gesellschaft, wo Leistung, Mobilität und Fitness fast den Status religiöser Qualitäten haben, ist "Behinderung" ein Stigma, trotz aller Bemühungen, Betroffenen und Angehörigen das Leben zu erleichtern. Das ist in China nicht anders, zumal angesichts der Ein-Kind-Politik. Chinesische Filme über behinderte Kinder versäumen daher kaum einmal den Hinweis, dass die Behinderung erst im späteren Alter entstand (z.B. durch eine Enzephalitis), oder sich erst später zeigte. So auch in diesem Film. Allerdings ist hier nicht wie meistens die Mutter die Bezugsperson (wie z.B. in "Breaking the Silence 漂亮妈妈" mit Gong Li). Vielmehr ist es in diesem Fall der Vater Wang, der seinen autistischen Sohn Dafu unermüdlich betreut. Seit die Mutter vor vielen Jahren starb, lebt Lao Wang im Grunde nur für den Sohn, der inzwischen 21 ist. Der Vater ist Techniker in einem Unterhaltungs-Aquarium und -Delfinarium. Dorthin nimmt er auch täglich seinen Sohn mit, der nichts lieber tut als mit den Delfinen und Robben zu schwimmen. Doch dann eine dramatische Veränderung: Der alte Wang erfährt, dass er an Leberkrebs im Spätstadium leidet und nicht mehr lange zu leben hat. So beginnt denn auch der Film mit dem Versuch des Vaters, gemeinsam mit dem Sohn aus dem Leben zu gehen: mit Stricken einer an den anderen und beide an ein schweres Stück Eisen gebunden, springen sie aus einem Boot ins Meer. Doch es gelingt Dafu, die Stricke zu lösen, so dass beide überleben. Nun bemüht sich der Vater mit aller Kraft, zwei Dinge zu erreichen: erstens, den Sohn für die Zeit nach dem Tod des Vaters irgendwo unterzubringen. Zweitens, ihm soviel beizubringen, dass er wenigstens allein durch die Stadt fahren kann, ohne verlorenzugehen.
Von den chinesischen Filmemachern, die sich mit dem Thema "Behinderte Kinder" beschäftigt haben, war Zhang Yuan in seinem unvergleichlichen Erstlingsfilm "Mama 妈妈" der einzige, der ein gänzlich ungeschöntes Bild vom Leben einer Mutter und ihrem völlig unerreichbaren Sohn zu zeichnen wagte: Sie verliert ihre Arbeit und vereinsamt, während das Kind ihr nicht nur auf keine Weise dankt, sondern sogar alle ihre Bemühungen, beider Leben zu verbessern, immer wieder zerstört. Im Vergleich dazu ist "Ocean Heaven" milde. Eine freundliche Nachbarin hilft immer wieder, und sie wird das auch nach dem Tod des Vaters tun. Ein Heim für Behinderte nimmt Dafu auf und lässt auch den Vater dort wohnen, solange er lebt. Eine Clown-Darstellerin findet eine Beziehung zu dem autistischen Dafu. Und auch er selber lernt tatsächlich, ohne Begleitung im Bus durch die Stadt zu fahren. Mit was für Schwierigkeiten Chinesen mit behinderten Kindern zu kämpfen haben, die nicht von einem derart freundlichen Umfeld getragen werden, kann man sich dennoch vorstellen.

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Hai Zi Wang 孩子王 (King of the Children), China 1987. Drama von Chen Kaige陈凯歌, mit Xie Yuan 谢园, Yang Xuewen 杨学文. Farbe, 106 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre.

文化大革命期间,插队七年的知青老杆(谢园饰)被抽到云贵山区的某简陋小学担任 老师,知青伙伴高兴地称他为“孩子王”。但那里师资奇缺,教材稀少,学校分配他 教初三,令他吃惊不小。老杆苦恼于学校的政治学习材料多如牛毛,批判文章学了一 篇又一篇,但孩子们连小学课本上的生字都不认得,老杆感慨万端,只得从头教起。 几个月过去老杆和学生们相处得很好,家境贫寒的学生王福很想得到他手中的字典。 在一次布置作文时,他以字典做赌注,今天就能写出记叙明天劳动的作文。结果王福 输了,字典得不到了,他决心把字典全部抄下来。而老杆最终还是被退回队里。临 走,他把唯一的一本字典留给王福…

"Yellow Earth" (黄土地 , 1984) machte Chen Kaige international bekannt. Warum sein nächster Spielfilm "König der Kinder"  im Westen kaum Resonanz fand, ist erstaunlich. Denn noch mehr als sein Vorgänger ließ dieser Film die öde Partei- und Armeehudelei hinter sich, die Chinas Film fast 40 Jahre dominiert hatte. Vielmehr steht ein Schicksal im Mittelpunkt, wie es exemplarisch für die Jahre der Kulturrevolution war. In einer entlegenen Bergregion fehlen Lehrer, und so wird Lao Cha, der seit einigen Jahren dort lebt, zum "König der Kinder" gemacht, also zum Lehrer. Er selber hat ebenfalls nur eine rudimentäre Bildung durchlaufen. Und an Büchern hat er nur ein Wörterbuch und ein paar Mao-Schriften, mit denen er seinen Schülern Lesen und Schreiben beibringt.
Doch als er merkt, wie apathisch sie dabei bleiben, wird er kühner. Statt sklavisch Schriftzeichen nachzupinseln lehrt er sie, über ihre Umgebung und sich selber nachzudenken. Als die Behörden (die nichts so sehr fürchten wie eigenes Denken ihrer Untertanen) das mitbekommen, wird er zunächst verwarnt. Als das nicht hilft, wird er entlassen, und aus dem "König der Kinder" wird wieder der Arbeiter "Lao Cha". – Bis heute ist "König der Kinder" neben "Lebewohl meine Konkubine" (霸王別姬) wohl der beste Film von Chen Kaige – ein Werk, neben dem spätere Filme von ihm (etwa aufgemotzte History-Schinken nach Art von "The Promise" 無極) eher peinlich wirken.

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Han Shan 喊山 "Mountain Cry" , China 2015. Drama von Larry Yang 杨子, mit Lang Yueting 郎月婷, Wang Ziyi 王紫逸, Cheng Taishen 成泰燊, Yu Ailei 余皑磊. 107 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre.

封闭的大山里突发了一场意外,腊宏(余皑磊 饰)误踩了韩冲(王紫逸 饰)捕猎设置的炸药不治身亡,留下了哑巴妻子(郎月婷 饰)和一双儿女。众人与韩父(成泰燊 饰)商议决定让韩冲赔钱私了。而哑巴却穿起红衣裳、时哭时笑,完全不在意赔偿的 事,大家认为她受刺激疯了,韩冲只能暂时照料母子三人的生活。在相处中,两人的 心越走越近,哑巴曲折的身世之谜逐渐揭开。在两人即将开始新生活的时候,腊宏的 命案再生波澜,这个紧要的关头,只有哑巴才能说出真相

Ein schöner Film – dem man es anmerkt, dass sein Regisseur auch intensive westliche Einflüsse erfahren hat. 1981 in Heilongjiang geboren, studierte Larry Yang ab 1997 in den USA und in England, bevor er 2004 zurückkehrte und die Pekinger Filmhochschule besuchte. So ist es nicht erstaunlich, dass "Mountain Cry" im Grunde in eine Reihe mit den frühen Werken von Zhang Yimou gehört, also "Rotes Kornfeld" 紅高粱 und "Judou" 菊豆.
Allerdings spielt er 1984, in einem entlegenen Bergdorf in Shanxi, inmitten einer wilden Landschaft mit spektakulären Schluchten und Abhängen. Hier wohnt in einer ärmlichen Hütte eine von außerhalb ins Dorf gekommene Familie: der hinkende, gewalttätige La Hong (Yu Ailei) mit seiner stummen Frau Hongxia (Lang Yueting), dazu eine sechsjährige Tochter und ein Baby. Es beginnt mit kurzen Szenen, die das Leben im Dorf und die Gewalttätigkeit des La Hong skizzieren. Dann geht dieser auf der Suche nach Früchten in den Wald ... wenig später eine Explosion, gefolgt von Schreien: Der junge Nachbar Han Chong (Wang Ziyi) hat im Wald Dachsfallen mit Sprengstoffzünder gelegt; in eine davon ist La Hong getreten, und der Sprengstoff hat ihm einen Fuß abgerissen. Die Dörfler tragen ihn in seine Hütte. Mit letzter Kraft beschimpft er seine Frau. Dann stirbt er.
Die Dörfler beschließen, die Sache nicht bei den Behörden anzuzeigen. Han Chong wird auferlegt, Hongxia und ihre beiden Kinder zu versorgen. Er tut es erst widerwillig, dann immer mehr aus Zuneigung. In kurzen Rückblenden tauchen Szenen aus der Vergangenheit von Hongxia auf, die offenbar als kleines Mädchen entführt und verkauft wurde. Alles scheint auf ein Idyll zuzulaufen, doch dann spitzen sich die Dinge zu. Offenbar sucht die Polizei nach La Hong. Die stumme Hongxia, so die Dörfler, soll verschwinden, und als sich Han Chong für sie einsetzt, kommt es zu einer Schlägerei – beendet duch das Sirenengeräusch von Polizeiautos, die sich dem Dorf nähern.
Nach kurzer Befragung legt man Han Chong Handschellen an ... doch dann schreibt Hongxia ein Geständnis ... also spannend und bewegend bis zum Schluss (und nur im Abspann eine lapidare Mitteilung, dass am Ende wohl alles gut ausgegangen ist). Überdies steht mit Lang Yueting eine Schauspielerin im Mittelpunkt, die das Zeug hat, vielleicht bald zu den ganz großen Darstellerinnen Chinas zu gehören, zumal mit einer interessanten Biographie: Denn bevor sie sich der Schauspielerei zuwandte, war sie eine gefeierte Konzertpianistin.

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Hei An Zhong De Jiu Shu 黑暗中的救赎 ("The Brother")
Psychologischer Thriller von An Zhanjun, China 2012. 99 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Filme wie dieser zeigen den Umbruch, in den sich Chinas Film derzeit befindet: weg von festgelegten Klassen- und Sozialkonflikten, und hin zu psychologisch bedingten Konflikten (ein Weg, auf dem z.B. Japan oder Südkorea - siehe unten - China weit voraus sind). Um jedoch aus einem Gangster-Thriller ein psychologisches Drama zu machen, konstruiert der Film eine Handlung, deren reale Wahrscheinlichkeit ungefähr die eines Lottogewinns sein dürfte.
Am Anfang sitzt, eine Zigarette rauchend, ein Mann namens Lin Yu in einer lärmenden Disco, in der Drogen konsumiert werden. Als es zu einer Polizei-Razzia kommt, versucht er zu flüchten. Jemand hält ihn fest, woraufhin Lin Yu dem Mann eine abgebrochene Bierflasche in den Bauch rammt. Mit andern wird er festgenommen und landet in einer 10-Mann-Zelle.
Die andern rechnen mit baldiger Entlassung, aber der Mann, mit dem Lin Yu gekämpft hat, stirbt, und plötzlich sitzt er nicht mehr als vermutlicher Drogenkurier, sondern als Mörder. Der Bruder des Ermordeten ist ausgerechnet Polizist, und der will Strafe, wenn nicht Rache. Doch dann zeigt eine DNA-Untersuchung, dass der Ermordete gar nicht sein wirklicher Bruder war - und eine weitere DNA-Untersuchung beweist, dass der Mörder Lin Yu in Wahrheit der leibliche Bruder des Polizisten ist. Welche Schlussfolgerungen die beiden daraus ziehen (aber auch die Justiz), zeigt der Film.

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HEI PAO SHI JIAN  黑炮事件 ("The Black Cannon Incident")
Von Huang Jianxin, China 1985. Mit Liu Zifeng, Gerhard Olschewski, Wang Yi, Gao Ming. 95 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Xiangqi, das chinesische Schachspiel, wird in China an jeder Straßenecke gespielt. Im Westen hat es bisher kaum Verbreitung gefunden, Berlin eingeschlossen, trotz des Einsatzes von Pionieren wie Rainer Schmidt und Hans Böttcher. Warum, ist unklar. Xiangqi ist viel dynamischer als unser Schach: Schon mit dem ersten Zug kann man im Prinzip einen Angriff beginnen. Einige Figuren beider Schachformen sind vergleichbar, z.B. Wagen/Turm, Bauer/Soldat, König/General sowie das Pferd. Die interessanteste Figur ist die Kanone. Sie zieht wie der Turm, braucht jedoch zum Schlagen stets eine Figur zwischen sich und der zu schlagenden Figur. Allerdings spielt man in China mit Rundsteinen, auf denen die chinesischen Schriftzeichen eingraviert sind. Man kann diese Figuren als Symbole darstellen, doch das Sagen haben im deutschen Xiangqi-Bund die Puristen. Und die beharren darauf, dass man auch im Westen die chinesischen Schriftzeichen verwenden müsse - vielleicht einer der Gründe, warum es Xiangqi hierzulande so schwer hat.
Auf eine solche Kanone bezieht sich der Titel des Films. Es ist ein Film, der wie kaum ein anderer in China auf intelligente Weise Bürokratismus und Paranoia von Parteigremien aufs Korn nimmt. Die Handlung spielt in den Anfangsjahren von Chinas Öffnung zum Westen. Und es geht ausgerechnet um ein deutsch-chinesisches Gemeinschaftsprojekt, nämlich die Errichtung einer großen Förderanlage. Verantwortlich ist auf deutscher Seite Hans Schmidt (herrlich gespielt von Gerhard Olschewski): ein cholerischer Ingenieur, der außer deutsch nur wenig englisch und kein Wort chinesisch spricht. Dieser war schon früher einmal vor Ort; damals wurde er von Zhao Shuxin betreut, einem sehr guten Dolmetscher. Der aber ist aus unerfindlichen Gründen nicht verfügbar. Der neue Dolmetscher ist Literaturwissenschaftler; von Technik hat er keine Ahnung. Das führt zu Missverständnissen, aber auch zur Katastrophe. Die Anlage versagt nämlich nach kurzem Betrieb ihren Dienst, und das würde man gerne der deutschen Firma in die Schuhe schieben. Aber dann zeigt sich die peinliche Ursache: In der Betriebsanleitung steht "Die Lager sind regelmäßig zu schmieren" - und der Literaturwissenschaftler hatte "Lager" als "Vorratslager" übersetzt statt als "Kugellager".
Langsam stellt sich heraus, warum der alte Dolmetscher Zhao nicht eingesetzt wird: Er hatte in einem Telegramm von einer fehlenden "schwarzen Kanone" geschrieben. Das erweckt in der Parteileitung die Befürchtung, es ginge vielleicht um Sabotage. Statt offen mit Zhao zu sprechen, entscheidet man sich dafür, ihn erst einmal auf einem unwichtigen Posten kaltzustellen, um hinter seinem Rücken Beweise für ein Verbrechen zu finden. Am Ende stellt sich heraus, worum es wirklich ging: Zhao hatte lediglich eine Kanone seines Schachspiels verloren, an dem er sehr hing. - Also eine bitterböse Satire mit politischem Hintergrund, und als solche eine echte Rarität der neueren chinesischen Filmgeschichte.

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History of Taiwan: Postwar Era and The 228 Incident (Dokumentation) 台灣的歷史—光復初期與二二八事件 ("The History of Taiwan: Postwar Era and The 228 Incident")
Dokumentation über die Guomindang-Machtergreifung auf Taiwan 1945 und den Massenmord an 30.000 Taiwanern nach dem 28. Februar 1947 ("228 Incident"). 55 min, Englische Version mit englischen UT ODER chinesische Version mit chinesischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

In den 50 Jahren japanischer Herrschaft war Taiwan verglichen mit dem chinesischen Festland zu einer relativ geordneten, gut ausgebildeten und wohlhabenden Gemeinschaft geworden. Nach der Kapitulation Japans 1945 fühlten sich die Taiwaner als Chinesen und erwarteten hoffnungsvoll die chinesischen Truppen.
Doch die Hoffnungen wichen bald einem Erschrecken. Die Guomindang (Wade-Giles-Umschrift Kuomintang = KMT) erwies sich von Anfang an als Besatzungsmacht, die nicht gewillt war, den Taiwanern eine angemessene Mitsprache in Politik und Verwaltung einzuräumen. Raub, Diebstähle und Vergewaltigungen durch die heruntergekommenen KMT-Soldaten häuften sich. Die taiwanische Sprache wurde verboten, und die KMT-Funktionäre erwiesen sich wie auf dem Festland als korrupt. Schnell formierte sich unter den Taiwanern ein wachsender Unmut und ein zunehmendes Nationalbewusstsein, das sich in Forderungen nach Unabhängigkeit äußerte.
Am 28. Februar 1947 entlud sich der Groll, als KMT-Polizisten eine Straßenhändlerin verprügelten. Überall gab es Versammlungen und Demonstrationen. Protestierende Taiwaner besetzten Polizeistationen und Behörden.
Chiang Kaishek und sein Beauftragter Chen Yi reagierten gnadenlos: In der folgenden Zeit wurde systematisch nach der gesamten taiwanischen Elite gefahndet - Studenten, Künstler, Politiker, Intellektuelle, Wissenschaftler. Die Festgenommenen wurde ohne Verfahren umgebracht und verscharrt, ebenso Tausende Unbeteiligte. In den Jahrzehnten danach reichte in der Zeit des "Weißen Terrors" der kleinste Verdacht, links zu stehen oder gar Kontakte zum kommunistischen Festland zu haben, für Festnahmen und drakonische Strafen.
Mehr als 40 Jahre durfte über die Verbrechen von 1947 nicht gesprochen werden. Selbst eine Nennung des Datums "28. Februar" war verboten, daher das Kürzel "228". Eine Aufarbeitung, die diesen Namen verdient (einschließlich einer Bestrafung der schlimmsten Mörder) gab es bis heute nicht. Aber wenigstens wird heute darüber gesprochen. Seit 1996 gibt es auch in verschiedenen Städten Gedenkorte wie das "228 Memorial Museum" in Taibei.
Mit der Wahl einer der KMT fernstehenden Präsidentin im Januar 2016 (Tsai Ing-wen) gehört auch die Guomindang selber vielleicht bald der Vergangenheit an - anders als die (laut Wikipedia) ca. 1500 Raketen, die vom Festland nach wie vor auf Taiwan gerichtet sind.

================================================================== HONG YAN  红颜 ("Dam Street")
Von Li Yu, China 2005. Mit Liu Yi, Huang Xingrao, Li Kechun, Wang Yizhu. 87 min, Chinesisch (Sichuan-Dialekt) OHNE englische UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Seit in China Filme gedreht werden, waren viele der wichtigsten Werke Filme über Frauen. Die Männer in diesen Filmen waren oftmals entweder brutale Ausbeuter oder Schwächlinge (etwa in "Goddess / 神女" oder "Little Toys / 小玩意" mit Ruan Lingyu). Aber Frauenfilme von Frauen gibt es noch nicht so lange, schon gar nicht mit eindeutig feministischer Perspektive. Zu diesen Regisseurinnen gehört Li Yu, die mit ihrem Erstling "Fish and Elephant /今年夏天" (2001) und später mit "Beijing Bicycle /  苹果" (2007) auch im Westen bekannt wurde. Zwischen beiden drehte sie 2005 "Dam Street / 红颜" – ein Film, der zu Unrecht im Westen wenig Resonanz fand.
Der Film spielt in den 80er-Jahren in einer Kleinstadt in Sichuan. Im Mittelpunkt steht die junge Xiaoyun, die ohne Vater bei ihrer Mutter aufwächst, einer Lehrerin. Gerade erst 16, wird sie von einem Mitschüler schwanger – ein Skandal nicht nur für die Familie, sondern auch für die Schule, wo ihr Vergehen in einer Versammlung vor allen Schülern und Lehrern kritisiert wird. Xiaoyun bringt das Kind zur Welt, das sofort zur Adoption freigegeben wird. Doch die Mutter und die beteiligten Ärzte sagen ihr, das Kind sei tot zur Welt gekommen.
10 Jahre später ist Xiaoyun ausgebildete Pekingopern-Schauspielerin. Als solche erlebt sie den veränderten Geschmack der jungen Chinesen, die sich bei den alten Opern langweilen. Sie lernt einen 10-jährigen Jungen kennen, bei dem der Zuschauer schnell spürt, dass es sich offenbar um Xiaoyuns eigenen, damals adoptierten Sohn handelt. Die beiden freunden sich an, und als Xiaoyun einmal von den Angehörigen eines Mannes angegriffen wird, der eine Affäre mit ihr angefangen hat, setzt sich der Junge für sie ein. Wenig später stellt Xiaoyuns Mutter fest, wer der Junge ist, ohne dies aber sofort der Tochter zu sagen, die nun endlich heiraten soll. Doch auf der Hochzeitsfeier – aus Sicht der Frau ein erniedrigendes Spektakel – kommt es zur Katastrophe, die damit endet, dass Xiaoyun ihre Mutter und ihre Heimatstadt endgültig verlässt.
Ein Film, der die bedrückende Atmosphäre einer Kleinstadt im China der 80er-Jahre deutlich macht – leider ohne englische Untertitel, dazu im Sichuan-Dialekt, daher nur im hinteren Raum.

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Hua Sheng 画圣 (The Painter), China 2012. Künstlerdrama von Hai Tao海涛, mit Wu Ma 午马, Xu Ning 许凝, Guo Zhenni 郭珍霓. 90 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre.

唐玄宗(刘长纯 饰)生命垂危之际十分想念曾经深爱的贵妃,希望找到画圣吴道子(午马 饰)替自己画一张贵妃像,以解思念之苦。青年画师唐安州(许凝 饰)就此踏上了寻找吴道子的旅途,一路来到青羊镇,在客栈遇见了一位穿着邋遢疯 癫的老乞丐。 种种迹象表明,老乞丐其实隐瞒了自己的身世,而他的真实身份,应该正是遁世的吴 道子。为了引蛇出洞,唐安州设下了重重计谋,却总是被聪明绝顶的老乞丐和客栈掌 柜红绛(郭珍霓 饰)耍弄,颜面尽失。最终,唐安州掌握了红绛身世的把柄以此相要挟,无奈之下, 老乞丐只得将唐安州领到了一处坟前,告诉唐安州,坟中埋葬的正是吴道子...

Im Mittelpunkt des Films steht Wu Daozi 吴道子, ein berühmter Maler der Tang-Zeit. Wie bei allen Berühmtheiten in China, so waren und sind Fakten auch hier untrennbar mit Legenden verwoben (so dass Westler wie Frank Dikötter die Geschichtsfälschung als Grundprinzip der chinesischen Geschichtsschreibung betrachten). Eine der Legenden um Wu Daozi besagt, dass Kaiser Xuanzong (mit seiner über alles geliebten Yang Guifei) ein Dekret erlassen habe, der große Maler dürfe künftig nur noch auf kaiserliche Anordnung malen. Eine andere Legende betrifft das Ende von Wu Daozi: Dieser habe eine derart realistische Wand gemalt, dass er eine dort gemalte Tür habe öffnen und dahinter für immer verschwinden können. Beide Legenden verbindet Regisseur Hai Tao in diesem Film.
Kunst und Ruhm, Macht und Freiheit – darum also geht es. Nach einem kurzen Vorspiel um den sterbenden Kaiser Xuanzong sehen wir einen jungen Adligen in einem entlegenen Dorf  eintreffen (allerdings mit einer Herberge, deren Inhaberin wie eine Prinzessin auftritt). Der Adlige – selber ein begabter Maler – sieht im Dorf beeindruckende Bilder, in denen er den Stil des Wu Daozi erkennt. Er sucht den Urheber auf und bittet ihn, dessen Schüler werden zu dürfen. Doch der beharrt darauf, der Dorfnarr zu sein, der lediglich, um Essen zu bekommen, gelegentlich mit Bildern bezahle.
Was wie ein Idyll beginnt, wird erst zum Drama und dann gar zur Tragödie. Denn wie bei allen kaiserlichen Dekreten ist auch bei dem oben genannten eine Nicht-Befolgung lebensgefährlich, zumal der Film das Ganze mit dem Aufstand des Lu Anshan verknüpft. Am Ende opfert der Maler lieber einen Arm, als seine Freiheit zu aufzugeben und sich (wie heute z.B. Zhang Yimou) von den Mächtigen kaufen und in einen goldenen Käfig sperren zu lassen. Wer will, kann darin eine politische Allegorie sehen – oder einfach eine Geschichte über einen legendären Künstler, dem seine Kunst über alles ging: dargestellt in einem schönen Film, dessen Szenen selber wie Gemälde komponiert sind.

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HUA YANG ("Ripples of Desire")
Von Zero Chou, Taiwan 2012. Mit Michelle Chen, Ivy Chen, Jerry Yen, Simon Yam. 122 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Beim Neujahrsfest der Berliner Taiwan-Chinesen am 12. Februar 2013 war Merkwürdiges festzustellen: Das Wort "China" fiel kein einziges Mal, weder auf deutsch noch als "Zhongguo 中国" auf chinesisch. Dasselbe Phänomen bei dem monumentalen taiwanesischen Film "Hua Yang – Ripples of Desire": "Zhongguo" wird kein einziges Mal erwähnt.
Der Film ist schon deshalb interessant, weil die Regisseure der Insel ihr Augenmerk bisher selten auf die ältere Geschichte Taiwans richteten. Anders im neuesten Werk der Regisseurin Zero Chou (die mit lesbischen Filmen wie "Spider Lilies" bekannt geworden ist). Die Story spielt in einer ferneren Vergangenheit, in der neben Piraten auch Holländer und Portugiesen um Einfluss ringen. In der komplexen Handlung geht es um Begehren, Liebe, Loyalität und Krankheit auf der einen Seite, und um Macht, Geld, Unabhängigkeit und die Herrschaftsansprüche des Gouverneurs (der Hauptinsel, nicht des Festlandes) auf der anderen. Da ist Master Hai, der Anführer einer Schiffsmannschaft und Quasi-Herrscher einer kleinen Nebeninsel. Auf dieser ein Gasthaus mit den beiden begehrten Singmädchen Snow und Frost. Was keiner weiß: Eine der beiden leidet offenbar an einer Krankheit, die auch im alten China die Leute in Panik versetzte: "Aussatz", also Lepra. Nicht nur der Sohn von Master Hai ist in Frost verliebt, sondern auch ein reicher Teeplantagenbesitzer von der Hauptinsel. Der aber ist auch Abgesandter des Gouverneurs, der Master Hai entweder auf seine Seite ziehen oder aber eliminieren will. So entsteht ein Geflecht aus Haupt- und Nebenhandlungen, deren politischer Strang in einer erbitterten Schlacht endet, während gleichzeitig eine der Liebesgeschichten in Verrat endet, die andere in bedingungsloser Hingabe und nachfolgender Erlösung. Dass dabei immer wieder auch Klischees bedient werden, war wohl unvermeidlich. Doch während für Festland-Regisseure wie Zhang Yimou und Chen Kaige der Drang in die Historie Ausdruck der Feigheit ist, sich Chinas gesellschaftlichen Kernfragen zu stellen, ist der Weg in die Geschichte für die Taiwan-Regisseure offenbar Ausdruck einer immer stärker werdenden Suche nach der eigenen historischen Identität, und schon deshalb von Interesse.

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HUAI SHU ZHUANG 槐树庄 ("Locust Tree Village")
Von Wang Ping, China 1962. Mit Hu Peng, Kong Rui, Ge Zhenbang. 96 min, chinesische mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Die Handlung des Films beginnt 1947. Schon damals kämpfen die Anhänger die KP in "Locust Tree Village" im Norden Chinas um eine Landreform. Natürlich versuchen reaktionäre Kräfte das zu verhindern. Doch sie können sich nicht durchsetzen und werden schließlich endgültig entmachtet. Am Ende (1958) bildet das Dorf eine Volkskommune, und die verdienstvolle Bäuerin Guo reist nach Peking, um dort als "Heldin der Arbeit ausgezeichnet zu werden. Für den Inhalt und die Inszenierung erhielten der Film und sein Regisseur 1963 den "Hundred Flowers Award".
Eigentlich ist es erstaunlich, dass Streifen wie dieser immer wieder im chinesischen TV zu sehen sind. Schließlich ist außer dem Kampf gegen die Japaner und der ersten Landreform fast alles hinfällig, was damals gepriesen und erzwungen wurde: die Vernichtung privaten Handels und Unternehmertums, die Gründung der Volkskommunen, die Ausrottung der Sperlinge, der Große Sprung nach rückwärts mit der größten Hungersnot in Chinas Geschichte sowie  abgeholzten Wäldern und den lächerlichen Stahlklumpen, die dabei herauskamen. Wer allerdings der Meinung ist, das Zeigen solcher Filme im heutigen China sei ein Eingeständnis früherer Fehler, der irrt – in Wahrheit sollen diese Filme immer wieder an die Macht erinnern, mit der Staatsführung damals wie heute ihre politischen Ziele durchsetzen konnte und kann.

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HUANG HE JUE LIAN  黄河绝恋 ("Lover's Grief over the Yellow River")
Von Feng Xiaoning, VR China 1999.  Mit Ning Jing und Paul Kersey. 105 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

China nach der japanischen Invasion: Paul Kersey spielt einen amerikanischen Piloten, dessen Maschine nahe der Großen Mauer notlanden muss. Er wird von chinesischen Guerilla-Kämpfern gerettet, die ihn durch die feindlichen Reihen zum Hauptquartier der Roten Armee bringen sollen. Dabei entwickelt sich seine Liebe zu einer jungen Soldatin, die zur Guerilla gegangen war, nachdem Japaner sie vergewaltigt hatten. - Als sich China nach 1980 wieder zum Ausland hin öffnet, erhält der Pilot Gelegenheit, die Kampfplätze von damals wiederzusehen.
Dieser Film ist der zweite aus Feng Xiaoning's "Krieg-und-Frieden-Trilogie". Paul Kersey hatte bereits im ersten dieser drei Filme ("Hong Hegu / Red River Valley") mitgespielt, in dem es um die britische Invasion Tibets geht. "Huang He Jue Lian" errang 1999 den "Golden Rooster Award" in den Kategorien "Best Actress", "Best Music", "Best Artistic Work".

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HUANG JIN DA JIE AN  黄金大劫案 ("Guns and Roses")
Action-Groteske von Ning Hao宁浩, China 2012. Mit Lei Jiayin 雷佳音, Tao Hong 陶虹, Cheng Yuanyuan 程媛媛, Guo Tao 郭涛, Fan Wei 范伟, Huang Bo 黄渤. 110 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Der 1977 geborene Ning Hao, der mit "Mongolian Pingpong (绿草地)" und "Crazy Stone (疯狂的石头)" auch im Westen bekannt wurde, ist eine Art Enfant Terrible des jungen chinesischen Films. Sein "No Man's Land (无人区)" machte auf der Berlinale Furore, durfte aber in seinem Heimatland eine Weile nicht gezeigt werden. Davon unbeeindruckt drehte der Regisseur "Guns and Roses": Ein wildes Spektakel, das in den 30er Jahren in dem von Japanern besetzten Nordchina spielt. Im Mittelpunkt steht der Trickdieb Xiao Dongbei, der alles stiehlt, was nicht niet- und nagelfest ist, auch von Priestern und bettelnden Kindern.
Bei einer Festnahme erfährt er von einem gigantischen Projekt: Mit 8 Tonnen Gold, die in den Tresor einer lokalen Bank gebracht werden sollen, will die mandschurische Marionettenregierung den Kauf ausländischer Waffen finanzieren. Eine Gruppe von Widerstandskämpfern, die als Schauspieltruppe durchs Land reist, will das verhindern und die Ladung stehlen. Xiao Dongbei entdeckt nicht nur den Plan, sondern bändelt auch mit der Tochter des Bankers an, in dessen Bank das Gold deponiert werden soll. So wird er fast ohne eigenes Zutun zu einer Zentralfigur im Widerstandskampf, bis hin zum erbarmungslosen Showdown, in dem nicht nur Gute wie Böse hingemetzelt werden, sondern auch das Gold sich in dem Inhalt eines mit Säure gefüllten Tanklasters auflöst.
Alles in allem eine schonungslose, anarchische Groteske mit immer neuen Wendungen, wo nicht nur die Japaner ihr Fett wegbekommen, sondern auch die Helden. Auch die immer wieder geweckten Erwartungen romantischer Beziehungen schneidet der Regisseur brutal ab, gar nicht zu reden von einem Happy-End. Anders als Jiang Wen, dessen Filme äußerlich immer pompöser, inhaltlich jedoch immer leerer und zahnloser werden, gelingt es Ning Hao auch in diesem Film, subversive Inhalte in spektakuläre Aufnahmen zu packen. Schon dafür verdient er alle Anerkennung.

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HUI JIA DE LU 回家的路 ("Home Run")
Satirische Komödie von Fang Gangliang, China 2008. Mit Fan Bingbing, Chapman To, Zou Yanwen. 93 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 6 Jahre

Satire in China ... das ist, wie wir wissen, ein Kapitel für sich. Radikalsatire über Chinesen als solche verletzt den wiedererwachten chinesischen Nationalstolz; darum der Hass auf Lu Xun und seine Verbannung aus den Schulbüchern. Satire auf hohe Funktionäre und Politiker (ob tote wie Mao oder lebende wie Xi Jinping) ist ein Tabu, sogar im Blick auf erfundene Propagandafiguren wie Lei Feng. Erlaubte Themen sind neben den üblichen Familienkonflikten hingegen die Reichen und Berühmten samt ihrer glitzernden Konsum- und Medienwelt. Das ist auch das Thema dieses Films: der Versuch einer Satire auf die Exzesse eines überdrehten Fernsehwesens, mitsamt ihren Konsequenzen für die menschlichen Beziehungen der Beteiligten.
Für die Hauptrollen der Erwachsenen wählte man mit Fan Bingbing und Chapman To zwei der populärsten Schauspieler, dazu mit Zou Yanwen einen routinierten Kinderdarsteller. Chapman To spielt wie gewohnt den braven Schüchternen, hier als Zahnarzt und alleinerziehender Vater, der mit Blind Dates eine neue Mutter für seinen Sohn sucht. Fan Bingbing spielt eine berühmte TV-Moderatorin, die eine Life-Show mit dem Titel "Home Run" moderiert. In dieser Show werden kleine Kinder irgendwo in Shanghai abgesetzt, die dann ihren Weg nach Hause finden sollen. Die Quoten sind im Keller, das für die Sendung vorgesehene Kind fällt aus, und der Chef droht der Moderatorin mit sofortiger Entlassung. In der Not erinnert sie sich an ihren eigenen Sohn Lu Xiao, den sie ihrer Karriere wegen verlassen und beim Vater (eben besagtem Zahnarzt) zurückgelassen hat. Der Kleine jedoch, vom Vater auf Eventualitäten vorbereitet, hat seinen eigenen Kopf und durchkreuzt immer wieder die Absichten der Moderatorin. Inzwischen führt der Vater sein Blind Date weiter, doch als er mitbekommt, was mit seinem Sohn geschieht, sucht und findet er diesen zusammen mit seiner Exfrau auf der Aussichtsplattform des Shanghaier Fernsehturms. Am Ende stehen neue Aufträge für die Moderatorin, jedoch Ungewissheit für den Zahnarzt und seinen Sohn. - Der Film hat lustige Momente, etwa beim komischen Dating des Vaters oder bei den Tricks des kleinen Lu auf seinem Weg durch die Shanghaier Glitzerwelt. Problematisch für Dramaturgie und Psychologie ist allerdings, dass die Rolle der sonst so beliebten Fan Bingbing bis zuletzt die einer berechnenden und im Kern eher abstoßenden Karrierefrau bleibt.

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HUI MIN ZHI DUI  回民支队 ("The Hui People's Detachment")
Revolutionsfilm von Feng Yifu und Li Jun, China 1959. Mit Li Po, Jia Liu, Hu Peng, Liu Jiyun. Farbe, 102 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Der Film singt das Hohelied von Ma Benzhai, einem Kriegshelden aus der Hui-Minorität, der von 1901-1944 lebte. Die Geschichte spielt 1938 in Hebei, wo Ma Benzhai zunächst in einer Hui-Region ein Freikorps im Widerstand gegen die Japaner anführt. Nach einer anfänglichen Niederlage tritt er mit seiner Truppe der Roten Armee bei und selber am Ende auch der Partei.
Dies ist (zumal in Farbe) ein Klassiker in jener unendlichen Reihe von Filmen, die mit immer neuen Personen in immer neuen Konstellationen immer wieder dieselbe Selbstlob-Story von Armee und Partei erzählen, wobei dem politischen Gegner stets alle nur denkbaren Schlechtigkeiten zugesprochen werden. Hier z.B. ist das neben den obligatorischen Verrätern ein Offizier der Republiktruppen, der als offizieller Berater im Stab der Japaner mitarbeitet, damit diese möglichst erfolgreich gegen Volk und KP kämpfen können. Woran man wieder einmal sieht, dass Chinesen offenbar anderen Chinesen stets die allergrößten Gemeinheiten zutrauen.

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HUI YAN DAN XIN 慧眼丹心 ("Bright Eyes")
Von Yi Lin, China 1960. Mit Zhang Anfu, Wang Xin, Song Lanbo. SW, 80 min, Chinesisch mit englischen UT.  Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Ein Film aus der kurzen Zeit fiktiver Klassenlosigkeit, wo in China die Arbeitseinheit wie eine Familie war und eine Ehe lebenslang hielt. Die Story spielt 1950, in der Anfangszeit des Koreakrieges. Feng Zhiqing, ein junger Fabrikarbeiter, verliert durch einen Unfall fast seine gesamte Sehkraft. Seine Willenskraft und seine Freundin Sufang helfen ihm, das Handicap zu überwinden. Am Ende macht er eine wichtige Erfindung und heiratet Sufang, auch seine Sehfähigkeit bessert sich. Alles wird gut ... jedenfalls wenn man von der Hungersnot absieht, die nach 1959 aufgrund des "Großen Sprungs nach vorn" 30 Millionen Chinesen verhungern lässt, und von der bald beginnenden Kulturrevolution, die alle kulturellen und menschlichen Werte zerstören wird. Also ein idyllischer Film, der Chinas Wirklichkeit 1960 weitgehend ausblendet (gar nicht zu reden vom Rest der Welt, wo gerade Hitchcocks "Psycho" in die Kinos kommt und in Hamburg eine unbekannte Band namens "Beatles" ihre Zuhörer verwirrt).

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HUN JIANG LONG LI JUN 混江龙李俊 ("Li Jun a Hero on the River")
Von Wang Yuanlong, China 1940. Mit Wang Yuanlong und Shi Shan. Schwarzweiß, 89 min, Chinesisch mit (PC-generierten) englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Von den großen chinesischen Volksromanen ist das "Shui Hu Zhuan 水浒传" ("Die Räuber vom Liangshan-Moor") nicht nur der Roman mit den meisten bekannten Figuren - 108 Helden, jeder mit besonderen Fähigkeiten und besonderem Lebenslauf - sondern damit verbunden auch der mit den meisten Unter- und Nebengeschichten. Diese werden in zahlreichen Erzählungen, Opern und eigenen Romanen ausgebreitet (z.B. im "Jin Ping Mei 金瓶梅", das in Teilen eine Nebengeschichte um den Tigerbezwinger Wu Song ist). Auch der Film von Wang Yuanlong erzählt eine solche Geschichte. Sie spielt während der Song-Dynastie am Taihu-See. Hier hat sich der lokale Grundherr Ding vom korrupten Magistrat eine Bescheinigung erschlichen, die den ganzen See ihm zuspricht und das Fischen im See nur mit seiner Erlaubnis und gegen hohe Abgaben zulässt. Dagegen erheben sich die ansässigen Fischer und Fährleute, die seit jeher vom See leben. Insbesondere der Held Li Jun tut sich in diesem Kampf hervor, der für ihn und seine Gefährten damit endet, dass sie sich Song Jiang und den besagten "Räubern vom Liangshan-Moor" anschließen.

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Hun Qian Shi Ai 婚前试爱 ("Marriage with a Liar")
Beziehungs-Comedy von Patrick Kong, Hongkong 2010. Mit Chrissie Chau, Chung Him Law, Carol Yeung, Timmy Hung. 85 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Kiki und Jerry wollen in einer Woche heiraten - aber dann glaubt Kiki nach einem Missverständnis, dass ihr Verlobter sie betrügt. Aus Ärger verbringt sie eine Nacht mit einem Fotografen, und der schlägt ihr vor, auch die verbleibenden 3 Tage vor der Hochzeit mit ihm zu verbringen. Ähnliches passiert, ebenfalls für 3 Tage, Jerry. Die Dramaturgie will es, dass beide Seitensprünge jeweils von Freunden des anderen Partners beobachtet werden - die aber finden auf die Frage, ob sie das Gesehene verraten sollen, eine hübsche Lösung. Die verblüffende Moral dieses freundlichen B-Streifens: Lieber vorher fremdgehen, dann hält die Ehe länger.

================================================================== HUO LU  活路 ("Live @Love")
Krimi-Komödie von Zhang Shi, Taiwan 2014. Mit Cheryl Yang (Yang Jinhua 杨谨华), Liu Yihao, Guo Shuyao. 118 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Schon merkwürdig. Natürlich gibt es in Shanghai oder Peking heutzutage mehr als genug dubiose Firmen, fremdgehende Ehemänner, zwielichtige Geschäftemacher. Und weil es die gibt, gibt es auch private Detektivbüros. Dennoch sind Privatdetektive im Film der Volksrepublik kaum anzutreffen. Die Frage, warum das so ist, führt tief in die politischen, sozialen und psychischen Abgründe im Reich der Mitte, über die ich hier lieber schweigen möchte. Doch in Taiwan, so beweist dieser Film, geht das.
"Huo Lu" zeigt nicht nur das Gewerbe, sondern gleich noch in weiblicher Gestalt. Im Mittelpunkt steht die ebenso hübsche wie ausgekochte Du Jiling, die ein etwas heruntergekommenes Detektivbüro unterhält. Zu ihr stößt der junge Yan: ein Sohn aus einer reichen Familie, der aus bestimmten Gründen Detektiv lernen möchte.
Am Anfang darf er das tägliche Brot des Gewerbes kosten: entlaufene Hunde, entführte Katzen, Ehefrauen, die ihre Männer der Untreue verdächtigen. Dann aber ein größerer Fall: Die Frau eines reichen Geschäftsmannes wird vergiftet aufgefunden, und der Ehemann – selber Hauptverdächtiger – heuert die Detektivin an, um seine Unschuld zu beweisen. Der Fall führt die taffe Du Jiling und ihren braven Lehrling mitten in die Halb- und Unterwelt der Stadt, bis der Fall eine überraschende Lösung findet.  – Alles in allem eine hübsche Krimi-Komödie mit einer umwerfenden Detektivin, bei der man sich jedenfalls eine Fortsetzung wünscht.

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JI LANG QING CHUN  激浪青春 ("Breaking the Waves")
Sport-Romanze von Patrick Leung Pak-Kin, China 2014. Mit Joe Chen Qiao-En, Huang Xiaoaming, Huang Xuan, Annie Wu Chen-Chun, Xie Jingjing. 92 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Diese Produktion sollte der in Taiwan und Festland gleichermaßen populären TV-Darstellerin Chen Qiao-En ihre erste Kino-Hauptrolle geben, und das an der Seite weiterer populärer Schauspieler wie Eric Tsang Chi-Wai, Huang Xiaoming und Huang Xuan (den wir kürzlich in "Blind Massage" als Xiao Ma sahen). Angelegt ist das Werk als Komödie. Mit der fetten Xie Jingjing als Gegenspielerin war wohl ein frischer Gute-Laune-Film im sportlichen Hochschulmilieu beabsichtigt. Die Story allerdings zeigt, wie schwer es in der Volksrepublik derzeit ist, eine unbeschwerte Komödie zu drehen.

Joe Chen verkörpert eine Goldmedaillen-Kanutin, die ihre aktive Laufbahn der Liebe halber aufgegeben hat und jetzt eine Männermannschaft zur Meisterschaft im nationalen Drachenboot-Wettbewerb führen soll. Nicht nur ihre Feinde in der Uni wollen sie scheitern sehen - auch die Mannschaft selber hat anfangs nicht die geringste Lust zum Drachenboot-Rudern. So braucht es diverse massive Kehrtwendungen der Story, um das Ganze nicht frontal gegen die Wand laufen zu lassen. Herausgekommen ist ein seltsamer Film, der vor allem eines zeigt: den enormen Wandel, den das Bild der akademischen Jugend und des Lebens an der Universität im heutigen China durchgemacht hat. Vielleicht war das der Grund, warum der Film schon 2010 fertig war, aber dann doch erst 2014 in die Kinos kam.

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Ji Qi Zhi Xue ("Bleeding Steel") 机器之血, China 2017. Science-Fiction-Cyberpunk-Actionfilm von Leo Zhang, mit Jackie Chan 成龙, Sho Lo, Ouyang Nana. 106 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

2007年,Dr. James在半岛军火商的支持下研究生化人。研究过程中,生化人安德烈发生基因突变大 开杀戒,将半岛军火商杀害,并控制其组织,接管生化人的研究。Dr. James侥幸逃生,只好寻求警方的保护。特工林东(成龙 饰)不得以离开生命垂危的小女儿西西,接受证人保护任务...
  十三年后,一本科幻小说《机器之血》的出版引出了黑衣生化人组织,神秘骇客李森(罗志祥 饰)(被杀害的半岛军火商的儿子),以及隐姓埋名的林东,三股力量都开始接近一 个普通女孩Nancy(欧阳娜娜 饰)的生活,想要得到她身上的秘密。而黑衣人幕后受伤隐藏多年的安德烈也再次出 手,在多次缠斗之后终于抓走Nancy。林东和李森,不得不以身犯险一同前去解救,关 键时刻却发现李森竟然是被杀害的半岛军火商的儿子,生化人的实验记录也落入了李 森之手......。。。

Genrebezeichnungen sollen Zuschauern und Kritikern eine Vorstellung geben, was sie erwartet. Bei diesem Jackie-Chan-Film von 2017 handelt es sich (siehe oben) laut Wikipedia um einen "Science-Fiction-Cyberpunk-Actionfilm". "Rotten Tomatoes" macht das noch deutlicher und nennt ihn einen "Action & Adventure, Mystery & Suspense, Science Fiction & Fantasy Film". Alles klar?
Das ist das Schöne bei Jackie Chan: mit seinen 64 Jahren ist er nach chinesischem Brauch seit 4 Jahren in Rente, doch die Stories seiner Filme werden immer wilder. Hier spielt er Officer Lin: früheres Mitglied einer Spezialeinheit, deren Auftrag vor 13 Jahren mächtig schiefging. Es ging um die Super-Erfindung eines Genetikers, der einen unbesiegbaren Bio-Roboter herstellen wollte. Damals starb die Tochter von Lin an Leukämie ... so jedenfalls schien es ... nun tauchen die Forschungsergebnisse des Genetikers im Rahmen eines Science-Fiction-Romans wieder auf ... wie man sieht, eine absolut klare, stringente Handlung, in der sich Jackie Chan in allen Arten von Cyber-Kampfkünsten bewähren darf.

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Ji Tong Ya Jiang  鸡同鸭讲 ("Chicken and Duck Talk")
Komödie von Clifton Ko, Hongkong 1988. Mit Michael Hui, Ricky Hui, Sylvia Chang. 98 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 6 Jahre

Ah Hui führt in Hongkong ein alteingesessenes Enten-Restaurant. Seine Ente ist berühmt, aber das Restaurant ist schmutzig und verwahrlost. Also hat er nicht nur Probleme mit dem Hygiene-Inspektor, sondern auch mit seiner reichen Schwiegermutter, die davon überzeugt ist, dass ihre Tochter den Falschen geheiratet hat.
Dann wird gegenüber auch noch "Danny's Chicken" eröffnet, die Filiale einer amerikanischen Fast-Food-Kette. Der Kampf zwischen beiden wird mit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln geführt – bis am Ende natürlich die Richtigen gewinnen.

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"Battle of Memories" 记忆大师 (Ji Yi Da Shi), China 2017. Science-Fiction-Thriller von Leste Chen 陈正道, mit Huang Bo 黄渤, Duan Yihong 段奕宏, Xu Jinglei 徐静蕾. 119 min, chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre.

故事发生在2025年的T国,男主角江丰因为和妻子张代晨婚姻破裂,而走进记忆大师 医疗中心接受手术,却不料因一场突发的事故造成记忆被错误重载,莫名其妙的变成 了“杀人凶手”。警官沈汉强的穷追不舍让他逐渐发现,自己脑内的错误记忆不仅是 破案的关键,更是救赎自己的唯一希望。与此同时,妻子身边出现的女人陈姗姗、记 忆中浮现出的神秘女子,似乎也和真相有着千丝万缕的联系,一场记忆烧脑战也随之 开始。

Von Leste Chen, dem 1981 geborenen taiwanischen Regisseur, sahen wir im Chinaclub bereits so unterschiedliche Filme wie "Eternal Summer" (盛夏光年, 2006), "Say Yes" (101次求婚, 2013) oder "The Great Hypnotist" (催眠大师, 2014). Hier nun sein neuestes Werk: ein Thriller. Gedreht ist er als chinesische Produktion, aber klugerweise in Thailand, so dass die allgegenwärtige, jeden aufmüpfigen Gedanken im Keim erstickende Zensur den Film erst in der Endfassung zu sehen bekam.
Von einem Science-Fiction-Film zu sprechen, ist nicht ganz richtig, denn ein Stück SciFi braucht es nur für die Grundidee. Die besteht darin, dass es in einem imaginären Land "T" (natürlich nicht China, denn in "T" gibt es keine allmächtige Partei) eine Technik gibt, die einem Menschen selektiv einen Teil seines Gedächtnisses entfernen kann. Das nimmt der Schriftsteller Jiang Feng (Huang Bo) in Anspruch, um die Scheidung von seiner Frau Zhang Daichen (Xu Jinglei) ertragen zu können. Als diese davon erfährt, verlangt sie (aus Gründen, die erst am Schluss deutlich werden), dass Jiang Feng das Ganze rückgängig machen lässt. Dabei kommt es zu einem Zwischenfall – mit dem Ergebnis, dass Jiang statt seiner eigenen Erinnerungen auf einmal die eines Killers im Gehirn hat. Er ist Zeuge verschiedener Morde, ohne zu wissen, wer er selber – also der Killer – in diesen Erinnerungen ist.
Als er damit zur Polizei geht, glaubt ihm diese zunächst nicht. Doch dann stellt Inspektor Shen (Duan Yihong) fest, dass die Erinnerungen zu realen Morden passen. Um zu verhindern, dass Jiang selber auf Mörderjagd geht, sperrt der Polizist ihn ein ... bis hin zum Showdown, bei dem sich nach diversen fälschlich Verdächtigten der wahre Killer zu erkennen gibt. Ein spannender Thriller mit einer weiteren Paraderolle für Huang Bo – wobei ihm mit Duan Yihong und der Schauspieler-Regisseurin Xu Jinglei hochklassige Darsteller zur Seite stehen.

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JIA BIAN GOU 夹边沟 ("The Ditch / Die Grube")
Von Wang Bing, China/Frankreich 2010. Mit Lu Ye, Xu Cenzi, Yang Haoyu. 105 min, Chinesisch mit französischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Eine der schlimmsten Episoden in der Geschichte des neuen China war die "Lasst-hundert-Blumen-blühen-Kampagne" 1956-57 und der anschließende Umgang mit all denen, die es gewagt hatten, hierauf tatsächlich Vorschläge und Kritik zu unterbreiten: Die besten und mutigsten Köpfe Chinas wanderten als "Rechtsabweichler" in Straflager. Viele von ihnen starben an Erschöpfung oder an den Misshandlungen, oder sie verhungerten in der entsetzlichen Hungersnot nach dem "Großen Sprung nach vorn".
Besonders schlimm war das Lager Jiabiangou in der Wüste Gobi. Von 1957 bis in die späten 1960er Jahre waren hier 3000 Personen interniert. Kaum mehr als ein Zehntel von ihnen überlebte. Der Film von Wang Bing zeigt Leben und Leiden dieser Menschen in der Spätzeit des Lagers, und zwar so ungeschönt und erbarmungslos, wie dies kein anderer chinesischer Film jemals gewagt hat.
Das Material wurde in China gedreht und in Frankreich geschnitten. Der Film ist quälend, und einige Szenen und Bilder sind kaum zu ertragen. Dennoch sollte man sich diesen Film ansehen, schon um nicht zu vergessen, wie das heutige China entstand. Und natürlich muss man sich fragen: Wer war für das Leid so vieler Chinesen verantwortlich? Ein Verbrecher, ein Mörder, ein Tyrann? Oder doch, trotz der Millionen von Gequälten, Gedemütigten und Verhungerten, die er auf dem Gewissen hatte, immer noch eine Vorbildfigur? Und schließlich: Wie steht es um den moralischen Anspruch jener Partei, die stets ein willfähriges Werkzeug dieses Mannes war?

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JIA FANG YI FANG  甲方乙方 ("Dream Factory")
Von Feng Xiaogang, China 1997. Komödie mit Ge You, Feng Xiaogang, Ah-Wei. 83 min, Chinesisch OHNE UT. Altersempfehlung: ab 9 Jahre

Nachdem Feng Xiaogang vorher einige TV-Serien und einen erfolglosen Spielfilm gedreht hatte, war dies der erste Film mit Ge You, der in der Folgezeit sein wichtigster Schauspieler werden sollte. Den Plot bildet eine Geschäftsidee: Einige unterbeschäftigte Freunde aus dem Filmbusiness wollen in fiktiven Filmhandlungen Leute mit Geld Rollen spielen lassen, die sie sich immer gewünscht haben. Der Besitzer eines Buchladens möchte General Patton sein Ein Chefkoch träumt davon, in den Händen einer feindlichen Macht heldenhaft allen Foltern und Drohungen zu widerstehen. Ein Millionär möchte wissen, wie es ist, arm zu sein. Ein berühmter Filmstar möchte das Leben der kleinen Leute kennenlernen. All das versuchen die Partner der "Dream Factory" (einer davon der Regisseur Feng Xiaogang selber) zu verwirklichen, wobei natürlich alles mögliche schiefgeht. - Mit dieser Komödie begründete Feng Xiaogang ganz nebenbei ein neues Filmgenre, nämlich die sogenannten "Neujahrsfilme" (He Sui Pian 贺岁片): hübsche heitere Streifen, die dem Publikum zum Neuen Jahr gute Laune machen sollen.

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Jia Zai Tai Bei 家在台北 („Home Sweet Home")
Von Pai Ching-jui, Taiwan 1970. Mit Chang Hsiao-yen, Chen Kuo-chun, Chen Huimei, Li Chang, Chu Bo-lin. Farbe, 108 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

"Jia Zai Taibei" ist in gewisser Weise ein Schlüsselfilm. Er spielt in einer Zeit, als Taiwan – 20 Jahre bevor Ähnliches auf dem Festland stattfand – zahlreiche Akademiker zum Studium in die USA schickte.

Von den ersten dieser Studenten kehrten die meisten (auch hierbei die Entwicklung auf dem Festland nach 1980 vorwegnehmend) nicht in ihr Heimatland zurück. Doch die Protagonisten dieses Films tun es. Die Handlung beginnt in einem Flugzeug, das zur Landung in Taibei ansetzt. Erzählt wird die Geschichte von einigen dieser Rückkehrer. Da ist die reiche Frau, die vorgibt, nur einen Besuch machen zu wollen, aber in Wahrheit auf die Fortsetzung einer alten Liebesgeschichte hofft. Da ist ein flatterhafter Womanizer, der aus Geldgründen eine ihm unbekannte Frau heiraten will. Schließlich ein Wasserbauwissenschaftler, der sich nach 10 Jahren USA seiner Familie entfremdet fühlt und sich von seiner Frau, die inzwischen sein Kind großgezogen und seinen alten Vater gepflegt hat, scheiden lassen will, um eine Amerikanerin zu heiraten.
Doch am Ende spüren die meisten von ihnen, dass ihre wahre Heimat Taiwan ist. Das entsprach in Zeiten der Filmzensur, die damals auch in Taiwan regierte, einerseits der offiziellen Linie. Doch gleichzeitig war es auch Ausdruck des wachsenden Selbstbewusstseins und des neu erwachenden Heimatgefühls des Inselstaates.

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Jian Wang Cun, "The Village of No Return" 健忘村, Taiwan und China 2017. Action-Comedy von Chen Yu-Hsun 陈玉勋, mit Shu Qi 舒淇, Wang Qianyuan王千源, Chang Hsiao-chuan张孝全, Eric Tsang 曾志伟. 116 min, chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre.

《健忘村》的故事发生在一片世外桃源般的村落里,传说此地风水有帝王之相,石员外(曾志 伟 饰)觊觎村中龙脉,企图与土匪联合屠村。有一天,一声惨叫打破了裕旺村的宁静, 村民朱大饼意外中毒身亡,大饼的妻子秋蓉(舒淇 饰) 成为了最大嫌疑人, 这时 “天虹真人” 田贵(王千源 饰) 手持神秘宝器“忘忧”路过村子。 据说 “忘忧” 可以洗去人的记忆,控制人格。从此裕旺村变成了健忘村。荒诞爆笑,阴谋不断,其 乐融融的世外桃源背后隐藏着一场血雨腥风 ...

Ein abgelegenes Dorf in der Zeit des Übergangs von Qing-Dynastie zu Republik. Demnächst soll die Eisenbahn vorbeikommen, und der Dorfchef will hier einen Bahnhof bauen. Da kommt ein Laienmönch (Wang Qianyuan) ins Dorf, mit einem geheimnisvollen Helm, der unerwünschte Erinnerungen auslöschen kann (ein Thema, das offenbar in China derzeit "in" ist, siehe die "Battle of Memories" von Leste Chen). Bald macht der seltsame Mönch alle Bauern zu "happy idiots" und sich selber zum Anführer.Doch die schöne Witwe Autumn (Shu Qi) rebelliert und holt sich ihr Gedächtnis zurück. Als es dann zu einem Überfall einer Räuberbande kommt, heilt sie auch die anderen und rettet das Dorf. Also einmal eine ganz andere Rolle für Superstar Shu Qi: in einem Film, den man als verrückte Komödie genießen kann – aber auch, wenn man will, als schwarze Satire auf eine Gesellschaft, in der die Auslöschung von Gedächtnis zur Staatsräson gehört.

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JIANG SHAN DUO JIAO 江山多娇 ("The Beautiful Landscape")
von Wang Ping, China 1959. Mit Tian Hua, Ling Yuan, Li Yan. Schwarzweiß, 90 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 9 Jahre

10 Jahre alt war die Volksrepublik, als dieser Film in die Kinos kam. Die Geschichte spielt in Henan, in einer entfernten Berggegend. Der Boden ist karg, die Umstände kümmerlich. Gegen den Widerstand der Alten bilden die Jungen eine Einsatzbrigade, die es sich zum Ziel setzt, neues Ackerland in den Bergen zu erschließen. Natürlich gelingt das nach anfänglichen Rückschlägen, mit der 18-jährigen Yue Xian und dem klugen Parteisekretär Wen als leitenden Figuren.
Es lohnt sich, solche Filme sorgfältig zu studieren. Man muss sie als das sehen, was sie waren und sind: Märchenfilme. Zwar stimmt es, dass in dieser Zeit immer noch eine allgemeine Aufbruchstimmung herrschte. Aber der fast schon pathologische Optimismus, der in diesen Filmen zum Ausdruck kommt, zeigt auch den vorwegeilenden Gehorsam der Filmemacher, die genau spürten, was die Partei von ihnen erwartete: Zuversicht und Erfolgsgeschichten. Nicht erlaubt waren Geschichten von Misslingen oder Scheitern, oder von sinnlos verschwendeter Arbeitskraft. Wenig später im "Großen Sprung nach vorn" zeigte sich diese Haltung in der hündischen Bereitschaft, wahnwitzig übertriebene Erfolgsmeldungen an die Zentrale zu schicken, z.B. vom "Wan Jin Mu" = zehntausend Pfund Reis pro Mu = 80.000 kg pro Hektar (bei einem realistischen Maximum von 10.000 kg Reis pro Hektar, und auch das nur unter besten Bedingungen). Die Tendenz von Partei und Meinungsmachern, über Geschichte und Gegenwart des Landes am liebsten Märchen zu erzählen, ist zwar für den Augenblick bequem, kostet aber auf lange Sicht jegliche Glaubwürdigkeit. Schon in diesen frühen Filmen deutet sich daher an, was heute zu einem zentralen Problem der chinesischen Politik geworden ist.

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JIANG SHAN MEI REN 江山美人 ("The Kingdom and the Beauty")
Musikfilm von Li Han-hsiang, Hongkong 1959. Mit Lin Dai und Zhao Lei. Farbe, 95 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 9 Jahre

Ein beliebtes Thema alter Volkserzählungen sind die Abenteuer von Herrschern, die sich unters Volk mischen. Im alten Bagdad war das der Kalif Harun al Raschid. Im Bayern des 15. Jahrhunderts gab es die reale, tragisch endende Romanze zwischen Herzog Albrecht III. und der jungen Agnes Bernauer. In China sind es natürlich die Kaiser, die immer mal wieder aus dem goldenen  Käfig des Kaiserpalastes ausbrechen und das Leben des Volkes kennenlernen wollen. Im vorliegenden Film ist es der junge Kaiser Zhengde. Zusammen mit einem Kommandanten seiner Garde besucht er unerkannt die kleine Stadt Mei Long. Hier verliebt er sich in Li Feng, die schöne Schwester eines Weinhausbesitzers. Er verspricht ihr Treue, und sie schläft mit ihm. Doch dann wird der Kaiser abrupt an den Hof zurückgerufen. Von allen verspottet, bringt Li Feng einen Sohn zur Welt. Die Untreue des Geliebten und die Demütigung durch die Mitbürger lassen sie erkranken. Als dann ein Bote in die Hauptstadt reist und den Kaiser benachrichtigen kann, will dieser Li Feng in die Hauptstadt holen. Aber er kommt zu spät, und sie stirbt in seinen Armen. - Der Musikfilm von Li Han-hsiang gilt als einer der Höhepunkte dieses romantischen Genre. Linda Lin Dai - damals unumstritten der Superstar unter den Hongkonger Schauspielerinnen - spielt hier eine ihrer besten Rollen.

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Jiao You  郊游 ("Stray Dogs")
Drama von Tsai Ming-Liang, Taiwan 2013. Mit Lee Kang-Sheng, Lu Yi-Ching, Chen Hsiang-chyi. 135 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Dieser Film, mit dem Tsai Ming-Liang 2013 in Venedig den Großen Preis der Jury gewann, ist einer der ungewöhnlichsten chinesischen Filme, die je gedreht wurden. Er hat eine dichte, meistens im Dunkeln spielende Atmosphäre, und er zeigt eher Zustände als eine kohärente Handlung. Wer an die schnellen Schnitte von Werbefilmen und die Action von Blockbustern und Computerspielen gewöhnt ist, den zwingen die langen, langsamen Einstellungen unnachgiebig zu einer inneren Entschleunigung.
Ganz am Anfang eine Frau, die lange Zeit neben ihren beiden schlafenden Kindern sitzt - offenbar, bevor sie diese verlässt.
Denn von nun an sieht man nur noch den Vater (Lee Kang-Sheng), der tagsüber als Plakatträger etwas Geld verdient, während die Kinder in Kaufhäusern billige Lebensmittel suchen. Die Nächte verbringen die drei in schäbigen leerstehenden Objekten, nachdem sie sich in öffentlichen Toiletten gewaschen und die Zähne geputzt haben. In ihrer Nachbarschaft treiben sich herrenlose Hunde herum, die dem Titel ebenso entsprechen wie die wurzel- und mutterlose Rumpffamilie. Und wenn man sich an die langsamen Einstellungen gewöhnt hat, merkt man, dass dieser Film weitaus lebensechter ist als das, was man in Filmen erwartet und zu sehen gewohnt ist: Denn ist nicht auch das wirkliche Leben in der Regel eher eine Abfolge von Zuständen als von Geschichten?
Dies ist der zehnte Film des eigenwilligen Regisseurs, vor dem wir im Chinaclub vor eine Weile "The Wayward Cloud" ("Tian Bian Yi Duo Yun 天边一朵云") sahen. Und es wird, wenn Tsai Ming-Liang seine Ankündigung wahrmacht, sein letzter Film sein – etwas, von dem ihn das Zureden seiner Fans hoffentlich noch abbringen kann.

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JIE HUN NA JIAN SHI 结婚那件事 ("The Wedding Diary")
Romantische Komödie von Adrian Teh, Malaysia 2011. Mit Ah Niu (阿牛), Elanne Kwong (江若琳), Kara Hui (惠英红). 96 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Dieser erfrischende Film unterstreicht einmal mehr, dass es auch in Singapore und Malaysia eine kraftvolle chinesische Community gibt, in der die traditionellen Werte viel tiefgehender bewahrt sind als in der Volksrepublik. Denn auf dem Festland zeigen sich heute nicht nur die Folgen von politischer Erstarrung und städtischem Geldrausch, sondern auch von 35 Jahren Ein-Kind-Politik. Da die Kinder von Einzelkindern logischerweise weder Onkel noch Tanten, weder Neffen noch Cousinen haben, ist in Chinas Städten genau das ausgelöscht, was früher die Grundlage des realen Konfuzianismus war: die Großfamilie.
Zwei solcher Großfamilien tragen aber neben den Protagonisten die Handlung des Films. Dieser beginnt mit einer typische Romanze vom Typ "hässlicher Frosch kriegt schönen Schwan". Hier ist es in Singapore der tölpelhafte Ingenieur Alex, der die Zuneigung der schönen Tina findet. Erst als sie ihn ihren Eltern vorstellt, erfährt er, dass sie die einzige Tochter eines schwerreichen Wirtschaftstycoons ist. Natürlich glaubt dieser, dem jungen Mann gehe es nur um das Geld der Braut. Um ihn und die Mutter trotzdem zur Zustimmung zu bewegen, behauptet Tina, sie sei schwanger. Notgedrungen stimmen ihre Eltern zu, doch unter höchst kostspieligen Bedingungen. Allerdings ist der Vater von Alex zwar nur ein kleiner Fischhändler in Malaysia, doch auf seine Art nicht weniger stur und selbstbewusst als der Vater der Braut. So beginnt ein gnadenloses Feilschen um die Konditionen der Heirat und die Modalitäten der Feier. Bei dieser schließlich geht alles schief, was überhaupt schiefgehen kann, bis hin zum Zerwürfnis zwischen den Brautleuten. Doch am Ende, wie es sich für eine Komödie gehört, wird natürlich alles, alles gut.

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JIE JIE MEI MEI ZHAN QI LAI  姐姐妹妹站起来  ("Stand Up, Sisters")
Von Chen Xihe, China 1951. Schwarzweiß, 84 Minuten, Chinesisch OHNE englische Untertitel. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Einer der ganz frühen Filme der Volksrepublik, mit der typischen Zweiteilung der Filme dieser Zeit. Der erste Teil des Films zeigt Leid und Ausbeutung in der alten Gesellschaft. Der zweite Teil zeigt die neue Gesellschaft, in der sich alles zum Guten wendet. Im Mittelpunkt steht die junge Daxiang, die 1947 mit ihrer Mutter nach Peking kommt. Beide werden von einer berechnenden Tante aufgenommen, die Daxiang an ein Bordell verkauft. Aus diesem kann sie nicht entkommen, sogar dann nicht, als sie einen Regierungsinspektor anfleht, der zu einer Prüfung kommt, sich jedoch bestechen lässt. Die Befreiung 1949 löst bei den zur Prostitution gezwungenen Frauen erst einmal Ängste aus. Doch die fürsorgliche Betreuung in der neuen Gesellschaft zerstreut die Sorgen und führt die früheren Bordellchefs ihrer gerechten Strafe zu. – Die großen chinesischen Untertitel des Films helfen Zuschauern mit Chinesisch-Grundkenntnissen beim Verständnis.

Anmerkung: Das Fehlen, ja geradezu das Vermeiden von Gedanken im chinesischen Film beginnt schon mit der Gründung der Volksrepublik; das zeigt dieser Film. Was etwa die Prostitution betraf, in die sich in der alten Gesellschaft vielen Frauen aus Not begeben mussten, so war ja die neue Regierung wahrlich nicht schuld daran. Doch alles Verständnis, das man diesen Frauen entgegenbringen konnte (in der Regel sicherlich weniger als in diesem Film) änderte ja nichts an ihrem grundlegendem Problem: dass sie auf eine Weise verwundet und gekennzeichnet waren, die den meisten von ihnen ein “normales” Leben (will sagen, Heirat und Familie) versperrte. Wie viele Männer wären denn bereit gewesen, wie offenbar der frühere Nachbar in diesem Film den eigenen Eltern und Verwandten eine Ehefrau zu präsentieren, die im Bordell jahrelang den übelsten Männern zur Verfügung gestanden hatte? Dass der Film diese selbstverständliche Frage ignoriert, zeigt schon hier, was für Chinas Film in den nächsten Jahrzehnten kennzeichnend sein sollte: die Bereitschaft, die Realität zu verleugnen, zu beschönigen, zu verdrehen.

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Jie Jiu Wu Xian Sheng 解救吾先生 ("Saving Mr. Wu")
Kidnapping-Thriller von Ding Sheng, China 2015. Mit Andy Lau, Wang Qianyuan, Liu Ye, Wu Ruofu, Lam Suet. 104 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Zusammen mit seinem Manager verlässt der Hongkonger Schauspieler Wu (Andy Lau) nachts ein Pekinger Unterhaltungszentrum. Als er in seinen SUV einsteigen will, wird er von Gangstern entführt, die sich als Polizisten ausgeben. Ihr Anführer ist der Berufskriminelle Zhang Hua (Wang Qianyuan). Man bringt Wu in ein abgelegenes Haus am Stadtrand, wo es bereits einen weiteren Entführten gibt. Der aber ist ein armer Kerl, der lediglich das Luxusauto seiner Freundin fuhr. Weil er kein Geld hat, will die Bande ihn als Exempel für Wu erschießen. Wu rettet ihn und verspricht, für beide das Lösegeld zu besorgen.
Es beginnt ein Kampf gegen die Uhr, in dem der Polizeioffizier Xing Feng (Liu Ye) versucht, das Versteck der Bande zu finden, während Herr Su (Lam Suet), der Freund von Herrn Wu, versucht, das Lösegeld aufzutreiben und so zu übergeben, dass dabei das Überleben von Wu gesichert ist. Eine dramatische Zuspitzung ergibt sich dadurch, dass die Polizei den Anführer Zhang verhaften kann. Der aber hat Befehl gegeben, die Entführten um Punkt neun zu erschießen, falls er nicht zurückkehrt - und er weigert sich, den Ort zu nennen, wenn man ihn nicht freilässt ...
Man kann diesen packenden Thriller unter verschiedenen Aspekten ansehen. Schauspielerisch zeigt sich einmal mehr, dass es viel leichter ist, einen Schurken bewundernswert schurkisch darzustellen (wie Wang Qianyuan), als einen guten Menschen gut zu spielen (wie hier Andy Lau).
Filmtechnisch zeigt das Werk, dass Chinas Filmemacher sich nicht hinter den US-Amerikanern zu verstecken brauchen. Am größten sind allerdings die Unterschiede, die das gesellschaftliche Umfeld erzwingt. Dass Kidnapping seit Urzeiten in China gang und gäbe war (Kinder, Frauen, reiche Leute, Geiselprinzen), spürt man untergründig im ganzen Film.  Und der seltsame Umstand, dass Wu entführt wird, während sein Manager unbehelligt daneben steht, ist in China offenbar notwendig, weil dort andernfalls bei verschwundenen Geschäftsleuten, Anwälten oder Buchhändlern niemand weiß, ob sie in den Händen von Gangstern oder von Staatsorganen sind. Auch dass sowohl Herr Wu als auch der festgenommene Zhang außer mit Handschellen auch noch mit rasselnden Eisenketten gefesselt sind, entspricht wohl eher der filmischen Fantasie als der Realität. Trotzdem 100 Minuten spannender Nervenkitzel.

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Jin Zhi Xi Yan 禁止吸烟 ("No Smoking"), China 2014. Verfolgungs-Komödie von Wu Gang 吴刚 und Dong Xinwen Wen 董新文, mit Li Jiaming 李嘉明, Dong Xiaoguang 董晓光, Sun Jiayi 孙嘉一. 94 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre.

出租车司机二毛替酒吧老板张哥买了张 彩票,不料彩票中了500万元。而身为游的 珊珊与老公二毛闹矛盾前往喀纳斯带团, 随手将彩票放进二毛的红色马甲中。贪婪 的张哥前来索要彩票,二毛遍寻不见误以 为彩票被珊珊带走,便与兄弟大叉踏上了 寻找彩票的逃亡之旅,最终彩票被一牧羊 老人卷了莫合烟 ...

Der junge Ermao, ein besessener Computerspieler, vernachlässigt seine Frau Shan. Für einen Freund kauft er ein Lotterielos. Doch als Shan ihn verlässt, vergisst er das Los und versucht, seine Frau zu finden. Dann melden die Nachrichten, dass besagtes Los 5 Millionen Yuan gewonnen hat, und eine hektische Suche nach dem Los beginnt. Doch auch Gangster erfahren von dem Gewinn. So kommt es zu einer wilden Verfolgungsjagd erst durch die Straßen der Stadt, dann durch die Wüste von Xinjiang, schließlich zur Entführung von Shan ... mehr dazu im Film - mit eindrucksvollen Bildern einer Wüste, die der Sahara in nichts nachsteht.

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JIU WO 救我 ("Help!")
Psycho-Thriller von Jiang Qi, China 2008. Mit  Song Jia, Shi Liang, Zhu Hongjia. 96 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Jiang Yan ist Forschungsstudentin im Fach Psychologie. Ihr Professor beauftragt sie mit der Betreuung eines schizophrenen Patienten, der überzeugt ist, seine gestorbene Tochter lebe noch. Sie hofft, mit einer guten Doktorarbeit einen Laborplatz bei einem Professor in den USA erhalten zu können. Aber das hoffen andere Studenten auch, vor allem ihre Kollegin Xiao Lin. Diese hat allerdings dem Anschein nach ein Verhältnis mit Professor Liu. Um ihre eigenen Chancen zu erhalten, glaubt Jiang Yan, sich dem Professor ebenso anbieten zu müssen. Wieder zu Hause, kommt es zum Streit mit ihrem Verlobten Wu Zheng, in dessen Verlauf dieser sich verletzt und leblos zu Boden sinkt. Sie ruft Professor Liu an, der auch sofort kommt. Da jedoch erhebt sich Wu Zheng und stürzt sich auf den Professor, der ihn in Notwehr mit einem Schraubenzieher ersticht. So jedenfalls scheint es ... doch von nun an verschwimmen Realität und Wahrnehmung von Jiang Yan, nehmen immer deutlicher psychotische Züge an, bis sie sich schließlich als Fall im Seminar von Professor Liu wiederfindet. Am Ende scheint sie geheilt und alles zurechtgerückt. Oder ist vielleicht ihr Glaube, alles sei wieder gut, nur eine weitere Form ihrer Psychose?
Der Film verbindet Elemente der alten Liaozhai-Geistergeschichten mit denen westlicher Psychothriller. Letzteres kann sich das Misstrauen zunutze machen, das viele Chinesen (ebenso wie viele Deutsche) der Psychologie und den Psychologen gegenüber immer noch haben - wohl bedingt durch die konfuzianische Grundüberzeugung, dass seelische Probleme und familiäre Interna nichts sind, das man Fremden anvertrauen sollte.

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"Rupture" 决裂 (Jue Lie), China 1975. Drama von Li Wenhua 李文化, mit Guo Zhenqing 郭振清, Wang Suya王苏娅, Ge Cunzhuang 葛存壮. 120 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre.

《决裂》是一部关于一所所为农业大学的极具戏剧性的影片,极好的图解了毛泽东的思想。 毛泽东曾指出年轻人是他的“革命接班人”,然而他却认为他们不必受太好的教育, 因为教育使人自以为高人一等。是优越于其他人的精英。他认为大学不应该采取严格 的入学规定,因为这样会把农民和工人排除在外。在《决裂》中,龙校长是一名狂热的毛泽东主义者,他受命接管一所大学,而这所大学的原主 管人不准没受过教育的农民和工人入学。龙校长询问年轻人,同意一名热情的青年入 学,只是因为他曾经做过工人。其他的农民则推荐一名革命前曾受一名地主的欺凌, 而现在已是一个稻田专家的女子入学。当龙校长问她是否识字时,她写下了“毛泽东 是我们的大救星”这样的字样。充满胜利的喜悦的音乐于是雄壮的响起,她随即也就 被批准入学了。龙校长接着还把他的政策强加给保守的原主管人 ....

Dieser Film repräsentiert den Geist der späten Kulturrevolution. Man kann ihn daher auf verschiedene Weisen genießen. Zum einen kann man die Begeisterung bewundern, mit der hier das Experiment einer "Kommunistischen Hochschule" gezeigt wird, das 1958 in Jiangxi begann und die volle Unterstützung von Mao hatte. Ganz richtig sieht der Film (wie auch Mao dies sah), dass die klassische Universität - egal ob "konfuzianisch" oder nach westlichem Modell - gar nicht anders kann als ihre Schüler in dem Bewusstsein zu erziehen, eine Elite zu sein. Dilemma ist nur: Wer möchte danach zurück aufs Feld hinter den Pflug? Also wird die Kommunistische Universität in diesem Film bewusst nicht bei einer Stadt gebaut, sondern in den Bergen. Der Leiter ist kein Akademiker, sondern ein verdienter Revolutionär. Und die Lehrinhalte sollen nicht abstrakten Kriterien genügen, sondern direkt für die ländliche Umgebung anwendbar sein.
Kein Wunder, dass zehn Jahre später in westlichen Ländern mit dem Kampfruf "Unter den Talaren Muff von tausend Jahren" das Modell chinesischer "Volks"-Universitäten bewundert wurde. Denkt man dann an die Kehrtwende, mit der Chinas heutige Universitäten längst nicht mehr die Volksnähe, sondern den wissenschaftlichen Weltstandard als oberste Maxime sehen, dann fragt man sich wirklich, ob das Anti-Akademikertum und der Anti-Konfuzianismus dieser Jahre so ganz unberechtigt waren, wie das heute allgemein gesehen wird.

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JUN ZHONG LE YUAN 军中乐园 ("Paradise in Service")
Drama/Romanze von Doze Niu Chen-Zer, Taiwan 2014. Mit Ethan Juan, Chen Jianbin, Wan Qian, Chen Yi-Han. 130 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Ausgelöst durch Erfahrungen in der eigenen Familie, zeigt der Regisseur einen Ort und eine Zeit, an die man sich in Taiwan ungern erinnert: das militärisch dominierte Leben auf der Insel Quemoy (Kinmen/Jinmen) in den späten 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts. Heute, wo es um andere Inseln heftige Konflikte gibt, ist es um diese Insel (bzw. die von Taiwan verwaltete Inselgruppe) auffällig ruhig geworden. Dabei liegt sie kaum 2 km von der Stadt Xiamen entfernt, also in einer Entfernung, die ein geübter Schwimmer bei gutem Wind in einer Stunde schaffen kann, gar nicht zu reden von Booten oder Schiffen. Nach 1949 jedoch beschossen sich das Festland und die Insel regelmäßig mit Granaten, die anfangs Sprengladungen und später Propagandazettel verstreuten. An beiden Küsten standen sich gigantische Lautsprecher-Türme gegenüber, die lauthals zur Kapitulation und zum Patriotismus aufriefen, natürlich in der jeweiligen Interpretation.
Die Story: Zusammen mit Leidensgefährten kommt der Wehrpflichtige Bao (Ethan Yuan) auf die Insel. Zuerst wird er, obwohl er nicht schwimmen kann, den Taucher-Pionieren zugeteilt. Nachdem er dabei fast ertrinkt, teilt man ihn der "Einheit 831" zu, hinter der sich das Militärbordell der Insel verbirgt. Die Frauen, die dort arbeiten, sind Strafgefangene, die mit dieser Art von Dienst ihre Strafe verkürzen können. Doch der zurückhaltende Bao hat in seinem Heimatort eine Verlobte, der er treu bleiben will. Nach und nach lernt er die Schicksale der Frauen kennen, vor allem das der geheimnisvollen Nini (Wan Qian), aber auch das seiner Kameraden. Da ist zum einen sein Freund Zhong, der bei den Pionieren bis aufs Blut schikaniert wird, bis er schließlich desertiert. Und da ist sein Mentor, der Drill-Sergeant Chang (Chen Jianbin), der wie so viele seiner Generation vom Festland stammt. Als illiterater junger Bauernsohn wurde er dort zur republikanischen Armee gepresst, und noch immer leidet er darunter, dass er seit 40 Jahren seiner Mutter keine Nachricht zukommen lassen kann. Es kommt zu tragischen Verwicklungen, an deren Ende Sergeant Chang einen Mord begeht. Nini wird aufgrund einer Amnestie entlassen, und Bao verlässt die Insel zum Ende seiner Dienstzeit. Ob er und Nini sich wiedersehen werden, bleibt offen.
Ein großartiger Film, und ohne Frage der bisher wichtigste von Doze Niu Chen-Zer!

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Ka La Shi Tiao Gou 卡拉是条狗 ("Cala my Dog")
Komödie mit Tiefgang von Lu Xuechang, China 2003. Mit Ge You 葛优 , Ding Jiali 丁嘉丽, Li Bin. 101 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Größere Wohnungen und immer mehr allein lebende Ältere in Chinas Städten ließen Hunde (und Katzen) als Haustiere populär werden. So auch in diesem Film, in dem es um die kleine Mischlingshündin Kala geht. An der hängt der Arbeiter Lao Er (Ge You) kaum weniger als an seiner Frau Yu Lan (Ding Jiali) und seinem Sohn Liangliang (Li Bin). Doch bei einer Razzia fängt die Polizei den Hund ein, weil die Familie keine behördliche Erlaubnis für ihn hat. Die aber würde 5000 Yuan kosten, also fast drei Jahresgehälter – und Lao Er hat nur bis zum nächsten Nachmittag Zeit, die Erlaubnis vorzulegen, danach droht der Abtransport (und vielleicht Tötung oder Schlachtung) des Hundes.
Es beginnt ein Rennen gegen die Uhr, mit einer Odyssee, die Lao Er zu Behörden, Dienststellen, schmierigen Händlern und allen möglichen Verwandten, Freunden und Bekannten von Bekannten führt, um den Hund zu retten. Dass nebenbei alle schwelenden Ehe- und Familienkonflikte explodieren - der Sohn landet in Handschellen auf einer Polizeiwache - versteht sich von selbst. So bietet der Film (Uraufführung auf der Berlinale 2003) unter dem Deckmantel einer Komödie einen schönen Einblick in den Alltag der kleinen Leute im China dieser Jahre. Eine Paraderolle für Ge You, der einmal mehr unter Beweis stellt, dass er vermutlich der vielseitigste chinesische Schauspieler der Gegenwart ist.

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Kang Zhuang Da Dao 康庄大道 ("Broad Road")
Von Wang Yan, China 1959. Mit Bai Yingkuan 白英宽, Ren Yi, Wu Bike. Schwarzweiß, 83 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Im Grunde ein zutiefst makabrer Film. Als er gedreht wurde, durchlebte China die vermutlich größte Hungersnot aller Zeiten: Von 1959 bis 1961 verhungerten ca. 40 Millionen Menschen. Doch als wäre der Film auf dem Mond gedreht und nicht mitten in China, stellt er die fürchterlichen Fehler, die zu dieser gigantischen Hungerkatastrophe führten, als bejubelnswertes Idyll dar, etwa die Einrichtung der Volkskommunen, den "Großen Sprung nach vorn" und die Stahlkoch-Kampagne mit der rabiaten Abholzung der Wälder, unter der Chinas Klima bis heute leidet Es schmerzt doppelt, daran zu denken, dass die heldenhafte Lin Zhao, die als eine von wenigen wagte, diese Politik zu kritisieren, wenig später inhaftiert und nach Jahren der Kerkerhaft erschossen wurde. Gerade die jungen Chinesen sollten (ein frommer Wunsch, ich weiß) solche Filme sehr aufmerksam ansehen – denn was geschehen ist, kann, wenn man es vergisst, immer wieder geschehen

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Kong Bu Fen Zi ("Terrorizers") 恐怖分子, Taiwan 1986. Drama von Edward Yang 杨德昌, mit Cora Miao缪骞, Lee Li-chun李立群, Chin Shih-chieh 金士傑. 108 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

《恐怖分子》,是台湾电影史上的一个奇迹,至少我是这样认为的,因为里面包含着我太多想 要表达的东西,那或许是一种观念,一种对待整个社会的立场。杨德昌的电影不同于 侯孝贤,蔡明亮等其他导演的作品,虽然他们都是立足一个时代背景下,他们的电影 都描绘出了一个时代下,人们的生活,命运,以及各种关系的变迁,而杨德昌的电影 ,我觉得更是很执着并且很冷静地切入了他所生活的这个时代,这座城市,以及这座 城市的变迁,乃至这座城市中的形形色色的人。因此说,他的电影现实主义的味道 显得更浓厚些。
   《恐怖分子》拍摄于1986年。1986年,其实这是一个很暧昧的年份,也是一个容易引起遐想的年 份。那是一个新与旧交替变幻的时代,一个正在慢慢孕育出新事物的时代,至少对于 大陆来说,那确实是一个黄金的年代。至于台湾,当时正兴起一股新电影运动的浪潮 ,很多导演包括侯孝贤,蔡明亮这些著名的台湾导演都在不断寻求一种新的拍摄手法 ,以各种新颖的叙事来表达各自对这个时代人情世事的理解。而当所有的人在期待或 者在寻求新的表达手法的同时,杨德昌就用他的《恐怖分子》在冷静地剖析了。。。

Taiwans Demokratie, so gefestigt sie heute auch scheint, ist jünger als viele denken. 1986, als "Terrorizers" in die Kinos kam, gab es zwar eine allmählich erstarkende Opposition. Aber die Herrschaft der Guomindang in Taiwan war immer noch ungebrochen. Ausgeübt wurde sie vor allem von den 2 Millionen nach Taiwan geflüchteten Festlandchinesen, und durchgesetzt von den mitgeflüchteten nationalistischen Soldaten und Polizisten. Sie wurde den 6 Millionen Taiwanern aufgezwungen, die nach 50 Jahren Zugehörigkeit zu Japan eine durchaus eigene Kultur entwickelt hatten. So ist denn dieser Film Zeugnis eines Landes im geistigen, wirtschaftlichen und politischen Umbruch.
Regisseur Edward Yang - wie Hou Hsiao-hsien 1947 geboren - bildet zusammen mit diesem sowie Tsai Min-liang das Trio der frühen taiwanischen Autorenfilmer. Sie begründeten die "Neue Welle" des taiwanischen Films, die in Haltung und Ästhetik der französischen "Nouvelle Vague" nach dem Zweiten Weltkrieg vergleichbar war. Wie für echte Autorenfilme typisch, verzichtet der Film auf die sonst allgegenwärtige Musiksoße, die aufgrund eines ungeschriebenen Gesetzes über alle Kommerzfilme gegossen wird, egal ob aus USA, Europa, China oder Bollywood.
Erzählt werden mehrere ineinander verwobene Geschichten. Verbindendes Element - Hommage an Antonionis "Blow Up" von 1966 - ist ein Fotograf, der Bilder schießend die Stadt durchstreift. "Terrorizers" sind die Protagonisten selber, einer für den andern. Zum Beispiel das vom Festland stammende Ehepaar: Er ein ehrgeiziger Arzt, der für seine Karriere seinen besten Freund verrät. Sie eine Schriftstellerin mit Schreibhemmung, die sich einem alten Lover in die Arme wirft.
Oder "White Chick": eine Teilzeitprostituierte, die mit gebrochenem Bein vom Tatort eines Verbrechens flüchtet, und die aus Langeweile früheren Kunden mit anonymen telefonischen Drohungen zusetzt. Edward Yang zeigt diese Figuren mit der für ihn typischen Langsamkeit, oft auch mit seiner Ästhetik des leeren Raums, die sich immer wieder in die Orte der Handlung einfühlt, bevor dort etwas geschieht. Ein verwirrender, verstörender Film des Ausnahmeregisseurs, der 2007 im Alter von 59 Jahren an Darmkrebs verstarb.

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KONG QUE 孔雀 ("Peacock / Der Pfau")
Von Gu Changwei, VR China 2004, 140 min. Mit Zhang Jingchu, Jing An, Gu Changwei. Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 9 Jahre

Gu Changwei war ursprünglich (bzw. ist im Hauptberuf) Kameramann. Er stand für Chen Kaige hinter der Kamera, z.B. bei "Haizi Wang" (1987) und "Ba Wang Bie Ji" (Lebewohl meine Konkubine, 1993). Für Zhang Yimou drehte er "Hong Gao Liang" (Red Sorghum, 1987) und "Ju Dou" (1990). Auch bei den Filmen von Jiang Wen, "Can Lan Yang Guang De Ri Zi" (In the Heat of the Sun, 1994) und "Gui Zi Lai Le" (Devils on the Doorstep, 2000), war er Kameramann. "Kong Que" war seine erste Arbeit als Regisseur - und gewann auf der Berlinale 2005 auf Anhieb den Silbernen Bären.
Der Film spielt im China des Jahres 1977, unmittelbar nach dem Ende der Kulturrevolution. Im Mittelpunkt stehen die drei Kinder einer einfachen Familie in Henan, mitsamt ihrer Sehnsucht nach etwas Freiheit und etwas Glück. Die Tochter Weihong versucht vergeblich, Fallschirmspringerin zu werden, und flüchtet sich in eine kurze, unglückliche Ehe. Der dicke und geistig retardierte ältere Bruder verliebt sich erfolglos in eine Fabrikschönheit und muss sich mit einem humpelnden Dorfmädchen begnügen – was sich aber am Ende als sein Glück herausstellt. Der jüngere Bruder wird vom Vater erwischt, wie er eine nackte Frau zeichnet … er läuft weg, und als er zurückkommt, bringt er eine ältere Ehefrau samt deren Kind aus erster Ehe mit. Keiner der Protagonisten ist makellos, keiner ist ein Held, keiner ist beispielhaft. Und doch ist jeder auf seine Weise liebenswert.
Kino-Zeit.de schrieb damals über Gu Changwei und seinen Film: "Unspektakulär und eindringlich im Ton versteht er es, ein genaues Bild vom Leben in der Enge der Provinz zu zeichnen, von den Träumen, Wünschen und Hoffnungen seiner Protagonisten, die nichts wie weg wollen und die doch in sich selbst und ihrem Milieu gefangen sind. Kein Film, der groß sein will und der genau wegen seiner Konzentration auf die vermeintlich einfachen Dinge des Lebens wahre Größe beweist.". In der Tat: "Peacock" ist einer der schönsten und wichtigsten chinesischen Filme des vergangenen Jahrzehnts.

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KU CAI HUA  苦菜花  ("The Lettuce / Bitter Cauliflower")
Von Li Ang, VR China 1965. Mit Qu Yun, Yuan Xia, Wang Zhigang. Schwarzweiß, 105 min, Chinesisch MIT englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Der Film beruht auf dem Drehbuch und dem gleichnamigen Roman von Feng Deying. Dieser wiederum lehnt sich lose an Maxim Gorkis Roman "Die Mutter" an. Die Handlung beginnt 1937: Der Mann der armen Bäuerin Mutter Feng wird vom Gutsbesitzer Wang Weiyi zu Tode gequält. 1940 kommt es zu einem Aufstand rebellischer Bauern. Juanzhi, die älteste Tochter von Mutter Feng, beteiligt sich daran, während der Sohn Deqiang sich der Roten Armee anschließt. Mutter Feng bleibt allen Repressalien zum Trotz auf der Seite ihrer Kinder und erlebt schließlich, wie deren Sache sich durchsetzt.
Als der Film in die Kinos kam, war Chinas Filmproduktion (die 1959 mit ca. 70 Titeln einen frühen Höhepunkt erreicht hatte) schon auf unter 20 Titel im Jahr 1965 gesunken. 1966 gab es noch 8 neue Filme - bis dann die Produktion von 1967 bis 1973 fast vollständig zum Erliegen kam.

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KU NAN DE XIN 苦难的心 ("Heartaches")
Von Chang Zhenhua, China 1979. Mit Kang Tai, Song Xiaoyin, Shi Kefu. 109 min, Chinesisch OHNE Untertitel. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Dies war nach 1976 einer der ersten "Narbenfilme": In den Wirren der Kulturrevolution ist der Herzchirurg Luo Bingzhen aufs Land verbannt worden. Es gelingt ihm, auch dort Forschungen durchzuführen. Doch die immer noch herrschenden Fanatiker richten 1975 ihre Wut erneut auf ihn, bezeichnen sein Labor als "konterrevolutionär" und zerstören seine Arbeit. In dieser Situation bringt man einen lebensbedrohlich Erkrankten zu ihm. Luo kann die erforderliche Operation durchführen; dann bricht er zusammen. Wohlwollende Helfer bringen ihn an einen sicheren Ort, und nach dem Ende der Schreckensherrschaft soll er auf einer nationalen Wissenschaftskonferenz geehrt werden. Doch bevor es dazu kommt, stirbt er. - Auch dieser Film kann es nicht wagen, hinter der Formulierung vom "Fall der Viererbande" offen die Schuld der KP zu benennen. Die Handlung jedoch zeigt deutlich genug, dass nicht die "Viererbande" all die Dummheiten, Gemeinheiten und Verbrechen der Kulturrevolution beging, sondern Millionen von opportunistischen Rotgardisten und Parteifunktionären, die niemals zur Rechenschaft gezogen wurden.

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Ku Nao Ren De Xiao  苦恼人的笑 ("Troubled Laughter")
Drama von Deng Yiming und Yang Yanjin, China 1979. Mit Li Zhiyu, Pan Hong, Gong Fei. 92 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Das Jahr 1975: Ein junger Journalist wird Zeuge, wie ein Chirurgieprofessor in einer sogenannten "Prüfung" gedemütigt wird. Der Parteisekretär erleidet einen Unfall und lässt sich von dem Professor operieren, will aber trotzdem eine Kampagne gegen ihn organisieren. Dafür braucht er einen Zeitungsartikel, der den Professor als Konterrevolutionär kritisiert. Das bringt den Journalisten in einen Zwiespalt. Er fragt seinen alten Lehrer um Rat, aber der ist inzwischen Alkoholiker. Seine Frau bittet ihn, an die Familie zu denken.
Schließlich lässt er sich krank schreiben. Aber dann, im Angesicht von Chef und Parteisekretär, entscheidet er sich doch für die Wahrheit. Ergebnis: Er wird verhaftet und in Handschellen weggefahren.

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"Kung Fu Yoga" 功夫瑜伽, von Stanley Tong  唐季礼, China 2017. Mit Jackie Chan 成龙, Aarif Lee 李治廷, Zhang Yixing 张艺兴, Sonu Sood, Miya Muqi 母其弥雅. 107 min, chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 9 Jahre.

功夫瑜伽的剧情简介 · · · · · · 考古学教授Jack(成龙 饰)多年没有踏出学校,校长和学生都对他添油加醋的历史半信半疑。一次授课后, 一个印度女孩找到Jack,用一张千年地图吸引了Jack的目光。于是Jack和挚友的儿子 李琼斯(李治廷 饰)、助教小光(张艺兴 饰)组成“寻宝小分队”,为“神秘宝石”展开冒险,在迪拜和土豪飙车,在冰岛潜 入神秘冰穴,在印度大战土狼,和印度贵族斗舞,动作喜剧再升级,打笑全世界。

Es gab eine Zeit, da wollte Jackie Chan wirklich ein "seriöser" Schauspieler werden, ganz ohne Schlägereien und waghalsige Stunts. Die zunehmende finanzielle Verflechtung zwischen China und Hollywood muss ihm klargemacht haben, dass man im US-System globaler Vermarktung sein Image (also seine "Marke") keinesfalls ändern darf, wenn Rubel, Dollar und Renminbi rollen sollen. Und da Jackie Chan anders als damals der magersüchtige Bruce Lee außer Körperbeherrschung auch Köpfchen hat, nimmt er die Dinge wie sie sind und bleibt der lustige Haudrauf-Clown, der er immer war – inzwischen ein in die Jahre gekommener Ballettmeister jener Tanz- und Gymnastikform, von der naive Westler glauben, sie sei Kampfkunst, und naive Chinesen, sie sei ein zentraler Teil ihrer Geschichte und Beweis für die chinesische Unbezwingbarkeit.
Weil sich die Kungfu-Ballettkunst vorzugsweise im Medium Film manifestiert, gibt es immer ein kleines Nebenproblem: die Story. Cineastische Fanatiker wie Zhang Yimou versteigen sich da zu lächerlichen Phantastereien, wie dass die Große Mauer zum Schutz vor grässlichen Monstern gebaut wurde – Jackie Chan nimmt das lockerer. Seine Story erzählt von einem sagenhaften Schatz, der an der Grenze zwischen China und Indien tief unter Eis begraben liegt, und zwar aus der Zeit, da der Mönch Xuanzang angeblich den Buddhismus nach China brachte.
Nun ist dieser Xuanzang (ebenso wie vor ihm der Mönch Faxian) eigentlich eine der dubiosesten Figuren der an Dubiosem überreichen chinesischen Geschichte – ausgerechnet in der Tang-Dynastie, dem kulturellen Höhepunkt von Chinas Antike, soll jemand gesagt haben: "Eh Leute, was China unbedingt braucht, ist eine neue Religion, also ich geh die jetzt mal holen" ... egal, in diesem Film geht es ja nur um den Schatz, den Jackie heben soll, und wenn er schon kein seriöser Schauspieler werden durfte, dann hier wenigstens Archäologie-Professor.  Natürlich gibt es Widersacher, die den Schatz auch beanspruchen. Die bringen die Story nach Indien und zwischendurch kurz nach Dubai, wo bei einer rasanten Verfolgung mal eben die schnittigsten Autos der Gegenwart zerlegt werden, von Ferrari und Lamborghini über Bugatti Veyron und Koenigsegg Agera.
Aber das ist wie üblich nur der Rahmen für diverse hübsche Kampfkunst-Choreographien. Auch mit Yoga hat der Streifen nichts zu tun außer einer angeblichen Technik der Atemkontrolle, mit der man beliebig lange unter Wasser bleiben kann. Dass am Schluss alle Ansprüche auf den Schatz vergessen sind und Freund und Feind vor einem indischen Tempel fröhlich miteinander tanzen, zeigt einmal mehr, dass alles nur ein großer Spaß sein soll ...
So dass man sich unwillkürlich fragt: Sind vielleicht auch im Südchinesischen Meer Chinas territoriale Ansprüche, die bis auf wenige Kilometer vor die Küste von Malaysia und Brunei reichen, nur so ein ausgedachter Jux,  um dann Hand in Hand mit den malaysischen Delegierten vor der UN-Vollversammlung tanzen zu können?

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LANG TAO SHA 浪淘沙 ("Waves Washing the Sand")
Von Wu Yonggang, China 1936. Mit Jin Yan und Zhang Zhizhi. Schwarzweiß, 70 min, Chinesisch OHNE UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Ein Film von Altmeister Wu Yonggang, der von "Shen Nü/Goddess" (dem größten der großen chinesischen Stummfilme, 1934 mit Ruan Lingyu) bis "Ba Shan Ye Yu" ("Evening Rain", 1980) fast 5 Jahrzehnte lang einige der wichtigsten Filme Chinas schuf.
"Lang Tao Sha" beginnt mit der Wucht eines Shakespeareschen Dramas. Nach langer Zeit auf See kehrt der Matrose A Long zurück nach Shanghai ( und bei der Einfahrt sieht man ein spektakuläres Panorama vom Shanghaier "Bund" Waitan 外滩, wie er 1936 aussah). Zu Hause findet A Long seine Frau zusammen mit einem Liebhaber, den er in einem Wutanfall erwürgt. Er flieht, und ein feister Polizist (gespielt von Zhang Zhizhi, der auch den Zuhälter in "Shen Nü" grandios widerwärtig verkörperte) nimmt zusammen mit seinem deutschen Schäferhund die Verfolgung auf. A Long kann entkommen und findet wieder Arbeit auf einem Schiff. Doch der Zufall will es, dass eines Tages genau dieser Polizist als Passagier auf das Schiff kommt. Er erkennt A Long und will ihn verhaften, doch in diesem Moment läuft das Schiff auf ein Riff, und die gesamte Mannschaft kommt ums Leben. Nur A Long kann erst sich selber und dann den Polizisten auf eine menschenleere Insel retten. Zusammen warten sie auf das Verdursten ... doch dann taucht am Horizont ein Schiff auf ...
Filme wie dieser machen schmerzhaft deutlich, welch Kahlschlag Chinas Filmkunst nach 1949 durchzumachen hatte. In den nächsten 30 Jahren gab es, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, fast keine Filme wie diesen mehr, in denen es allein um Psychologie und zwischenmenschliche Konflikte geht, und nicht um die allgegenwärtige politische Propaganda, die das Filmschaffen steuerte, in Schemen presste und geistig weitgehend erstickte. Zwar hat die gezeigte Version keine keine Untertitel, doch Handlung und Psychologie sind überdeutlich, so dass einem auch ohne Chinesischkenntnisse kaum etwas entgeht.

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LANG TU TENG  狼图腾 ("Wolf Totem")
Drama von Jean-Jacques Annaud, China 2015. Mit Feng Shaofeng, Shawn Dou, Ankhnyam Ragchaa. 112 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

An diesem Film scheiden sich die Geister. Naturverbundenheit, Wolfs-Mystik, Steppenromantik und Kulturrevolution sind hier auf eine Weise vermischt, die einige begeistert und andere den Kopf schütteln lässt. Jean Jacques Annaud ist nun einmal ein eigenwilliger Regisseur, der sich neben historischen Thrillern wie "Der Name der Rose" schon früher mit dem chinesischen Kulturkreis beschäftigt hat. Da war "Der Liebhaber" nach dem Roman von Marguerite Duras. Und da war, auf dem Buch von Heinrich Harrer beruhend, "7 Jahre in Tibet". Für letzteren hatte Annaud eigentlich ein Einreiseverbot für China erhalten. Es war also erstaunlich, dass er (nachdem z.B. Zhang Yimou abgewinkt hatte) für die Regie von "Wolf Totem" ausgewählt wurde. Noch erstaunlicher war, dass er bei Dreh und Drehbuch völlig freie Hand hatte. Doch wenn man den Film sieht, versteht man, warum.
Die Story: Die Pekinger Studenten Chen Zhen (Feng Shaofeng) und Yang Ke werden 1967 in die Innere Mongolei geschickt, um dort den Nomaden Lesen und Schreiben beizubringen. Schnell nimmt sie das Leben in der Steppe gefangen. Chen Zhen, die Hauptperson des Films, fühlt sich zu einer der Frauen hingezogen (die allerdings anfangs noch verheiratet ist), vor allem aber zu den Wölfen. Diese leben, so jedenfalls behauptet es der Film, mit den Nomaden in einer geradezu mystischen Schicksalsgemeinschaft: Die Wölfe sorgen dafür, dass die Gazellen nicht überhandnehmen, und sichern so indirekt das Grasland für die nomadischen Hirten. Ein ignoranter Politkommissar stört diese Harmonie, indem er die von den Wölfen erbeuteten und als Reserve vergrabenen Gazellen ausgraben lässt. Er lässt auch alle Wolfsjungen töten, derer man habhaft werden kann. Doch Chen Zhen rettet eines dieser Jungen und zieht es heimlich auf. In der Folgezeit rächen sich die Wölfe für das ihnen angetane Unrecht, während der uneinsichtige Politkommissar auf der dünnen Humusschicht der Steppe Bauern ansiedeln lässt. Schließlich kommt sogar sein Befehl, alle Wölfe abzuschießen. Das geschieht auch, mit Ausnahme des heimlich von Chen Zhen aufgezogenen Jungwolfs. Auch der alte Clanchef stirbt am Ende, und mit ihm offenbar die ganze harmonische Gemeinschaft, die vorher zwischen Nomaden, Natur und wilden Tieren bestand. Die Frau, die Chen Zhen liebt, lässt am Ende den letzten Wolf frei, der sich noch einmal von ferne sehen lässt, um sich von Chen Zhen zu verabschieden. Das soll wohl die Hoffnung signalisieren, dass der Pakt zwischen Mensch und Natur noch nicht ganz am Ende ist.
Wer will, kann daraus die Botschaft ableiten: Weil die Harmonie von Mensch und Wolf in der Inneren Mongolei zerstört wurde, wird Peking heute regelmäßig von Sandstürmen heimgesucht. Aber meint Annaud das ernst? Gewiss, es war eine Meisterleistung, für diesen Film echte Wölfe aufzuziehen und für diesen Film zu trainieren. Allerdings dürfte die beschworene Schicksalsgemeinschaft zwischen Mensch und Wolf niemals woanders existiert haben als in der Phantasie von Annaud. Das weckt bei mir dieselben gemischten Gefühle wie sein Tibet-Film. Dort idyllisierte er den tibetischen Lama-Buddhismus, der früher überaus brutal war, und dessen leere Rituale man heute keinem Katholiken zumuten möchte. Hier nun romantisiert Annaud die Wölfe und schreibt ihnen geradezu übermächtige Fähigkeiten zu. Erst recht absurd ist dabei, dass die Story zwar 1967 spielen soll, also in der heißesten Phase der Kulturrevolution. Trotzdem ist im ganzen Film weder ein Lob des Großen Vorsitzenden zu hören, noch hängen an den Jacken die damals obligatorischen Mao-Buttons, was mich nun wirklich am Verstand des Regisseurs und seines chinesischen Teams zweifeln lässt. Seltsam auch die Psychologie des Chen Zhen: Seine Familie in Peking scheint ihm ebenso wenig zu fehlen scheint wie er ihr; weder schreibt er Briefe nach Hause, noch bekommt er welche.
Warum das so ist? Nun, in Wahrheit hat Annaud keinen Chinesen in die Innere Mongolei geschickt, sondern einen als Chinese verkleideten Franzosen, der zu lange in Hermann Hesses verquastem "Steppenwolf" gelesen und diesen dann noch missverstanden hat. Gespielt wird dieser Steppen-Franzose von Feng Shaofeng, also einem jener geschniegelten Modepuppenjünglinge, wie sie derzeit die chinesischen Leinwände und Werbetafeln bevölkern. Dieser spielt denn auch die Emotionen, die ihn laut Drehbuch ergreifen sollen, mit der unergründlichen Tiefe einer Regenpfütze.
Dass der Film in China dennoch Aufsehen erregt hat, liegt vor allem an der Vorlage. Der gleichnamige, angeblich "halb-autobiographische" Roman von Jiang Rong (Pseudonym eines Autors, der an der Bewegung von 1989 beteiligt gewesen sein soll) soll in China nach dem "Roten Buch" von Mao das meistgedruckte chinesische Buch aller Zeiten sein. Ob das stimmt, weiß ich nicht, auch nicht, wieviel Film und Buch gemeinsam haben. Fest steht, dass es berückend schöne Bilder einer herrlichen Steppenlandschaft gibt, mit edlen Wilden, erbarmungslosen Schneestürmen und spektakulär heulenden Wölfen. Leider nervt hier noch mehr als anderswo die unerträgliche sogenannte "Filmmusik", die Annaud dem Zuschauer permanent um die Ohren schmiert. Wann, oh Himmel, wird es endlich DVD-Spieler und Tonspuren geben, wo man diesen verfluchten Musikbrei abstellen und nur die Dialoge hören kann? - Aber wahrscheinlich ist das ein ganz falscher Blickwinkel. Man sollte diesen Film ansehen wie ein Disney-Märchen, bei dem die böse Stiefmutter durch einen Politkommissar ersetzt ist - dann kann man ihn vorbehaltlos genießen.

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"The Second Spring of Lao Mo" 老莫的第二个春天 (Lao Mo De Di Er Ge Chun Tian), Taiwan 1984. Von Lee You-ning 李佑宁, mit Sun Yueh 孙越, Zhang Chun-fang 张纯芳, Chen Jen-lei 陈震雷. 97 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

老莫是外省人,曾当兵,年纪渐老,娶了年轻的原住民为妻,希望传宗接代,片尾老 莫更盼望反攻大陆回到家乡,如此「正面」、「健康」的故事下,隐约带出世代价值 观的变化:年轻一代对自由、流行文化的追求,甚至因此而出现悲剧发生……八十年 代初不少台湾电影虽然继承父辈的电影风格,但同时在以往的「健康写实主义」电影 中变革,出现以往台湾电影较少出现的内容,例如大量非国语对白,呈现真实的台湾 乡土风情,促使台湾电影出现「第二个春天 。。。

Als Alternative zu "Die Vier" – also dem zeitgenössischen VR-Mainstream – hier diese Filmperle aus Taiwan, die mit Recht den "Golden Horse Award" erhielt. Mr. Mo (grandios gespielt von Sun Yueh 孙越) ist einer jener Chinesen vom Festland, die 1949 nach Taiwan kamen. Lange Zeit war er Soldat, geheiratet hat er nie. Jetzt, mit seinen bald 50 Jahren, lebt er von seiner Abfindung, die er mit einem Aushilfsjob bei der Müllabfuhr aufbessert. Ein Kollege, der wie er selber bei der Armee war, sucht sich eine junge Frau aus einem entlegenen Bergdorf, also unter den taiwanischen Ureinwohnern, von denen viele nicht einmal Chinesisch sprechen. Davon animiert, lässt sich auch der alte Mo von einem Vermittler eine junge Frau suchen, in der Hoffnung, sie werde ihm einen Sohn schenken. Der Film zeigt, wie sich das Zusammenleben des wortkargen Ex-Soldaten und seiner schüchternen jungen Frau entwickelt – und wie aus einer zunächst misstrauischen Zweckbeziehung echte Liebe wird. Parallel dazu die Beziehung des Kollegen zu dessen Frau: Die hält es schon bald mit dem älteren Mann nicht aus, verbringt ihren Zeit mit jungen Taugenichtsen und endet als Drogensüchtige – während der alte Mo Vaterfreunden entgegengeht.

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Laughing Gor 之变节 ("Turning Point")
Von Herman Yau, Hongkong 2009, 89 min. Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Ein spannender Action-Thriller, mit allem was offenbar zu diesem Hongkong-Genre gehört: brutale Triaden, prügelnde Polizisten, echte und vermutete Polizeispitzel und Überläufer, und ein einsamer Held auf der Flucht sowohl vor der Polizei als auch vor den Triaden. Wer das Genre genießt, kommt hier voll auf seine Kosten - empfindsame Gemüter sollten sich lieber anderen Filmen zuwenden.

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LEI FENG ZHI GE 雷锋之歌 ("The Song of Lei Feng")
Von Wang Shaoyan, China 1979. Mit Li Yuxi, Wang Yuxiao, Xie Wuyan. 98 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

China ist ein Land der Legenden, das ist nun mal so. Da ist der schlaue Stratege Zhuge Liang, der den Winden befehlen konnte (wird nicht von allen geglaubt, aber von einigen doch), oder der Wunderarzt Huatuo, der schon vor fast 2000 Jahren unter Narkose schwierige Bauchoperationen durchführte (steht in jeder Medizingeschichte). Da ist der Sieg über Japan nicht etwa durch die Amerikaner, sondern allein durch Chinas Bauern und die Rote Armee (glauben die meisten Chinesen), und da sind die stahlharten Wushu-Kämpfer, die absolut unbezwinglich sind (glauben alle Chinesen), von denen sich aber noch nie jemand in einen Mixed-Martial-Arts-Ring gewagt hat. Auch der uneigennützige Held Lei Feng ist so eine Legende: Waisenknabe, geboren 1940, gestorben mit 22 Jahren. Angeblich waren nicht nur Fotografen, sondern auch Hunderte von Soldatenkameraden Zeugen seiner hilfsbereiten Taten und seines traurigen Endes, doch ließ sich nach dem Ende der Kulturrevolution keiner dieser Zeugen auffinden. Für die Außenwirkung ist so etwas natürlich fatal, denn wer weiß schon, ob nicht z.B. gewisse territoriale Ansprüche auf ebensolchen Legenden beruhen? Egal, es macht Spaß, Filme von legendären Helden zu sehen. Wem also danach ist, der wird sich über das "Lied von Lei Feng" freuen (zumal mit englischen Untertiteln), und beeindruckt sein von soviel Hilfsbereitschaft und Gemeinsinn, wie es das in den städtischen Hochhausschluchten, wo die Leute in den Aufzügen starr aneinander vorbeiblicken, längst nicht mehr gibt. Nehmt euch ein Beispiel an Lei Feng, hört ihr? Aber seid vorsichtig! Hebt in Shanghai oder Peking unter keinen Umständen ein altes Mütterchen auf, das da blutend auf der Straße liegt - mit ziemlicher Sicherheit fängt sie an zu schreien, dass ihr sie umgestoßen habt, und Chinas Richter in ihrer unübertroffenen Volksverbundenheit werden nicht euch Recht geben, sondern dem armen Mütterchen. Gibt es eine Lösung? Aber ja doch: Lei-Feng-Freunde aller Länder, vereinigt euch im Berliner Chinaclub! Da weiß man echte Helden und brave Bürger noch wahrhaft zu schätzen und zu verwöhnen - mit handgemachtem Tee, leckeren Snacks und köstlichen Süßigkeiten von Aldi & Co!

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LI SHI ZHEN  李时珍  ("Li Shizhen")
Von Shen Fu, China 1956. Mit Zhao Dan, Shu Shi, Zhong Xinghuo. Schwarzweiß, 103 min, Chinesisch OHNE UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Li Shizhen (1518-1593) ist DIE Lichtgestalt in der jüngeren Geschichte der traditionellen chinesischen Medizin (TCM). Sein "Bencao Gangmu" ("Kompendium der Materia Medica", derzeit als wissenschaftliches Großprojekt in Übersetzung durch Prof. Unschuld und sein Team) ist ein gigantisches Werk. Es umfasst eine detaillierte Beschreibung von 1892 Substanzen in relativ systematischer Weise; dazu kommt ein umfangreicher Rezept-Anhang. Beide Teile korrigierten viele der Irrtümer (wenn auch, versteht sich, bei weitem nicht alle), von denen es in der traditionellen Heilkräuterlehre wimmelte. 30 Jahre lang arbeitete Li Shizhen an dem Werk, das erst drei Jahre nach seinem Tod erschien. Wie so viele epochale Schöpfungen, so wurde auch diese zunächst kaum beachtet. Vermutlich sind auch viele Dinge, die heute über die Person des Li Shizhen berichtet werden, erst nachträglich erfunden worden.
Der Film von 1956 ist ein Versuch, das Leben dieses bedeutenden Arztes zu erzählen. Leider geschieht das, wie in China üblich, als Helden- bzw. Heiligengeschichte, also ohne jeden Versuch, wenigstens einen oberflächlichen Blick auf grundlegende Fragen des Fachgebietes zu werfen. Denn die Haltung des Li Shizhen war genau diejenige, die sich in der heutigen TCM eben NICHT findet: das Wissen darum, dass jede überlieferte Aussage (die heiligsten Klassiker eingeschlossen) richtig oder falsch sein kann, und dass jede dieser Aussagen immer wieder auf ihre Richtigkeit und ihren Nutzen überprüft werden muss. Genau diese Sichtweise fehlt aber den TCM-Funktionären im heutigen China. Nur so konnten diese Narren auf die Idee kommen, die TCM, obgleich doch angeblich ein lebendiges Medizingebiet, auf die UNESCO-Liste des "immateriellen Weltkulturerbes" setzen zu lassen, und somit jede echte Veränderung oder Weiterentwicklung für immer auszuschließen. - Der Film entstand in einer Zeit, als die Wiederbelebung der TCM von Mao forciert wurde, und zwar nicht aus medizinischen, sondern aus rein politischen Gründen. Die Heiligsprechung des Li Shizhen ist damit im Grunde die Erfüllung eines Parteiauftrages - aber dennoch, versteht sich, ein Muss für TCM-Freunde (wenn auch leider ohne Untertitel).

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Lian Ai Tong Gao  恋爱通告 ("Love in Disguise")
Romantische Komödie von Wang Leehom (王力宏
Wang Lihong), China/Taiwan 2010. Mit von Wang Leehom (王力宏), Liu Yifei 刘亦菲, Joan Chen. 98 min, Chinesisch OHNE UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Hier das Gegenstück zu "Song of the Phoenix", dem Schwanengesang des Wu Tianming, filmisch wie inhaltlich. Auch hier geht es um den Kontrast zwischen moderner Popmusik und traditioneller Musik, erstere gleichgesetzt mit Rummel, Glamour und Oberflächlichkeit, und letztere demgegenüber vergleichsweise ernsthaft dargestellt. Die Story: Du Minghan (Wang Leehom) ist ein gefeierter Popstar (ebenso wie Regisseur und Hauptdarsteller Wang Leehom selber), der überall, wo man ihn erkennt, von kreischenden Fans verfolgt wird. Bei einem Unfall stößt er auf die schöne, ätherische Song Xiaoqing (Liu Yifei), die ihn nicht erkennt bzw. nicht kennt. Das ist für ihn schon einmal Grund, sie beeindruckend zu finden. Sie trägt eine Instrumententasche mit der Aufschrift des Konservatoriums, an dem sie studiert, und zwar die traditionelle Guzheng 古筝.
Um sie wiederzusehen, verkleidet sich Minghan als bäuerlicher Erhu-Spieler und lässt sich gemeinsam mit einem Freund am Konservatorium aufnehmen. Hier nähern er und die Schöne sich an, bis sie ihn bei einem Popkonzert erkennt ... und erst einmal wütend auf ihn ist. Ob sie sich trotzdem kriegen, zeigt der Film – leider ohne chinesische Untertitel, aber auch so ganz gut zu verstehen. Doch wie gesagt: Regisseur und Hauptdarsteller ist nun  mal ein (taiwanischer) Popstar, folglich gilt das oben über die Popmusik Gesagte auch für den Film, der insofern wirklich der geeignete Kontrast für den Ernst und den Pessimismus des Wu Tianming ist.

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Liang Zhi Lao Hu 两只老虎, Run Tiger Run. Kinder-geeignete Action-Comedy von John Woo 吳宇森, Hongkong 1985. Mit Tsui Hark, Bin Bin, Frank Hsu. 87 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 6 Jahre.

亿万富翁范进宾(徐克 饰)的儿子和儿媳在一场车祸中双双身亡,只留下可怜的孙子小宝贝(温兆宇 饰)陪在身旁,范因此对孙子格外关爱,养成了他任性骄傲的坏毛病。新来的家庭女 教师玛丽(潘迎紫 饰)与小宝贝一番大战之后,成为了亲密无间的好朋友。范的侄子(许圣武 饰)贪婪凶狠,为谋夺财产不惜整死叔父。然而却发现遗嘱中已规定小宝贝成为亿万 家财的唯一继承人。唯恐遭到毒手,小宝贝逃出家门。表叔的爪牙们阴差阳错将与小 宝贝长的一模一样的彬彬(温兆宇 饰)及其叔叔泰迪(泰迪罗宾 饰)抓了回来。由此引发一连串爆笑刺激的精彩好戏……

Ein Film, der wirklich nichts anderes will als gute Laune machen. Dieser überkandidelte Streifen war die erste Zusammenarbeit von Tsui Hark und John Woo. Im Mittelpunkt zwei ausgefallene Paare: hier Little Benny, der von seinem Milliardärs-Großvater Grandpa Steak (Tsui Hark) verwöhnt wird, dort der kleine Teddy Shit, der mit seinem freakigen Vater als halber Obdachloser umherzieht.
Als der Milliardär stirbt, vermacht er sein Vermögen dem Enkel, was den gierigen Onkel James (Frank Hsu) zu einem Mordkomplott veranlasst ... natürlich, wie bei einer Comedy zu erwarten, mit vielen Gags, aber ganz ohne Blut.
Harmlos, freundlich, absolut kinder- und neujahrsgeeignet.

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LIN HAI XUE YUAN  荡林雪原 ("Circumvention")
Armee-Thriller von Liu Peiran, China 1960. Mit Wang Runsheng, Zhang Yongshou, Liang Zhipeng. Schwarzweiß, 116 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Dies ist die Vorlage (bzw. deren erste Verfilmung), auf der dann sowohl die Modell-Oper als auch der Film "Taking Tiger Mountain" (智取威虎山) in der  Version von Tsui Hark. Die Handlung spielt 1946. Um eine Räuberfestung einzunehmen, begibt sich der PLA-Offizier Yang Zhirong undercover in diese Festung und gewinnt das Vertrauen des Räuberhauptmanns "Big Eagle". Auch als ein Räuber zurückkehrt, der seine wahre Identität kennt, kann er seine Stellung behaupten. So kann er, als der Angriff seiner Kameraden erfolgt, diesen den Weg in die Festung öffnen. – Dass dieser Filmklassiker in schwarzweiß gedreht ist, passt zur Handlung und trägt wesentlich zu seiner Dramatik und seiner spannungsreichen Atmosphäre bei.

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LIU BAO DE GU SHI 柳堡的故事("The Story of Liubao")
Von Wang Ping, China 1957. Mit Tao Yuling, Liao Youliang, Xu Linge. Schwarzweiß, 80 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Mit Kindern scherzen, Reis verteilen, für arme Bauern Häuser reparieren, dabei herzige Lieder singen ... das ist nicht nur das Bild des Propagandaphantoms Lei Feng, sondern (jedenfalls in den Filmen) der gesamten Roten Armee. Man muss Filme wie die "Story von Liubao" sehen, um zu verstehen, welch ein Schock die Ereignisse von 1989 für das Selbstverständnis der PLA bedeuteten. Dabei sind Orte und Akteure dieser Filme im Grunde beliebig. Hier ist es das kleine Dorf Liubao, aber es könnte auch jedes andere sein. Die Rote Armee zieht ein, die Leute sind erst verängstigt, dann fassen sie Zutrauen, und dann enthüllt sich eine tragische Geschichte: Die hübsche junge Frau, deren Schwester von einem Guomindang-Offizier zu Tode gebracht wurde, soll jetzt an deren Stelle die Bettgenossin dieses Offiziers werden. Die Sexualisierung politischer Konflikte, die sich in solchen Geschichten zeigt, ist in Chinas Propaganda ein ebenso beliebtes Mittel wie sie es in der Sowjetunion und der DDR gewesen ist: Die schöne Frau, von den Herrschenden bedrängt und erniedrigt, wird von den edlen Helden der PLA gerettet; dafür revanchiert sie sich mit dem Tiefsten das sie hat - mit Liebe. Oberflächlich ist das Liebe zu dem Offizier, der sie gerettet hat. Aber im Kern ist es Liebe zur Armee, zur Partei, zum neuen Staat. Also genau das, was sich China von seinen Bürgern wünscht, und was vor 25 Jahren so brutal widerlegt wurde.
Als unserer früherer Bundespräsident Heinemann einmal gefragt wurde, ob er Deutschland liebe, antwortete er: "Ich liebe meine Frau, das reicht mir." Das ist eine Frage, die ich gerne einmal Herrn Xi Jinping stellen würde: Haben Chinesen eigentlich das Recht, China nicht zu lieben?

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"At Café 6" 六弄咖啡馆 (Liu Nong Ka Fei Guan), Taiwan 2016. Film über junge Liebe 爱情/青春 von Neil Wu 吴子云. Mit Dong Zijian 董子健, Cherry Ngan颜卓灵, Austin Lin 林柏宏, Ouyang Nini 欧阳妮妮. 100 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

电影《六弄咖啡馆》改编自藤井树(吴子云)的同名畅销小说,同时导演和编剧也是由原著作者出任, 刘杰担任影片监制。主要讲述男主小绿(董子健 饰)和女主心蕊(颜卓灵 饰)之间一场真挚却无奈的青春爱情故事,对于亲情和友情的探究,以及距离对爱情 的考验,同时关注年轻人对待成长和人生的态度与状态 。。。

Wie in "Ice Kacang Puppy Love" (初恋红豆冰, Malaysia 2010) und "You Are The Apple Of My Eye" (那些年,我们一起追的女孩, Taiwan 2011) geht es auch in diesem Film um erwachende Liebe unter Schülern, und was später daraus wird. Dass ein Happyend (will sagen, die Ehe) dabei nicht die Regel ist, versteht sich fast von selbst – zumal es im Leben fast genauso schlimm ist, wenn zwei passende Partner sich zu früh finden, wie dass sie sich nie finden.
Im Mittelpunkt stehen der junge Minlu und seine Klassenkameradin Xinrui. Zusammen mit Freunden und Freundinnen gehen sie in die letzte Klasse einer Schule in Kaohsiung, im Süden Taiwans. Zwischen beiden entwickelt sich eine ruhige Verliebtheit, zu der es gehört, dass die Beziehung (obwohl die Jungs untereinander gern über Figur und Brüste der Mädchen reden) ganz unerotisch bleibt.
Nach dem Abschluss geht Xinrui nach Taipei, während Minlu in Kaohsiung bleibt. Beide bemühen sich, die räumliche Entfernung nicht zur inneren Entfremdung werden zu lassen. Den seltsamen Egoismus, der Verliebte glauben lässt, auf den Gegenstand ihrer Verliebtheit einen Anspruch zu haben, stellt auch dieser Film nicht in Frage. Doch der Schlüsseldialog enthält einige bemerkenswert kluge Gedanken (bezeichnenderweise von der Frau formuliert) über Beziehung, Charakter und Entwicklung. Und es gibt über weite Strecken jene angenehm gelassene Grundstimmung, die viele taiwanische Filme auszeichnet.

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LIU YUE XIN NIANG  六月新娘 ("June Bride")
Romantische Komödie von Tang Huang, Hongkong 1960. Mit Grace Chang, Chang Yang, Roy Chiao Hung, Liu En-Jia. Schwarzweiß, 102 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Ein Film für diejenigen, die kein (Film-)Blut sehen können. Die populäre Schriftstellerin Eileen Chang = Zhang Ailing 张爱玲, (die 1995 einsam in Los Angeles starb), verfasste das Drehbuch dieser Romanze. Die Story beginnt auf einem Ozeandampfer. Die schöne junge Wang Danlin ist zusammen mit ihrem Vater auf dem Weg nach Hongkong, wo sie den reichen Dong Jifeng heiraten soll. Der Musiker Yifeng macht ihr den Hof, aber sie lässt ihn abblitzen.

In Hongkong angekommen, beginnt Danlin jedoch an ihrer Verlobung zu zweifeln. Denn ihr Verlobter holt sie nicht vom Schiff ab, zeigt sich zerstreut und scheint noch andere Freundinnen zu haben. Trotzdem benutzt ihr Vater sie dem Anschein nach als Unterpfand für windige Geschäfte mit dem Verlobten, und das missfällt ihr. Es entspannt sich ein kleines Tauziehen um die fest geplante Hochzeit, wobei Danlin auf einmal von drei Männern umworben wird - und wo natürlich am Ende alles gut wird.
Der Film, garniert mit einigen eingestreuten Songs, beruht ganz auf der Attraktivität von Grace Chang, dem damaligen Superstar des Hongkong-Kinos. Die Story ist konventionell und garantiert sexfrei, und der Gipfel der Verruchtheit ist, dass die schöne Braut nach den einzigen zwei Schnapsgläsern ihres Lebens in einen traumumflorten Schlaf sinkt. Wie ernsthaft ihre Rebellion ist, kann man daran ersehen, dass ihr nicht einmal im Traum die Idee kommt, sich vielleicht einen Job zu suchen, statt Hausfrau eines Millionärs zu werden. Eben eine Romanze aus einem vergangenen Jahrhundert, die uns daran erinnert, wie brav wir alle einmal waren.

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LIU SHOU NÜ SHI  留守女士 ("Those Left Behind")
Beziehungsdrama von Hu Xueyang, China 1991. Mit Xiu Jingshuang, Sun Chun, Zhao Ying. 103 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Dieser Film schildert Beziehungen. Aber die Beziehungen und ihre Krisen, die er erzählt, schweben nicht in der Luft. Menschen brechen auf, gehen weg, lassen andere zurück - ein Prozess, der in der Summe den dramatischen Aufbruch Chinas in diesen Jahren spiegelt. Genauer gesagt: den Aufbruch Shanghais; denn im Grunde ist die Stadt eine der Hauptpersonen des Films. Wer Shanghai kennt, wie es nach den Jahren der Kulturrevolution aussah, sieht hier Bilder von dokumentarischer Eindringlichkeit: Shanghai in jener Phase, als die ersten 20-stöckigen Wohngebäude errichtet werden. Die ersten Autobahnen, aber fast noch ohne Autos. Der Bund noch nicht wie heute mit einem begehbaren Damm zum Huangpu hin, und die "Shanghai Mansions" wie schon seit ihrer Fertigstellung 1935 nach wie vor das höchste Gebäude in Sichtweite vom Bund ("Waitan"). Erst recht die Silhouette von Pudong: noch immer völlig flach, denn außer der Fähre gibt es keine Verbindung nach drüben ... noch nicht.
Es gehört jedoch zur Qualität dieses Films, dass er seinen zeitlichen Rahmen mit beinahe mathematischer Exaktheit präzisiert. Am Ende steht die Eröffnung der Nanpu Bridge, der ersten Brücke über den Huangpu, die am 1. Dezember 1991 feierlich eingeweiht wird. Ebenso exakt der Anfang: das Erdbeben in San Francisco am 17. Oktober 1989. Die Nachrichten darüber versetzen die Shanghaier Ärztin Nai Qing in Panik, denn in San Francisco lebt seit Jahren ihr Ehemann. Wie so viele Chinesen seit Mitte der 80er Jahre ist auch er in die USA gegangen, um dort Glück und Einkommen zu finden. Seine Beziehung zu Nai Qing besteht seitdem vor allem in spärlichen Telefonaten Von Anfang an ist zu spüren, dass da etwas nicht stimmt, zumal es schließlich eine Frauenstimme ist, die der besorgten Nai Qing mitteilt, ihrem Mann gehe es gut. In dieser Lage kommt die Ärztin in Kontakt mit dem Taxifahrer Jia Dong, dessen Frau in Japan lebt. Ihre gemeinsame Situation lässt die beiden sich schnell näher kommen.
Unerwartet bekommt Nai Qing Besuch von einem Unbekannten. Es ist ein chinesischer Geschäftsmann, der in den USA reich geworden ist. Was will er von der Ärztin? Nun, es ist ausgerechnet die Frau dieses Geschäftsmannes, die inzwischen in San Francisco mit dem Ehemann der Ärztin zusammenlebt. Zu wissen, was sie (und der Zuschauer) längst ahnte, stürzt sie in Verzweiflung. In diesem Zustand schläft sie mit Jia Dong, und ohne dass dieser es weiß, wird sie schwanger. Doch der Geschäftsmann macht ihr ein Angebot. Er ist zuversichtlich, dass Nai Qing, wenn sie nur in den USA wäre, mit ihrer eigenen auch die Ehe des Geschäftsmannes retten könnte. Also bietet er ihr an, alle Visafragen und sonstige Formalitäten für sie zu erledigen. Zunächst schwankt sie. Dann jedoch eine Entwicklung, die alles in Frage stellt: die Ehefrau von Jia Dong kehrt unerwartet aus Japan zurück. Wie werden sie, Jia Dong und Nai Qing sich entscheiden?
Auch dieser Film ist getragen von der tiefen Ernsthaftigkeit, die vor allem die Filme der 80er Jahre geprägt hat: ohne filmische Mätzchen, ohne den heute obligatorischen Musikmatsch, stattdessen ganz im berechtigten Vertrauen auf die Eindringlichkeit der Handlung und die Intensität der Hauptdarsteller. Eigentlich unbegreiflich, dass dieser großartige Film im Westen nahezu unbekannt blieb.

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LU SHUI HONG YAN 露水红颜 ("For Love Or Money")
Drama/Romanze von Gao Xixi, China 2014. Mit Liu Yifei ("Crystal Liu"), Jung Ji Hoon ("Rain"), Joan Chen. 99 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Dies ist ein typisch chinesischer Film, oder sagen wir: typisch für die Phase, in der das Land und seine kulturell produktive Schicht sich derzeit befinden. Das gilt in vielerlei Hinsicht: Regisseur, Darsteller, Thematik, Story, sozialer Hintergrund. Zum Beispiel der Regisseur Gao Xixi: in China berühmt durch erfolgreiche TV-Serien wie "Drei Reiche" oder "The Legend of Chu and Han", und nun auch als Spielfilmregisseur. Oder die Hauptdarsteller. Da ist zuerst Liu Yifei, die aussieht wie die jüngere Schwester von Zhang Ziyi, nur noch zarter und verletzlicher. Sie spielt Xing Lu: eine sensible junge Frau mit unklarem, aber jedenfalls unglücklichem Hintergrund (darunter eine Affäre mit einem reichen älteren Mann, der immer noch Besitzansprüche auf sie geltend macht). Sie beginnt eine Beziehung mit Xu Chengxun. Der ist dem Anschein nach ein lockerer junger Künstler, allerdings mit bemerkenswerten Talenten, z.B. als begnadeter Rennfahrer. Gespielt wird er von Jung Ji Hoon: in Korea als Sänger ein Topstar, der auch im übrigen Ostasien unter dem englischen Namen "Rain" zunehmend populär wird.
Typisch sind auch Thematik und Story. Hier verbinden sich geradezu exemplarisch die drei Fixsterne in den Sehnsüchten der jungen Chinesen: Erstens Geld, zweitens Liebe (anfangs natürlich in umgekehrter Reihenfolge). Drittens Kunst, was aber in anderen Filmen (in China wie im Westen) meistens heißt: irgendwas mit Medien. Erfahrung und dialektischer Materialismus lehren, dass es theoretisch mindestens einen weiteren Fixpunkt geben müsste, nämlich Politik - die jedoch ist hier wie in allen Filmen dieser Art nur als schwarzes Loch anwesend, also abwesend. Zwischen den drei sichtbaren Fixsternen entwickelt sich eine dramatische Story, in der sich nach dem Satz von der Erhaltung der (Film-)Energie alles in alles verwandelt: Kunst in Liebe, Liebe in Kunst, Kunst in Geld, Geld in Kunst, schließlich auch Liebe in Geld und scheinbar Geld in Liebe ... doch der Film wäre kein Film, wenn Geschichte und handelnde Personen nicht an diesem Punkt scheinbar zerbrechen würden. Dramatisch - eben chinesisch!

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LU ZHEN CHUAN SHUO 鲁镇传说 ("The Story of Lu-Zhen Town")
Von Gu Rong und Qi Xin, China 2001. Mit Guo Lun, Li Jiayao, Wie Qiming. 87 min, Chinesisch OHNE Untertitel. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Der Film lehnt sich an "Kong Yiji" an, eine frühe Erzählung von Lu Xun. Im Mittelpunkt steht allerdings nicht die klägliche Figur des Kong Yiji in Lu Xuns Text, sondern deren fiktive Vorgeschichte, die bei Lu Xun nur angedeutet ist. Zeit der Handlung ist die späte Qing-Dynastie. Wie die Erzählung spielt der Film in "Luzhen Town", also de facto in Lu Xuns Heimatstadt Shaoxing. Hier herrscht eine alte Rivalität zwischen der Familie Kong und der Familie Ding. Während es dem jungen Ding gelingt, mit unerlaubten Hilfsmitteln die kaiserliche Prüfung zu bestehen, fällt der junge Kong durch, wobei die Familie Ding eine Mitschuld trägt. Im weiteren Verlauf kommt es zu tragischen Ereignissen und schließlich zum endgültigen Abstieg der Familie Kong. - Leider ohne Untertitel; aber anhand der filmischen Handlung dennoch gut zu verstehen.

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Lun Hui 轮回 ("Samsara"/ "Wiedergeburt"), China 1988. Drama von Huang Jianxin 黄建新, nach einer Erzählung von Wang Shuo 王朔. Mit Lei Han 雷汉, Tan Xiaoyan 谭小燕, Liu Lijun 刘丽军. 125 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

单纯漂亮的女演员于晶(谭小燕 饰)爱上了内心冷漠无情的石岜(雷汉 饰),而在石岜最低落和走投无路之时,却是他的初恋女友刘华玲对他伸出的援助之 手。之后,于晶终于用自己的包容和温柔打开了石岜的心扉,两人历尽万难走到了一 起,石岜却在此时惹上了敲诈团伙,最终被废了一条腿,后半生都要拄着拐杖过活。
石岜的生活就此走上了下坡路,无论是生活还是事业都落魄的一塌糊涂。婚后,为了 维持家计,于晶不得不在酒吧打工伴舞,当她疲惫不堪的收工回家时,看到的却是石 岜浑浑噩噩不成人形,于晶绝望了。石岜无法走出抑郁的深渊,最终选择了自杀,可 此时于晶的腹中,已经怀上了他的孩子。。。。

Es gab zwei Epochen im chinesischem Kino, wo die Filmemacher Mut zeigen durften. Die erste war die Zeit des "linken Kinos" der Republikzeit. Die zweite war das Jahrzehnt nach 1979. Da zeigte man Soldaten, die auch einmal Furcht empfinden durften, ebenso wie anmaßende Parteibonzen, die kleine Leute schikanierten. Der Mut zeigte sich auch im Umgang mit Außenseitern – zumal solchen, die nicht als berühmte Künstler oder Milliardäre endeten, sondern gelegentlich schlicht scheiterten.
"Samsara" ist einer von sehr wenigen chinesischen Filmen mit einem "Rebel Without a Cause" als Protagonisten. Shi Ba, der Sohn einer hohen Funktionärin, lehnt es ab, so zu leben wie andere es verlangen. Er will seinen eigenen Prinzipien folgen, wozu auch gehört, mit seiner Freundin zu schlafen, ohne verheiratet zu sein. Konflikte mit der Gesellschaft sind unausweichlich. Sie führen ihn schließlich in kriminelle Kreise, mit dramatischen Folgen. Von seiner Unangepasstheit kuriert, will er am Ende seine Freundin doch noch heiraten; aber jetzt will diese nicht mehr. Verzweifelt und desillusioniert nimmt er sich das Leben. Wenig später kommt sein Sohn zur Welt, auf diese Weise das "Rad der Wiedergeburt" (= Samsara) weiterführend.
Gerade noch rechtzeitig kam der Film 1988 in die Kinos – bevor den Filmemachern im Jahr danach Mut und Offenheit für zwei Generationen gründlich ausgetrieben wurde.

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Luo Tuo Xiang Zi 骆驼祥子 ("Rickshaw Boy")
Drama von Ling Zifeng 凌子风, nach dem gleichnamigen Roman von Lao She, China 1982. Mit Zhang Fengyi 张丰毅und Siqin Gaowa 斯琴高娃. 113 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Ein grandioser Film, beruhend auf dem grandiosen Roman von Lao She. Der allerdings wird heute, nicht anders als die Werke von Lu Xun, in China nicht sehr gemocht, weil er nämlich eine tragische Geschichte ohne den süßen Trost der Hoffnung auf bessere Zeiten erzählt. Die Story: In den 20er-Jahren kommt der junge Xiangzi voller Kraft und Optimismus vom Land nach Peking. Er beginnt mit einer gemieteten Rikscha, die er schneller und eleganter zieht als alle anderen. Huniu, die Tochter des Rikscha-Unternehmers, verliebt sich in ihn und verführt ihn. Doch als sie mit Xiangzi zusammenzieht, wird sie von ihrem Vater verstoßen. Von nun an beginnt der Abstieg beider, bis schließlich Huniu stirbt und Xiangzi seine Rikscha verkaufen muss. Er endet als Bettler, der von jungen und starken Rikschakulis lachend zur Seite geschoben wird.
Der Film galt 1982 als Meilenstein des neuen chinesischen Kinos, mit Ling Zifeng (1917-99) als renommiertem Regisseur der "3. Generation", noch vor Filmemachern wie Zhang Yimou oder Chen Kaige.

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Lü Cha 绿茶 ("Green Tea")
Von Zhang Yuan, China 2003. Mit Jiang Wen und Zhao Wei. 83 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Herrliche Blind-Date-Romanze mit zwei der interessantesten chinesischen Schauspieler der Gegenwart. Mit diesem Film wechselte der Regisseur Zhang Yuan von der Sparte "Rebell" in die Kategorie der anerkannten Groß-Regisseure.

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LÜ LIANG YING XIONG 吕梁英雄 ("Heroes of Lüliang Mountain ")
Von Lü Ban und Yi Lin, China 1950. Mit Li Baiwang und Guo Yuntai. SW, 88 min, Chinesisch mit (PC-generierten) englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Im Frühjahr 1942 herrscht in der Bergregion Lüliang nach der Invasion der Japaner große Not. Zhu Zhi, einer der Dorfbewohner, erhält den Auftrag, eine Bürgerwehr aufzustellen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gelingt ihm das, aber erst, nachdem ihm die Partei tatkräftig zur Seite steht. Er kann nicht nur die Ernte vor Räubern verteidigen, sondern auch die Machenschaften des Verräters Kang Yixue durchkreuzen. - Ein Film aus dem ersten Jahr der Volksrepublik, der ganz im Geist der Zeit (und seitdem unablässig) die Bauernschaft so darstellt, als wäre sie im Kern eine durch und durch solidarische und patriotische Gemeinschaft gewesen.

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Madonna 마돈나, (Süd-)Korea 2015. Regisseurin: Shin Su-won신수원. Drama mit Seo Young-Hee서영희, Kwon So-Hyun권소현, Kim Young-Min김영민, Byun Yo-Han변요한. 120 min, Koreanisch mit englischen (oder auf Wunsch chinesischen) UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Vielleicht noch mehr als anderswo in Ostasien sind die autoritären Strukturen der koreanischen Gesellschaft verbunden mit einer tief verwurzelten Männer-Vorherrschaft. Dass diese anders als in China zu wanken beginnt, ist mutigen Frauen wie der 1967 geborenen Regisseurin Shin Su-won zu danken (die übrigens, bevor sie als Mittelschullehrerin arbeitete, Deutsch studiert hatte).
In ihrem Spielfilm-Erstling "Pluto" 명왕성 schilderte sie 2012 die extreme Konkurrenz und Rivalität des koreanischen Erziehungssystems. In "Madonna" zeichnet sie nun das Leben einer Außenseiterin (gespielt von Kwon So-Hyun권소현).
Anders als in US-Filmen üblich, ist diese Außenseiterin jedoch nicht attraktiv, klug und liebenswert, sondern dick, hilflos und gänzlich unattraktiv, abgesehen von ihren großen Brüsten, die sie für bestimmte Männer zeitweilig anziehend macht. Die Darstellung einer lieblos aufgewachsenen, in der Schule gehänselten, im Arbeitsleben verachteten, von Männern missbrauchten und vergewaltigten Frau gewinnt jedoch dadurch an Wärme und Empathie, dass sie aus der Perspektive einer anderen Frau erzählt wird, nämlich der Schwesternhelferin Hae-Rim (Seo Young-Hee서영희). Diese – obwohl denselben Strukturen unterworfen wie alle in diesem Film – zeigt zunächst immer deutlicher passiven Widerstand. Dann jedoch ist sie die einzige, die sich am Ende ein Herz fasst und aktiv ins Geschehen eingreift.
Der Handlungsrahmen erinnert an Thomas Manns "Zauberberg". Hier ist es die VIP-Abteilung eines Krankenhauses, auf der merkwürdige Patienten liegen. Der wichtigste ist ein schwerreicher Tycoon, der seit zehn Jahren komplett gelähmt und sprechunfähig dahinvegetiert, künstlich ernährt, beatmet, überwacht. Zu seiner Versorgung wird jetzt die Helferin Hae-Rim abgestellt. Die Ärzte – herumkommandiert von Sang-Woo, dem Sohn des Patienten – halten den Alten mit allen Mitteln am Leben, und zwar aus einem einfachen Grund: Solange er lebt, verfügt der Sohn über das Vermögen, doch nach dem Tod des Alten fällt alles an wohltätige Einrichtungen.
Jetzt braucht der Alte zum wiederholten Mal ein neues Herz. Als Organspenderin bietet sich eine junge Frau an, die als angeblich "hirntot" ins Krankenhaus eingeliefert wird, und die sich als hochschwanger erweist.
Um die Zustimmung zur Organentnahme zu erhalten, beauftragt Sang-Woo die Helferin Hae-Rim, nach Angehörigen der im Koma liegenden Frau zu suchen ... dabei enthüllt sich Stück für Stück das Leben jener "Madonna" genannten Frau. – Ein ergreifender Film einer unabhängigen Regisseurin, der man wünscht, dass sie ihre Unabhängigkeit bewahren und mehr solcher unangepassten Filme drehen möge.

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MAN BO NÜ LANG 慢波女郎 ("Mambo Girl")
Musikfilm von Yi Wen (Evan Yang), Hongkong 1957. Mit Grace Chang, Peter Chen Ho, Kitty Ting Hao, Mona Fong. Schwarzweiß, 88 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Wie schnell und intensiv sich internationale Kunst- und Musikmoden unter freien Umständen bei Chinesen durchsetzen, zeigte nicht nur das Shanghai der 30-er Jahre, sondern auch das Hongkong der Nachkriegszeit. Der Mambo mit seiner komplexen Rhythmik war auch im Westen nur eine kurzlebige Erscheinung: Entstanden im Kuba der 30-er Jahre, hatte er Mitte der 50-er in den USA und in Europa seinen Höhepunkt und wurde bald von Cha-cha-cha und Rumba abgelöst. In Hongkong gab es eine regelrechte Mamboclub-Kultur, in der dieser Filmklassiker spielt, mit der 1933 geborene Sängerin und Schauspielerin Grace Chang in der Hauptrolle. "Mambo Girl" machte sie berühmt. Sie spielt eine junge Sängerin und Tänzerin, die als adoptiertes Kind auf der Suche nach ihrer Identität und ihrer leiblichen Mutter ist. Zwar findet sie diese, erkennt dann aber, dass ihre wahren Eltern die sind, die sie aufgezogen haben. In Hongkong war der Film ein großer Kassenerfolg, und er gilt bis heute als einer der wichtigsten Werke der dortigen Filmproduktion.

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Mang Guo Zhi Ge  芒果之歌 ("Song of Mango")
Politdrama von Chang Yan und Zhang Puren, China 1976. Mit Yu Ping und Xu Zhan. 82 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Während der Kulturrevolution wurden kaum Filme gedreht; schon deshalb ist "Song of Mango" etwas Besonderes. Doch während die anderen Filme angstvoll die üblichen Klischees um Japan-Teufel, Guomindang-Schurken, PLA-Helden und Partei-Engel bedienen, ist der Inhalt hier geradezu sensationell: nämlich eine Episode aus der Kulturrevolution selber. Die Story spielt an der ruhmreichen Qinghua-Universität (die sich aus Tradition bis heute "Tsinghua" schreibt), und zwar im Jahr 1968. Hier hat eine Rebellengruppe der Roten Garden nicht nur die Macht an der Universität übernommen, sondern ihr Hauptquartier kriegsmäßig verbarrikadiert, und sie hält sogar Leute gefangen. Jetzt zieht eine Propaganda-Delegation von Arbeitern hier ein, um wieder ein Minimum an Ordnung herzustellen. Die Studenten geben keineswegs klein bei, sondern bestehen darauf, ebenso wie die Arbeiter den Willen des Großen Vorsitzenden Mao zu verkörpern.
Doch die Leiterin der Delegation - eine Textilarbeiterin, deren beide Töchter an der Qinghua studieren, aber unterschiedlichen Fraktionen angehören - gelingt es mit Klugheit und Entschlossenheit, die Herrschaft der Arbeiter über die Universität herzustellen.
Exkurs: Unter den Arbeitern, die Mao beauftragte, Exzesse der Roten Garden zu korrigieren, verteilte er hinterher 40 Mango-Früchte, die ihm der pakistanische Staatspräsident bei einem Staatsbesuch überreicht hatte. Diese Früchte genossen eine geradezu mythische Verehrung und gaben diesem Film auch seinen Namen. Ob es jemand wagte, von diesen Mangos auch nur zu kosten, ist nicht bekannt.
Die Qinghua-Uni verschweigt auf ihrer Webseite die 26 Jahre zwischen 1952 und 1978. Auch bei der Feier zu ihrem 100. Geburtstag im Jahr 2011 wurde der Film “Song of Mango” mit keiner Silbe erwähnt. Nicht weniger peinlich ist er der offiziellen Geschichtsschreibung. Denn er zeigt, dass vom Anfang bis zum Ende der Kulturrevolution alles im Namen von Mao geschah - obwohl 1976 gedreht, wird kein Mitglied der "Viererbande" auch nur mit einem Wort erwähnt. Diesen vier Personen die Hauptschuld an 10 Jahren Chaos, Angst und Terror anzulasten, war also, so zeigt auch dieser Film, nichts anderes als eine schamlose Geschichtsfälschung.

================================================================== MANG TAN 盲探 ("Blind Detective")
Von Johnnie To, Hongkong 2013. 127 min, mit Andy Lau und Sammi Cheng. Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 16 Jahre

Hier die neueste Kombination von Thriller und romantischer Action-Komödie aus der Werkstatt von Johnnie To. Vermutlich waren es zwei Aspekte, die zur Idee für diesen Film führten. Zum einen die Kombination von Andy Lau und Sammi Cheng, die sich in "Yesterday Once More" (Long Feng Dou 龙凤斗) bewährt hatte. Zum zweiten der blinde Horcher, der in "Silent War" (Ting Feng Zhe 听风者) für Spannung gesorgt hatte. Hier nun streift Andy Lau in der Figur von Johnston, einem ausgemusterten blinden Polizisten, durch die Straßen und versucht sich an Fällen, für deren Lösung eine Belohnung ausgesetzt ist. An seiner Seite Sammi Cheng als gutaussehende und nahkampferprobte Polizeiinspektorin, die von Johnstons Fähigkeit beeindruckt ist, Verbrecher allein mit den Ohren und der Nase zu verfolgen und aufzuspüren. - Ob diese Idee tragfähig genug ist, dem Film über die volle Länge Spannung und Logik zu geben, muss der Zuschauer entscheiden.

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Mei Ren Yu 美人魚 "The Mermaid" . Love-Comedy von Stephen Chow 周星驰, Hongkong 2016. Mit Lin Yun 林允, Deng Chao 邓超, Show Lo 罗志祥, Zhang Yuqi 张雨绮. 93 min, chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre.

大富豪刘轩(邓超 饰)的地产计画涉及填海工程,威胁靠海为生的居民。单纯善良的珊珊(林允 饰)背负美人鱼家族秘密并被派遣前往复仇。二人在交手过程中互生情愫,刘轩最终 因爱上珊珊而停止填海工作,但他的合伙人及情人若兰(张雨绮饰)嫉妒刘轩与珊珊 相爱,誓要灭杀人鱼族。而刘轩为救珊珊及人鱼族,不惜与若兰为敌。

Die beiden großen Stefans des internationalen Films (Steven Spielberg und Stephen Chow) haben eine Gemeinsamkeit: Sie nehmen Mythen und Märchen, Träume und Alpträume beim Wort und inszenieren sie mit einem geradezu kindlichen Realismus. So z.B. Spielberg in "Jurassic Park", und ähnlich jetzt Stephen Chow in "Mermaid". In China brach dieser Film diverse Kino-Rekorde und wurde dort zum zweit-erfolgreichsten Film aller Zeiten!
Die Story: Der Milliardär Liu Xuan (Deng Chao 邓超) kauft ein maritimes Schutzgebiet und installiert dort ein machtvolles Sonarsystem. Ohne dass jemand es weiß, leben dort die Letzten eines Volkes von Meermenschen. Viele von ihnen sind schon durch die Meeresverschmutzung krank oder gestorben; jetzt wird der Milliardär für sie zum Feind Nummer Eins. Also wird die schöne Meerjungfrau Shan (Lin Yun 林允) mit ihrem bezaubernden Trippelschritt ans Land geschickt, um Liu Xuan erst zu verführen und dann zu töten. Der hält sie zuerst für eine Prostituierte. Doch dann ist er immer mehr von ihr fasziniert ... auch bei ihr rühren sich zärtliche Gefühle ... wie es weitergeht, darf geraten werden. – Effektvoll inszenierte Love Story, die natürlich, nicht anders als das Märchen von Andersen, die Anatomie der meerjungfräulichen Reproduktion dezent im Dunklen lässt.

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"In den Stromschnellen" 没有航标的河流 (Mei You Hang Biao de He Liu), China 1983. Drama von Wu Tianming吴天明, mit Li Wei 李纬, Hu Ronghua 胡荣华, Tang Qingming 唐清明, Tao Yuling 陶玉玲, Song Baosen 宋宝森. 86 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

故事发生在十年动乱时期。在潇水上,三个放排工同驾着木排缓缓地漂流。为了排解 愁苦,发泄怨恨,他们无休止地吵嘴、斗气、酗酒,生活很不容易。盘老五(李纬 饰)年过半百,尚没结婚,过着孤独的生活。三十年前,他曾有过一段爱情,但后来 成了痛苦的回忆;年轻的放排工石牯(胡荣华 饰)眼看着自己的未婚妻改秀被区革委会主任李家栋逼迫嫁给别人;赵良(唐清明 饰)是中年放排工,为了养家糊口,风里来雨里去干着放排的艰苦营生,并且省吃俭 用,省下钱留待家用。然而,这些普通放排工的善良人性依旧存在 ...

Dies ist einer der großen Filme über die Kulturrevolution, gedreht im furchtlosen, hoffnungsvollen Geist der 80er-Jahre. Dass solche Werke heute nicht mehr entstehen könnten, hat Regisseur Wu Tianming (1939 - 2014) selber wiederholt und zunehmend resignierend angemerkt.
Die Handlung: Während im Lande die Kulturrevolution wütet, treiben drei Männer auf einem Floß den Fluss hinunter: Kapitän ist der alte Pan Laowu. Wenn er betrunken ist, quält ihn die Erinnerung an seine alte Liebe, die er vor Jahrzehnten wegen seiner Armut nicht heiraten konnte. Dann ist da der geizige Zhao Liang, der jeden Cent für seine Familie spart. Drittens der junge Shi, der es kaum erwarten kann, bald seine Verlobte zu sehen. Aber dem Wüten der Kulturrevolution können die drei nicht einmal auf ihrem Floß entkommen. Die nämlich wird hier auf dem Land nicht von der Viererbande gemacht, sondern von selbstherrlichen Parteikadern. Doch Pan Laowu - in dem Gefühl, nichts zu verlieren zu haben - leistet Widerstand, und die anderen stehen ihm bei. Als ein früherer Distriktdirektor halbtot geschlagen wird, retten und verstecken sie ihn. Dabei trifft der alte Pan seine alte Liebe wieder - als Bettlerin. Dann wird die Verlobte des jungen Shi entführt und zwangsverheiratet. Als sie wegläuft, ist das Floß auch ihre Zuflucht.
Im Sturm gerät das Floß in die Stromschnellen, kentert und zerbricht. Die anderen können sich retten, nur der alte Pan taucht nicht mehr aus den Fluten auf. Ihm, dem selbstlosen Helden, setzt dieser Film ein Denkmal. Auch wenn das neue China mit aller Macht die Erinnerung an vergangene Schrecken auslöschen will, bleibt es für uns im Westen eine Ehrenpflicht, diese Erinnerung zu bewahren.

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MIE MEN 灭门 ("Bad Blood")
Von Dennis Law San-Yiu, Hongkong 2010. Mit Simon Yam, Bernice Liu, Andy On, Jiang Luxia. 94 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Ein typischer Hongkong-Action-Thriller. Er beginnt auf dem Festland mit dem Ausbruch einiger Häftlinge, samt wilder Verfolgungsjagd und ersten Kampfszenen. Dann eine öffentliche Erschießung in einem Sportstadium (wie sie früher in China tatsächlich stattgefunden haben). Der Hingerichtete ist der Boss einer Triade, und nach seinem Tod beginnt in Hongkong die eigentliche Handlung. In der Triade häufen sich die Morde, bis sich allmählich herausstellt, dass alles von der jüngeren Schwester des früheren Bosses ausgeht. Die erweist sich auf einmal als überlegene Kämpferin, die erst alle Männer aus dem Weg räumt und am Ende sogar Mutter und Großmutter umbringt. Aber die gerechte Strafe folgt durch die stumme Assistentin des jüngeren Bruders, den die Schwester von hinten erstochen hatte. Schade, dass Alice Schwarzer das nicht sehen kann: Wie eine Frau alle Männer durch Kampf und List besiegt, bis schließlich in einem letzten Duell zwei Frauen bis auf den Tod miteinander kämpfen. – Warnung: ziemlich brutal und blutig, also nichts für sensible Gemüter!

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MING GU NIANG 明姑娘 ("Bright Eyes")
von Dong Kena, China 1984. Mit Zhang Yu, Zhang Guomin, Zhang Lin. 106 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Auch dies ist einer jener nachdenklichen Filme aus den frühen 80er-Jahren. Zhao Chan, ein früherer Physikstudent, ist durch eine Augenerkrankung erblindet. Seit diesem Schicksalsschlag hat er allen Lebensmut verloren. Doch dann lernt er in einer Werkstatt die gleichfalls blinde junge Mingming kennen. Von ihr lernt er, nicht in Verzweiflung zu versinken, sondern mit der Behinderung konstruktiv umzugehen. Später finden sie einen Spezialisten, der Zhao Chan das Augenlicht wiedergeben kann. Im Überschwang seines Glücks will er Mingming heiraten. Diese aber spürt, dass der Antrag nur Ausdruck seiner Dankbarkeit ist, und lehnt ab. - Der Film hat zwar keine englischen, aber sehr klare und große chinesische Untertitel. Daher ist er gut für Chinesisch-Lernende geeignet.

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Ming Hun Qi Shi 冥婚啟示 („Revelation of Ghost Marriage")
Komödie/Drama von Meng Ong, Singapore 2014. Mit Sandra Ng, Jim Chim, Wang Bo-Chieh, Mark Lee, Henry Thia. 97 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Die Story: Mrs. Wu (Sandra Ng), früher eine berühmte Sängerin, kann den Verlust ihres Sohnes Peng nicht verwinden. Immer wieder führt sie Zeremonien durch, in denen sie für den Verstorbenen alle möglichen Papierfiguren verbrennt, also Gegenstände, die ihm das Leben in der Unterwelt komfortabel machen sollen. Doch die Seele des Sohnes scheint keine Ruhe zu finden.
Also engagiert Mrs. Wu zwei Geisterbeschwörer, einen Meister mit seinem Sprössling, der noch Schuljunge ist und von seinen Mitschülern gehänselt wird. Der Meister stellt fest, dass dem Sohn der Mrs. Wu in der Unterwelt eine Braut fehlt. Diese suchen sie in einer Reihe von Ritualen - doch die "Braut", die sich dabei findet, ist ein junger Mann. Was als filmische Komödie begann, wird auf einmal zum Drama. Denn im Nachhinein enthüllt sich, dass der Sohn schwul war, was Mrs. Wu immer zu verleugnen versuchte. Doch das Akzeptieren der Realität führt am Ende zur Versöhnung mit der Geisterwelt.

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"Eternal Regret of Ming Dynasty" 明末遗恨 (Ming Mo Yi Hen), China 1936. Von Zhang Shankun 张善琨, mit Mei Xi 梅熹 und Gu Lanjun 顾兰君. 93 min, Schwarzweiß, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

明代末年,南京将陷,清军兵临城下,名士孙克咸(梅熹饰)却因爱上风尘女子嫩娘 (顾兰君饰),没有决心去投奔义军抗清。为了促其前行,嫩娘先欲以自刎断其恋情 ,后又慨然与之同行,共赴福建抗清。不久,克咸兵败,退入深山。此时清兵一面调 集重兵合围,一面又遣降臣蔡如蘅劝降,遭到嫩娘的拒绝。最后,嫩娘、克咸兵败被 俘,被押解到南京。清军将领博洛(王献斋饰)见嫩娘貌美,欲以富贵荣华诱之,汉 奸蔡如蘅在一旁助虐,嫩娘昔日的风尘姐妹微波,出于怜悯也加以劝说。嫩娘怒斥博 洛、蔡如蘅的卑鄙无耻,痛责微波的无知苟安。博洛恼羞成怒,命令士兵将嫩娘斩首 ,嫩娘咬断了自己的舌尖,一鼓足气,猛然将一口血水向博洛喷去……

Zhang Shankun ist im Westen vor allem als Gründer der Xinhua Film Company und als Produzent zahlreicher Filme bekannt. Er führte jedoch auch in einigen Filmen Regie. Der Tonfilm "Eternal Regret of Ming Dynasty" ist allerdings im Westen weitgehend unbekannt, obwohl seine politische Botschaft eindeutig war. Geschildert wird der Zerfall der (südlichen) Ming Dynasty nach dem Fall von Yangzhou. Die Gründe für den Untergang lagen neben der Stärke der Mandschu (die sich seit 1636 als "Qing-Dynastie" bezeichneten und 1644 Peking eingenommen hatten) vor allem in der mangelnden Entschlossenheit der letzten Ming-Herrscher sowie den Eigeninteressen der lokalen Machthaber. Was die Zeit betrifft, in der dieser Film entstand, so lag, nachdem Japan 1931 Chinas Nordosten besetzt und 1932 den Marionettenstaat "Manzhouguo" 满洲国 gegründet hatte, eine allgemeine Invasion der Japaner in der Luft (die ab 1937 tatsächlich stattfand). Angesichts der Zersplitterung der chinesischen Widerstandes - hier die Guomindang, dort die KP - war dieser Film eine offenkundige Mahnung zur Einigung der innerchinesischen Kontrahenten.

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Ming Yue Ji Shi You 明月几时有 ("Our Time Will Come"), von Ann Hui  许鞍华, Hongkong 2017. Mit Zhou Xun 周迅, Eddie Peng  彭于晏, Tony Leung Ka-Fai 梁家辉, Guo Tao 郭涛. 125 min, chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre.

东江纵队生死大营救事件为叙事线索,讲述以香港传奇女性方姑为代表的仁人志 士,在1940年乱世中的香港展开生死救援的故事。影片由一系列黑白片段串联而成。 以一位年迈的抗战老兵郑家彬(梁家辉饰)的回忆贯穿全片明月几时有

日军占领香港后,为了让身在香港的茅盾(郭涛  飾)、邹韬奋(黄志忠 饰)、夏衍等多位中国文化名人乘船逃回中国内地,以刘黑仔为主要代表的抗日短枪 队成员积极担负起这些名人的安全转移任务。茅盾夫妇由于租住在教师方兰(周迅饰 )家里,方兰也为逃离行动出了一份力。任务结束后,刘黑仔(彭于晏 飾)邀请方兰加入到抗日的队伍中,在港区中队里担任一名情报队员,她因此与阿四 成为患难的战友,方兰母亲(葉德嫻 飾)则十分担心女儿的安危。而方兰(周迅 飾)的情人李锦荣(霍建華 飾)则是一个在日军领导的宪兵队工作的特工,他和其他同事秘密为抗日队员提供日 军的情报信息,同时尽量避免身份暴露。

Ann Hui, 1947 in Anshan/Liaoning als Tochter eines Chinesen und einer Japanerin geboren, macht seit fast 40 Jahren Filme: zurückhaltend, eigensinnig, beharrlich. Inzwischen ist sie nicht nur die große alte Dame des Hongkong-Kinos geworden, sondern die wichtigste chinesische Regisseurin überhaupt.
Hier nun ihr jüngstes Werk: "Our Time Will Come". Und wie bei allen namhaften chinesischen Regisseuren (von den routinierten Thriller- und Kungfu-Spezis mal abgesehen) geht man auch hier mit gewissen Sorgen in jeden neuen Film: Hat er/sie sich korrumpieren lassen? Vollzieht er/sie den stillen Kotau vor der Macht, so wie es Zhang Yimou und Chen Kaige vorgemacht haben und wie es der Nationalcharakter im Reich der Mit(te)läufer gebietet (was im Westen anrüchig klingt, während es aus chinesischer Sicht doch bloß Ausdruck der Leitkategorie "Harmonie" ist)?
Umstände und Thematik dieses Films unterstreichen solche Sorgen: ein Film für 2017, also zum 20. Jahrestag der Rückkehr der einstmals britischen Kronkolonie zum Mutterland. Und es geht um den Hongkonger Widerstand nach der japanischen Okkupation im Dezember 1941 ... demnach der erste wahrhaft patriotische Film der Ann Hui ... also sehen wir mal.
Leider ist der internationale Titel "Our Time Will Come" schon mal ein Missgriff, wenn nicht eine Fälschung. Die Zeile stammt aus einem Gedicht des Song-Dichters Su Shi = Su Dongpo, und da steht:
明月几时有,
把酒问青天。

 "When will the bright moon appear?
I rise a cup of wine and ask the dark blue sky."
Richtiger wäre also "When Will Our Time Come?" Das klingt schon ganz anders - eher wehmütig, wenn nicht resignierend.
Nun zum Film. Im Mittelpunkt scheint wie gesagt der paramilitärische Widerstand gegen die japanische Okkupation zu stehen. Den gab es, und er wurde vor allem von der "Dongjiang-Kolonne" getragen. Der Film tut so, als wäre das eine Undercover-Truppe der Roten Armee gewesen. Tatsächlich waren es überwiegend Guomindang-Soldaten, die sich 1938, als die Japaner Kanton besetzten, nach Hongkong abgesetzt hatten, in Zivil, aber mitsamt ihren Waffen.
Diese "Ostfluss-Kolonne" führte Anfang 1942 eine im Westen wenig bekannte Aktion durch: 800 Politkader und Intellektuelle, die nach 1937 in Hongkong Zuflucht gesucht hatten, wurden an den Japanern vorbei in die nicht besetzten Gebiete Chinas geschleust. Hauptperson ist hier zunächst der Schriftsteller Mao Dun (Guo Tao). Der lebt mit seiner Frau als Untermieter bei einer Witwe und deren Tochter Fenglan (Zhou Xun). Er nennt sich "Herr Shen", was allerdings kein Deckname ist, sondern sein tatsächlicher Name Shen Dehong. Fenglan ist eine 27-jährige Lehrerin, deren Schule jetzt geschlossen ist. Dass sie die Gedichte von Mao Dun kennt und liebt, ist offenbar Gewähr genug, sie sogleich in die Aktion der Dongjiang-Kolonne einzubinden. Nachdem Mao Dun und seine Gruppe Hongkong verlassen haben, widmet sie sich ganz dem Widerstand.
Und jetzt hört der Film auf, irgendeine historische Realität darstellen zu wollen. Fenglan arbeitet immer wieder mit "Blackie Lau" zusammen, einem tollkühnen jungen Scharfschützen (Eddie Peng). Doch beide agieren im Grunde auf eigene Faust und scheinen keinerlei Anordnungen, keinen Vorgesetzten unterworfen. Nach anfänglichen Kurierdiensten geht es bald nur noch um eine: dass die Mutter von Fenglan mit einer geheimen Nachricht festgenommen und gefoltert wird, nicht befreit werden kann und am Ende hingerichtet wird.
In der Realität war Hongkong 1941 überfüllt mit Flüchtlingen aus Shanghai, Kanton und Südchina, die sich bei den Briten in Sicherheit wähnten. Doch im geräumigen Haus der Witwe wohnt offenbar niemand außer ihr und der Tochter sowie der Mao-Dun-Familie. Die Straßen sind sogar am Tag meist menschenleer, und nachts sowieso - und die Japaner sind beim Kontrollieren der Passanten offenbar so diszipliniert, dass eine junge Frau im schönsten Qipao herumlaufen darf, ohne Belästigungen fürchten zu müssen. Radios gibt es nirgends (obwohl die Hongkong-Regierung seit 1928 einen Rundfunksender betrieb), und dass Japan gerade Pearl Harbor bombardiert und den USA den Krieg erklärt hatte, weiß folglich auch keiner.
Dann eine zentrale Frage, zumal für bewaffneten Widerstand: WOFÜR kämpfen die Hongkonger Widerständler eigentlich? Gegen die Japaner, na klar - und außerdem? Dafür, dass die Briten weiter herrschen dürfen? Oder für die Selbständigkeit, wie sie in Singapore schon damals viele forderten? Oder für den Anschluss an China, wie 1997 geschehen? So groß der Mut von Eddie Peng, Zhou Xun und ihrer Filmmutter auch zu sein scheint - über diese Frage zu sprechen wagen weder sie noch Ann Hui. Leider bestätigt sich, was anfangs zu befürchten war: eine gut gespielte, von guten Darstellern getragene patriotische Geschichte - scheinbar voller Heldenmut, doch in panischer Angst die Frage vermeidend: Was wäre, wenn sie denn wählen dürften, der Hongkonger wahres Vaterland?

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MING RI TIAN YA  明日天涯  ("All Tomorrow's Parties")
Von Nelson Yu Lik-wai, Hongkong 2003. Mit Cho Yong-won, Diao Yinan, Zhao Weiwei, Na Ren. 96 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Science-Fiction Filme aus China sind derzeit noch fast so selten wie in den Wissenschaften chinesische Nobelpreisträger. Zwischen beidem besteht ein Zusammenhang: Echte Wissenschaft ist stets auch Kritik am Bestehenden (eingeschlossen Lehrer, Vorgesetzte und herrschende Strukturen), und Science Fiction darf erst recht alles Bestehende über Bord werfen. Dem Konfuzianismus ist genau das ein Greuel. So haben es trotz des Geldes, in dem Chinas Unis und die großen Studios heute schwimmen, Spitzenforschung und Science Fiction in China gleichermaßen schwer.
"All Tomorrow's Parties" (wieder einer jener nichtssagenden internationalen Filmtitel, auch wenn das eine Hommage an Velvet Underground sein soll) ist ein ehrenwerter Versuch, einen chinesischen Beitrag zum Genre zu leisten. Die Story spielt in der Mitte eines post-apokalytischen 21. Jahrhunderts. Hier herrscht eine ominöse "Guidao"-Sekte, und zwar über ganz Zentralasien ... wie sie das geschafft hat und was aus Mega-Städten wie Shanghai oder Peking (oder Hongkong) geworden ist, bleibt im Dunkel. Im Mittelpunkt der Handlung stehen Zhuai und sein Bruder Mian, die offenbar durch kritische Bemerkungen aufgefallen sind und jetzt in einem Erziehungslager eine Gehirnwäsche erhalten sollen. Eine Weile durchleben sie die dortigen "Erziehungsmaßnahmen". Dann wird die Sekte plötzlich gestürzt, und die Brüder sind ebenso wie die anderen Lagerinsassen unvermittelt in Freiheit. Zhuai verliebt sich in eine junge Frau und versucht zusammen mit ihr und ihrem Sohn, in einer zerstörten Umgebung und in verlassenen Gebäuden eine neue Lebensgrundlage zu finden. Doch die Kommunikation zwischen ihnen bleibt dürftig, und schon bald trennen sie sich.
Mit Filmen wie "Alphaville" oder "Fahrenheit 451" kann man das nicht vergleichen, doch ist es ein iritierender und atmosphärisch dichter Versuch, sich aus chinesischer Sicht eine verlorene Welt mit wenig Menschen und zeitweilig ohne Herrschaftsstrukturen vorzustellen.

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MING YUN HUA ZHUANG SHI 命运化妆师 ("Make Up")
Von Lien Yi-chi, Taiwan 2011. Mit Bryant Chang, Nikki Hsin-Ying Hsieh, Sonia Sui, Chung-tien Wu. 105 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Min-Hsiu ist Kosmetikerin in einem Bestattungsunternehmen. Eines Tages liegt vor ihr die Leiche einer Frau, die angeblich eine Überdosis Schlaftabletten eingenommen hat. Min-Hsiu kannte sie: es ist Chen Ting, ihre frühere Musiklehrerin an der Oberschule. Und auf einmal interessieren sich fremde Leute für sie: Dr. Nieh, der Ehemann der Verstorbenen, möchte von Min-Hsiu mehr über die Vergangenheit seiner früheren Frau erfahren. Ein Detektiv taucht auf, der die Todesumstände seltsam findet und Dr. Nieh verdächtigt. In Rückblenden zeigt sich, dass die Beziehung zwischen Min-Hsiu und Chen Ting nicht nur für diese beiden schicksalhaft war, sondern auch für Dr. Nieh ... bis es zwischen dem Arzt, Min-Hsiu und dem Detektiv zum Show-down kommt.
Ein weitgehend unbeachtet gebliebener Film, der aber durch die sensible Darstellung einer Lehrerin-Schülerin-Beziehung und durch das lakonische Spiel der Hauptdarstellerin sehenswert ist.

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MO DENG NIAN DAI 摩登年代 ("Fake Fiction")
Von Shao Xiaoli, China 2013. 93 min, mit Xu Zheng, Zhang Zifeng, Vanessa Wang. Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 9 Jahre

Nachdem "Lost in Thailand" von und mit Xu Zheng 2012 in China sämtliche Kassenrekorde gebrochen hatte, hier der neue Film mit Xu Zheng. Der chinesische Titel ist identisch mit dem von Chaplins "Modern Times", wie denn überhaupt der ganze Film eine Art Huldigung an den großen Komödianten sein soll. Xu Zheng spielt hier David Ou, einen zweitklassigen Trickzauberer. Während dessen Projekte sämtlich schiefgehen, muss er sich auch noch mit einem kleinen Mädchen herumplagen (Diudiu, gespielt von Zhang Zifeng), das behauptet, seine Tochter zu sein. Alle Versuche, sie loszuwerden, schlagen fehl, aber dann freundet er sich mehr und mehr mit ihr an. Schließlich wird sie seine Assistentin - die Frage, ob eine Achtjährige nicht lieber zur Schule gehen sollte, wird hier großzügig ignoriert. Natürlich ist da auch noch eine äußerlich kühle, aber innerlich patente Kulturmanagerin, außerdem ein schleimiger Konkurrent um die Gunst der Managerin und des Publikums. Am Schluss wird alles gut, und aus Diudiu, dem Trickser Ou und der Managerin wird eine Familie. Ein hübscher Film, in dem allerdings in schauspielerischer Hinsicht nicht Xu Zheng die Palme davonträgt, sondern die 2001 geborene Zhang Zifeng. Man braucht kein Prophet zu sein, um vorherzusagen, dass sie der Kinderstar der Zukunft ist, und dass man ihr in den kommenden Jahren diverse Filme auf den Leib schreiben wird. Die Frage ist nur, ob sie ihre Persönlichkeit und ihr differenziertes Spiel auch demnächst als Jugendliche und dann als junge Frau wird bewahren können ... wünschen wir ihr das Beste!

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MO HUAN CHU FANG  魔幻厨房 ("Magic Kitchen")
Von Lee Chi-Ngai, Hongkong 2004.  Mit Sammi Cheng, Andy Lau, Jerry Yan, Maggie Q. 104 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Yau (gespielt von Sammi Cheng) ist Besitzerin und Chefköchin eines erfolgreichen Restaurants. Allerdings beruht ihr Erfolg ganz auf dem Rezeptbuch ihrer Mutter, das diese ihr hinterlassen hat - zusammen mit einem Familienfluch, der ihr Unglück in der Liebe voraussagt. Ihr junger Assistent Ho (Jerry Yan) betet sie an, sie aber ist seit langem unglücklich verliebt in Chun (Andy Lau), mit dem sie früher einmal eine immer wieder gestörte Affäre hatte. Jetzt sehen die beiden sich in einer ganz andren Konstellation wieder: Chun ist inzwischen mit May zusammen, einer Freundin von Yau. Während letztere sich auf einen Wettbewerb in einer japanischen TV-Kochshow vorbereitet, kommt es zu einem Wirbel von Begegnungen, Enthüllungen und Trennungen, bis sich Yau am Ende doch dem treuen Ho zuwendet. - Eine hübsche Romanze mit großem Hongkong-Staraufgebot, die trotz der Glitzerwelt, in der sie spielt, nachdenklicher und substanzvoller ist, als das Äußere erwarten lässt.

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Mo Jing 魔警 That Demon Within, Hongkong 2014. Action-Thriller von Dante Lam, mit Daniel Wu, Nick Cheung, Chen Sixuan. 105 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre.

本片讲述一名盡忠職守的警員王偉業在某次當值期間無意中拯救了一名惡名昭彰的悍 匪韓江,痊愈之后的韩江更加的猖狂,杀人劫掠无所顾忌,而王伟业的同事们却因为 种种掣肘以致束手无策,这一切既让王伟业陷入了深深的自责中,也让他终于明白了 自己要走的路,既然命运帮他做出了抉择,他只能以身入魔对抗鬼王,了结这场恩怨 。...

Es ist kein Zufall, dass in Hongkong immer wieder packende "Cop-Thriller" produziert werden – nicht jedoch in der Volksrepublik. Denn man kann solche Filme nicht drehen, wenn Polizei-Korruption ein Tabu ist (und keine ehrlichen Gesellschaftsfilme, wenn die Darstellung verlogener Bonzen verboten ist). Genießen wir also die Thriller aus Hongkong, bevor die VR-Zustände demnächst auch dort herrschen!
Die Story: Der introvertierte Dave Wong arbeitet als Bereitschaftspolizist in einem Krankenhaus. Ein gerade eingelieferter Verwundeter braucht eine Bluttransfusion, hat aber eine seltene Blutgruppe – zufällig die von Wong, der ihn mit einer Blutspende rettet. Der Gerettete, erfährt Wong danach, ist Hon: Chef einer brutalen Bande, die mit Dämonenmasken Überfälle begeht und soeben zwei Polizisten erschossen hat. Obwohl er das nicht wusste, fühlt Wong sich schuldig, zumal Hon flieht und sogleich weitere Zivilisten und Polizisten umbringt. Wong beginnt, Hon und dessen Bande auf eigene Faust zu jagen ... doch als die Bande dann Hon ausbootet, arbeiten Wong und Hon auf einmal ungewollt zusammen ... was den Dämonen der Vergangenheit, die in Wong hausen, nun erst recht Auftrieb gibt ... bis hin zum Showdown, dem nicht nur Hon und dessen Bande zum Opfer fallen, sondern zuletzt auch Wong.

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Mo Mo De Xiao Li He 默默的小里河 "The Quiet Little Li River", China 1984. Bürgerkriegs-Drama von Zhang Zi'en张子恩, mit Jia Liu贾六, Chen Baoguo陈宝国, Yu Ying于瑛, Ding Weimin 丁维敏. Farbe, 87 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre.

《默默的小理河》是一部1984年在中国大陆上映的彩色剧情片,影片围绕在一农家小院发生的一场微 不足道的战斗,探讨并展示了战争对人性的冲击和每个人不同的心理活动。片中无论 是作为正面人物的爷爷还是作为反面人物的军官,都被放置在了一个普通人的位置上 ,而不是以往战争题材作品中的脸谱化的人物形象,即便是爷爷,在表现了他朴实、 勇敢、智慧的同时,也反映了他的局限性。影片用现代的眼光审视过去的战争,具有 耐人寻味的丰富内涵。该片获文化部1984年优秀影片二等奖....

Die Story spielt 1947 in einem Dorf im Norden von Shanxi. Aus Angst vor den anrückenden Guomindang-Truppen sind fast alle Bewohner geflohen. Nur ein Großvater mit seiner Frau und einem Enkel sind geblieben. Die Soldaten richten in dem Gebäude eine Funkstation ein, und sie bemühen sich, das Vertrauen des Alten zu gewinnen. Dessen Sohn hat sich der Guerilla angeschlossen, die in der Nähe operiert. Es versteht sich, dass der Alte die Erkenntnisse, die er über die Funkstation und die Pläne der Guomindang erfährt, an die Rebellen weiterzugeben versucht.
Thematisch scheint sich dieser Film an die endlose Reihe von Werken anzuschließen, die nach 1949 den Kampf zwischen Guomindang-Tuppen und Roter Armee erzählen, fast immer auf dieselbe Art. In der Regel werden dort die Guomindang-Truppen als komplett böse und die Helden der Roten Armee als komplett gut dargestellt. Das ist in diesem Film anders, auf eine Weise, wie es nur in den 80er-Jahren möglich war. Zwar geht auch dieser Film nicht so weit, Zwangsrekrutierungen und gewaltsame Beschlagnahme von Getreide durch die Rote Armee zu zeigen, wie es sie natürlich auch dort gab. Aber es ist bemerkenswert, dass hier auch das Schicksal und Leid von Guomindang-Soldaten betrachtet wird, und dass sich Menschlichkeit und Solidarität auch bei diesen finden.

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MU YU 母语 ("Be A Mother")
Von Yu Zhong, China 2011. Mit Qin Lan, Alex Fong, Wang Pei. 92 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

"Leihmutterschaft boomt in China", titelte schon 2011 das offiziöse "China.org.cn" auf der Webseite . Dazu sahen wir vor dem Jahreswechsel "A Complicated Story": die Geschichte einer Leihmutterschaft in Hongkong. Doch schon 2011 war auf dem Festland ein Film zur selben Thematik in die Kinos gekommen: "Be A Mother". Allerdings verfolgen beide Filme einen völlig verschiedenen Ansatz. Die "Complicated Story" wartet nicht nur mit komplex verschränkten heterosexuellen und lesbischen Beziehungen auf, sondern auch mit diversen Action-Elementen, vom Rosenkrieg des Ehepaares über Presse-Enthüllungen bis zu einem brutalen Überfall. "Be A Mother" hingegen ist etwas, das man in anderen Filmen vom Festland schmerzlich vermisst: eine sensible psychologische Studie.
Dazu gehört, dass der Film (abgesehen vom fehlenden Happy-End) auf eine moralische Bewertung des Phänomens "Leihmutterschaft" verzichtet. Die Handlung spielt im Jahr 2007. Zhang Qing, ein aus den USA zurückgekehrter Biologie-Professor (Alex Fong), lebt in einem luxuriösen Haus am Pekinger Stadtrand mit seiner Ehefrau Fang Yun (Wang Pei), einer vielbeschäftigten Fernsehjournalistin. Beide hätten gern ein Kind, doch Fang Yun ist beruflich überlastet und möchte nach drei Fehlgeburten kein Risiko mehr eingehen. Sie beschließen, eine Leihmutter zu suchen, und entscheiden sich nach kurzer Auswahl für die stille Li Yan (herausragend: Qin Lan). Diese zieht in das Haus des Ehepaares und wird nach einer künstlichen Befruchtung tatsächlich schwanger. Bei der Untersuchung im Krankenhaus gibt sie sich (ebenso wie später bei der Geburt) als Fang Yun aus. Damit sind Probleme bei der Registrierung des Kindes ausgeschlossen.
Anders als der Film aus Hongkong behandelt "Be A Mother" alle äußeren Vorgänge mit größter Knappheit. Was den Film interessiert, sind einzig die Gefühle der beteiligten Personen und der Wandel in ihren Beziehungen. Schließlich ist es nichts Beiläufiges, wenn da in dem großen Haus eine junge Frau wohnt, die ein Kind des Hausherrn austrägt. Vielleicht ist es ein Mangel des Filmes, dass die Leihmutter Li Yan und der Ehemann Zhang Qing etwas idealisiert dargestellt werden. Li Yan ist eine Frau mit Tugenden, wie sie sich auch Konfuzius gewünscht hätte: zurückhaltend, bescheiden, aufmerksam, fleißig, einfühlsam - und Zhang Qing bleibt seiner Frau unbeirrt treu, obwohl die sexuellen Beziehungen zwischen ihnen längst abgekühlt sind.
Nach der Geburt des Kindes verschärfen sich die Konflikte. Es gelingt Fang Yun nicht, das Baby an sich zu gewöhnen, also bleibt Li Yan vorläufig im Haus. Eine unerwartete Wendung tritt ein, als Fang Yun von ihrem Einsatz bei dem großen Wenchuan-Erdbeben 2008 mit einem dreijährigen Mädchen zurückkommt, das sie adoptieren will. Doch nun, da die veränderte Konstellation eigentlich alles möglich machen würde, kommt es zur größten Schwäche des Films: Die Frage, ob man nicht künftig zu fünft zusammenleben könnte, wagt niemand auch nur anzudeuten. Äußerlich wird das damit begründet, dass der Film einen realen Fall nacherzählt. Dennoch bleibt es unbefriedigend, dass der Film hier abbricht und die definitive Trennung aller Beteiligten nur im Nachspann berichtet.
Einmal mehr zeigt sich, wie sehr Zensur und Selbstzensur alle freien Ideen in Chinas Filmwesen ersticken. Man muss sich bei diesen Werken einen unsichtbaren Vorspann denken, der besagt: "In diesem Film sind alle Gedanken eliminiert, die mit gesellschaftlichen Reformen zu tun haben könnten". Chinas Filmregisseure sind staatlich kastrierte Eunuchen, und das um so mehr, je mehr Geld dort im Filmwesen verdient und ausgegeben wird. Das gilt leider auch für diese kleine Filmperle, die wir am Freitag sehen werden.

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MU YU NÜ 母与女 ("Devotion")
Von Tang Huang, Hongkong 1960. 92 min, mit Zhang Yang, Qiao Hong, Ding Hao. Schwarzweiß, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Mehr als 50 Jahre alt ist dieses Werk. Es spielt in einer Welt, in der Männer und Frauen noch strengen Rollenklischees unterworfen und Klassenschranken nahezu unüberwindlich waren. Insofern schließt sich der Film an berühmte Vorbilder an, etwa "Lei Yu" ("Gewitter"), "Yi Jiang Chun Shui Wang Dong Liu" ("Spring River Flows East"), oder auch an das Schicksal der Dienstmagd Mingfeng in Ba Jins "Jia" ("Family").
Hier nun eine wohlhabende Familie in Hongkong. Der Sohn des Hauses studiert in England Medizin und kommt nach langen Jahren zu einem Ferienbesuch in die Heimat. Als Kind hatte er am liebsten mit der kleinen Dingding gespielt, der Tochter der Dienerin. Aus der ist jetzt eine hübsche junge Frau geworden. Sofort fühlt er sich zu ihr hingezogen. Aber die strenge Mutter ist gegen seine Verbindung mit einer Dienerin, die zudem Analphabetin ist. Stattdessen will sie ihn mit der hässlichen Tochter einer reichen Familie verheiraten. Er aber schläft mit Dingding, und als er nach England zurückfährt, ist sie schwanger. Dingding und ihre Mutter werden aus dem Haus geworfen, und kurz nach der Geburt der Tochter Xiao Ding stirbt Dingding.
18 Jahre später scheint sich die Geschichte zu wiederholen. Um Geld zu verdienen, singt Xiao Ding in einem Nachtclub. Der Bruder einer Schulfreundin verliebt sich in sie und legt sich für sie mit einer Triaden-Gang an. Er wird schwer verletzt und muss ins Krankenhaus. Dort lernt Xiao Ding den Klinikdirektor kennen: kein anderer als der damalige Medizinstudent, der ihre Mutter verführt hat, also ihr Vater. Wie die Geschichte ausgeht, erzählt der Film.

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NAN BEI MA DA 南北妈打  ("Mother vs. Mother")
Von Leung Siu-Hung, Hongkong 1988. 91 min, mit Maggie Cheung, Jacky Cheung, Bill Tung, Lydia Shum Tin-Ha. Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 9 Jahre

Familienkomödie mit typischem Hongkong-Humor, allerdings geadelt durch die Mitwirkung von Maggie Cheung (die lange Zeit auch Rollen wie diese hier annehmen musste, bevor sie für "In the Mood for Love" 24 Qipao auf den Leib geschneidert bekam).
Der Plot: Ein braver Mann heiratet auf Anordnung seines Vaters nicht die arme schlanke Verlobte, sondern eine dem Anschein nach reichere (und fette) Bekannte. Zwei Jahrzehnte später ist die Arme von damals reich geworden, und der Sohn des Mannes und der Fetten verliebt sich ausgerechnet in die schöne Tochter der damals Abservierten ... Romeo und Julia auf plattem Niveau, aber gelegentlich ganz lustig.

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Nan Bei Yi Jia Qin 南北一家亲 ("The Greatest Wedding On Earth")
Komödie von Wang Tianlin 王天林, Hongkong 1962. Mit Bai Luming 白露明, Lei Zhen 雷震, Zhang Qing 张清, Liang Xingbo 梁醒波. Schwarzweiß, 102 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Eine Komödie mit einem geradezu prophetischen Thema - ein Thema, das 1962 nur lustig zu sein schien, heute aber Hongkong im Innersten betrifft, wenn nicht bedrängt. Denn es geht um die Animositäten zwischen Kantonesen und Nordchinesen, und damit auch um den Konflikt zwischen dem gemütlichen Kantonesisch (广东华) und dem harten, Peking-basierten Hochchinesisch (Putonghua 普通话).
Die Story beginnt damit, dass ein Pekinger Restaurantbesitzer in einem Restaurant in Kanton speist. Weil er sich über die Preise ärgert, eröffnet er gleich gegenüber ein eigenes Restaurant mit Peking-Küche. Beide Lokale bekämpfen sich von nun an mit allen Mitteln. Ohne dass die Eigentümer das wissen, verliebt sich jedoch der Sohn des Kantonesen in die Tochter des Pekingers. Weil die Väter es nicht erlauben, dass in ihrem Haus anders gesprochen wird als Kantonesisch hier und Hochchinesisch dort, kommt es zu sprachlichen Täuschungsversuchen, die gelegentlich zu regelrechten Sprachduellen werden ...

... bis am Ende, wie könnte es anders sein, natürlich doch die Liebe siegt, jedenfalls in diesem Film. Wie Peking und das Hochchinesische Hongkong erobern – z.B. jüngst mit kostenlosen Zwangskursen für aufmüpfige Buchhändler – ist ein anderer Film, der nicht im Kino spielt, sondern in der Realität.

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"The Nanchang Incident" 南昌起义, China 1981. Drama von Tang Xiaodan 汤晓丹, mit Du Fanrong 杜繁荣, Kong Xianyu 孔祥玉, Yang Guisheng 杨贵生, Li Zaiyang 李再扬, Gao Zhangli 高长利. 106 min, Chinesisch OHNE Untertitel. Altersempfehlung: ab 14 Jahre.

1926年夏,奉系军阀在国民革命军二次北伐中惨败。周恩来(孔祥玉 饰) 受党指派去找贺龙 (高长利 饰), 询问其下一步打算, 面对连年军阀混战, 贺龙早已厌倦, 他表示愿意跟党走。 周恩来在中央全会上分析了当时严峻局势, 得知汪精卫 (李宁 饰)已准备向工人纠察队动手, 他果断解散纠察队, 将人员武器编入贺龙二十军。得知汪要发动反革命政变,经请示中央,周恩来提出举 行武装暴动,恽代英(叶新民 饰)等全力支持, 此议获中央批准, 并委任周为 敌前委书记总负责。 抵南昌后,叶剑英(王瑞 饰) 及时识破汪精 卫图谋斩首诡计, 通知贺龙、叶挺(王定华 饰) 率部做好起义准备。 朱德(刘怀正 饰)向周恩来等作了武装暴动详情介绍,刁铁民(王华英 饰) 阵前做说 客遭贺龙逮捕, 张国焘(王际春 饰)阻止未果,周恩来下达了起义命令......

In diesem Film geht es um den Nanchang-Konflikt, bei dem am 1. August 1927 Militäreinheiten unter der Führung von He Long, Zhou Enlai und Zhu De gegen die Guomindang-Führung rebellierten. Dieses Ereignis gilt heute als die Geburtsstunde von Chinas Roter Armee. Leider ohne englische, jedoch mit chinesischen Untertiteln.

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NAN FU NÜ ZHU REN  女男妇女主任 ("Male Sorority Director")
Komödie von Zhang Huizhong, China 1999. Mit Zhao Benshan und Song Dandan. 87 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 9 Jahre

Zhao Benshan, Chinas Spezialist für die Darstellung komisch-melancholischer Underdogs, in einer Paraderolle, diesmal als Bauer. Auf dem Land soll eine regionale Konferenz für Frauenfragen durchgeführt werden. Die zuständige Vertreterin kann nicht, also wird der Bauer Liu Yiben an ihrer Stelle geschickt. Eigentlich soll er auf der Konferenz nur zuhören, aber weil er mit viel Mühe eine Rede geschrieben hat, will er die auch unbedingt halten. Sein Vortrag, in dem er für jeden Tag kulturelle Aktivitäten beschreibt, beeindruckt die anderen Teilnehmer (außer ihm natürlich fast alles Frauen) so sehr, dass sie diesem angeblichen "Musterdorf" einen Besuch abstatten wollen. Das versetzt das ganze Dorf in Aufruhr, denn den Besuchern muss jetzt natürlich etwas geboten werden ... und es versteht sich von selbst, dass der vorlaute Liu Yiben hierbei die Hauptlast zu tragen hat.

================================================================== Nan Guo Zhi Chun  南国之春 ("Spring in the South")
Stummfilm von Cai Chusheng, China 1932. Mit Chen Yanyan. 79 min, Schwarzweiß, Chinesisch mit PC-generierten englischen Zwischentiteln. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Dieser im Westen fast unbekannte Stummfilm war das erste Werk des 1906 geborenen Cai Chusheng: eine Romanze um drei Studenten und die Tochter eines verstorbenen Bankiers. Ebenso wie sein zweites Werk "Pink Dream" ist dies im Kern ein unpolitischer Film. Nachdem Japan 1931 im Nordosten Chinas einmarschiert war und im Januar 1932 der erste Angriff auf Shanghai stattgefunden hatte, kritisierte man Cai für seine politische Enthaltsamkeit.
In der Folgezeit schuf er eine Reihe von sozialkritischen Werken, bis hin zu "Spring River Flows East" (一江春水向东流, 1947), der als wichtigster chinesischer Film der Republikzeit gilt. Das rettete ihn jedoch nicht davor, in der Kulturrevolution angegriffen und gedemütigt zu werden. An den Folgen der erlittenen Misshandlungen starb er 1968.

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NI ZAI XIANG SHEN ME 你在想什么 ("Changing Concepts")
Von Wang Qi, Chen Ying, Xing Jitian, China 1983. 104 min, mit Liang Yin und Wang Yuchang. Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

30 Jahre alt ist dieser Film, und er spielt unmittelbar nach dem Ende der Kulturrevolution. Parteisekretär Ma kommt mit Frau und Tochter in eine entlegene Mine, die er ab jetzt leiten wird. Alles befindet sich im Chaos: Produktion, Unterkünfte, Verpflegung, Arbeitsmoral. Doch allmählich gelingt es dem Sekretär, das Vertrauen der Arbeiter zu gewinnen - nicht zuletzt mit einer wirklich demokratischen Wahl des neuen Teamleiters.
Der Film erlaubt sich offene Worte, die man in diesen Jahren sagen durfte, und die in neueren Filmen selten sind. So etwa, wenn die Arbeiter darüber lachen, wie ein verdienter Veteran zum hundertsten Mal von den Leiden der Feudalgesellschaft erzählen will. Vermutlich lag es an dieser Offenheit, dass es drei Regisseure brauchte, um den Film fertig zu drehen. Sehenswert!

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Nian Nian 念念 ("Murmur of the Heart")
Von Sylvia Chang (张艾嘉), Taiwan 2015. Mit Isabella Leong, Joseph Chang, Lawrence Ko, Angelika Lee Sinjie. 118 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Sylvia Chang ist nicht nur als Sängerin und Schauspielerin erfolgreich, z.B. 2010 an der Seite von Fan Bingbing in "Buddha Mountain" (观音山). Gleichzeitig gehört sie zu Taiwans wichtigsten Regisseurinnen. Im Chinaclub sahen wir von ihr z.B. "20, 30, 40", eine sensible Studie über drei Frauen in unterschiedlichen Lebensphasen (sie selber in der Rolle der 40-jährigen Lily). Auch "Murmur of the Heart" ist ein komplexe psychologische Studie. Im Mittelpunkt stehen drei Personen, deren innere Verwundungen sich im Laufe des Films enthüllen. Da ist die ebenso schöne wie neurotische Yu-Mei (Isabella Leong) und ihre Beziehung zu Hsiang (Joseph Chang), der zu Beginn alles seinem Ziel unterordnet, ein erfolgreicher Boxer zu werden.
Doch dann wird Yu-Mei schwanger, und ein Augenleiden beendet den Traum von Hsiang. Dritter ist Yu-Nan, dessen Beziehung zu Yu-Mei sich erst allmählich aufklärt: Als die Mutter beider ihren Mann nach einem heftigem Streit verließ, nahm sie die Tochter Yu-Mei mit sich und ließ Yu-Nan beim Vater zurück. Doch am Ende findet er Schwester und Mutter, und Hsiang (der sich, um zu sich selber zu kommen, zunächst an die eindrucksvolle taiwanische Küstenlandschaft zurückzieht) akzeptiert seine Rolle als werdender Vater.

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NIAN QING DE YI DAI 年青的一代 ("The Younger Generation")
Von Ling Zhihao und Zhang Huijun, China 1965. Mit Bi Jianchang, Da Shichang, Li Xiuming. Farbe, 85 min, Chinesisch mit englischen UT.  Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Der Film spielt 1962, in einem längst versunkenen Jahrtausend. Nach Abschluss ihres Studiums hat man die beiden Geologen Xiao Jiye und Lin Yusheng in die arme Provinz Qinghai geschickt, um dort nach Rohstoffen zu suchen. Lin Yusheng ist wegen einer Erkrankung nach Shanghai zurückgekehrt. Für einen Vortrag fährt auch Jiye dorthin. Hier muss er feststellen, dass der Kollege seine Krankheit nur vorgetäuscht hat, um in Shanghai bleiben zu können. Jiye und andere kritisieren Yusheng. Am Ende sieht dieser seinen Irrtum ein (im Film jedenfalls) und kehrt zu seiner Arbeit nach Qinghai zurück - ein prachtvolles Beispiel für einen routiniert abgedrehten Propagandastreifen.

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Niu Yue Niu Yue "New York, New York" 纽约纽约, China 2016. Beziehungsdrama von Luo Dong 罗冬, mit Ethan Ruan 阮经天, Du Juan 杜鹃, Miao Qiaowei苗侨伟. 105 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

上世纪90年代的上海,许多人都为出国狂热。路途(阮经天 饰)是最年轻的五星级酒店领班,处事精明、为人仗义,无论是手下阿坤(杨旭文 饰)等一众小弟,还是打算开娱乐城的金小姐(叶童 饰),都对路途很是信任。从美国归来的精英商人米先生(苗侨伟 饰)更是看中他,邀请他担任纽约新酒店的负责人。为了去纽约,许多人怀着不同目 的来接近路途,其中也包括令路途着迷的女孩阿鹃(杜鹃 饰)。纽约梦能否如愿以偿?路途和阿鹃的爱情又将何去何从?一段在欲望都市中关 于选择的爱欲纠缠,就此展开。。

Dem Namen entsprechend, beginnt der Film in New York, und zwar im Jahr 1994. Doch der Hauptteil spielt im Shanghai des Jahres davor. Politisch herrscht 1993 hier immer noch Stockstarre. Deren Gründe – die Ereignisse vier Jahre zuvor - werden natürlich mit keiner Silbe erwähnt. Aber die Hoffnung vieler junger Leute, ein Visum für ein westliches Land zu erhalten, spricht für sich. Sie bildet die Voraussetzung für die Story. Da ist zum einen die junge Juan (Du Juan), deren Schönheit ihr viele Türen öffnet, auch die von Ausländern. Sie möchte in die USA, doch dann lernt sie Lu Tu (Ethan Ruan) kennen. In einem internationalen Hotel ist er anfangs einer der "Bell Boys", später deren Captain. Er und Juan verbringen eine Nacht miteinander, die beide danach am liebsten vergessen würden. Doch das gelingt ihnen nicht. Es beginnt ein Auf und Ab der Gefühle, gegen das keiner der beiden ankommt. Dann taucht "Mr. Money" auf, ein reicher Tycoon aus den USA. Er will in New York ein chinesisches Luxushotel eröffnen und stellt dafür 200 Visa in Aussicht. Eines davon ist für Juan, und sie hofft, dass Lu Tu sich ihr anschließen wird. Doch dieser hat das Beispiel seines Vaters vor Augen, der seinerzeit die Familie im Stich ließ - also will Lu Tu erst einmal in Shanghai bleiben. Als Juan in den USA ankommt, stellt sich heraus, dass sie als einzige ein Visum erhalten hat ... während das Luxushotel-Projekt Insolvenz angemeldet hat ... wie es weiter geht, erzählt der Film.
Einige Kritiker haben den Film mit "In the Mood for Love" verglichen. Gemeinsam ist beiden, dass die glücklos Liebenden kaum einmal ihre Gedanken über Liebe, Glück und Gesellschaft (wenn sie denn welche haben) offen aussprechen. Doch auch wenn der Film das genannte Vorbild sicher nicht erreicht (schon gar nicht im Blick auf dessen Kostüm-Ausstattung und die hinreißende Musik) bleibt die dichte Atmosphäre und der Blick auf die Gesichter ... und eine Ahnung davon, wie es derzeit mit dem Gefühlsleben erfolgreicher Chinesen aussehen mag.

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Nü Ci Ke  女刺客 ("The Woman Assassin")
Historischer Thriller von Cai Jiwei, China 1988. Mit Sun Feihu, Lin Muyu, Yue Hong. 95 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Nach dem Zusammenbruch der Qing-Dynastie herrscht Bürgerkrieg. Xu Yuenan, die Tochter eines Generals, muss miterleben, wie ihr Vater von einem Warlord gefangengenommen und geköpft wird. Zur Abschreckung wird sein Kopf in einem Käfig zur Schau gestellt. Dafür, so beschließt Xu Yuenan, wird sie sich eines Tages rächen.
Anfangs glaubt sie, dafür Hilfe zu brauchen. Sie heiratet einen Cousin, der ihr verspricht, den Vater zu rächen. Doch als dieser auch nach zehn Jahren untätig bleibt, nimmt sie die Sache selber in die Hand. Sie verschafft sich eine Waffe, übt das Schießen, macht sich auf die Suche. Schließlich findet sie den Warlord in einem buddhistischen Kloster. Sie hört, wie er in einem Gebet Vergebung für seine Verbrechen erfleht - und bringt es nicht fertig, ihn zu erschießen.

Dann die Invasion der Japaner. Was tut der alte Warlord - bleibt er im Kloster? Nein, er kooperiert mit den Japanern, stellt für sie eine eigene Armee auf. Grund für Xu Yuenan, zu versuchen, ihre Rache zu vollenden.

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"Army Nurse" 女儿楼 Nü Er Lou. Drama von Hu Mei 胡玫 und Li Xiaojun 李晓军, China 1985. Mit Xu Ye 徐晔, Zhao Gang 赵刚, Hasi Bagen 哈斯巴根. 90 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre.

十年动乱期间某山区野战医院宿舍住着一群女护士。十五岁的中学毕业生乔小雨文静 、娴淑,广受到大家好评。她与善良朴实的青年病员丁翥之间萌生了爱情,但因军纪 却不能有过多接触。丁翥出院后,小雨收到他的来信,但因领导找她谈话要发展她入 党,要求她妥善处理好个人问题。小雨便没给回信,两人从此失去联系 。。。几年后,女伴们纷纷结婚。好友苏梦红劝小雨忘记过去展开新的生活,并将军 区参谋屠建力介绍给她,同时努力把她调进城里的军区医院。而小雨在结婚前夜经过 仔细思考,意识到这不是真正的爱情。。。

Auch das Volksarmee-Filmstudio "1. August" konnte sich nicht jener besonderen Atmosphäre entziehen, wie sie in den 80-er Jahren Chinas Filme kennzeichnete: technisch und dramaturgisch eher konservativ, jedoch fast ganz auf Propaganda verzichtend, und dabei den Blick in tiefem Ernst auf Einzelschicksale gerichtet. Schicksale, die im Spannungsfeld zwischen gesellschaftlicher Pflicht und persönlichem Glück oft mit wehmütiger Entsagung enden.
So auch in diesem Film – bei dem übrigens der internationale Titel "Army Nurse" ausnahmsweise zutreffender ist als der chinesische. Denn die Handlung spielt zu keinem Zeitpunkt in einem abgesonderten "Töchterhaus", sondern in Einrichtungen der Armee, und da sind Männer generell in der Überzahl. Die Handlung: Mitten in der Kulturrevolution (die ansonsten im Film keine Rolle spielt) gehen drei Mädchen im Alter um die 15 Jahre als Lernschwestern zu einem Armeekrankenhaus in den Bergen. Im Mittelpunkt steht die pflichtbewusste Xiaoyu (Xu Ye 许晔). Jahre später, nach dem Ende der Kulturrevolution, möchte eine der Kameradinnen an einer Hochschule studieren, die andere will eine Familie gründen. Xiaoyu, die sich kurz und heftig in einen Patienten verliebt hatte, verzichtet auf beides. Sie wird am Ende Oberschwester und ist allseits beliebt und geachtet. Doch als Familie, Freunde und Vorgesetzte für sie einen Mann suchen, den sie heiraten soll, zeigt sich, dass sie den Patienten von damals immer noch liebt, obwohl sie nach einem ersten Brief (den sie nicht beantwortete) nie wieder von ihm gehört hat.

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NÜ LAN WU HAO 女篮5号 ("Women Basketball Team Member No. 5")
Von Xie Jin, China 1957. Mit Qin Yi und Liu Qiong. Farbe, 84 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Selbst einen Film über Basketball konnte man in den ersten 30 Jahren der Volksrepublik offenbar nur machen, wenn man die Guomindang-Zeit geißelte und für das Zeitalter der Volksrepublik das Ende jeglicher Korruption und Manipulation ausrief. So auch in diesem Klassiker von 1957 (gleichzeitig einer der ersten Farbfilme des Landes): Ein Basketball-Trainer trifft auf die Tochter seiner ehemaligen Geliebten, die er verlassen musste, nachdem er den Befehl von deren Vater zum absichtlichen Verlieren eines Spiels missachtet hatte. Jetzt, in der neuen Gesellschaft, kommt es zu einer erneuten Begegnung mit der Geliebten von damals.

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Nü Peng You Nan Peng You 女朋友男朋友 ("Girlfriend Boyfriend"). Drama Von Yang Ya-Che (杨雅喆), Taiwan 2012. Mit Gwei Lun-Mei (桂綸鎂), Joseph Chang (張孝全), Rhydian Vaughan (凤小岳). 101 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre.

1985年高雄的夏天,充满着玉兰花的香味,也洋溢着青春的躁动。尚未开放的台湾校 园,教官一人独大。没有民主与自由可言的学校,压制不住王心仁(凤小岳饰)逆反 的心,写藏头诗,策划集体抗议舞会。和他一起无法无天的还有陈忠良(张孝全饰) 和林美宝(桂纶镁饰)。经常腻在一起的三人,爱情也在悄无声息地滋长 ...

Nach einem Vorspiel im heutigen Taiwan springt der Film zurück ins Jahr 1985, also in die Endzeit des Kriegsrechts, das 1987 aufgehoben wurde. Die Oberschüler Mabel, Liam und Aaron engagieren sich für Reformen, und zwar in der Schule ebenso wie im Land. Dabei entwickelt sich ein intimes Dreierverhältnis, das ihr weiteres Leben bestimmen wird.

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NÜ REN RU HUA 女人如花 ("The Locked Door")
Von Zhao Zhiping, China 2012. Mit Huang Shengyi, Sun Zuyang, Sun Tianyu. 81 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Ein bemerkenswerter Film, und zwar in mehrfacher Hinsicht. Das Drehbuch schrieb Nathaniel Berke, ein US-Amerikaner, der längere Zeit in China gelebt hat. Aber anders als in ähnlichen Fällen steht hier kein Ausländer im Mittelpunkt, sondern die Handlung spielt komplett unter Chinesen. Und doch ist es, wenn man genau hinsieht, eine seltsam stilisierte Welt, die hier auf äußerst lakonische Weise - gelegentlich wie impressionistisch hingetupft - erzählt und dargestellt wird.
Die äußere Handlung scheint schlicht: sie spielt in den 30er Jahren in einer Kleinstadt nahe Shanghai. Der Verlobte der jungen Yan Wen kehrt von einem Auslandsaufenthalt zurück; jetzt wollen die beiden heiraten. Er hat ein neues Haus gekauft, das er, wie er sagt, ihr zeigen will, und dabei - nur in einer flüchtigen Rückblende angedeutet - verführt er sie. Anschließend will er noch in eine Spielhalle, so dass sie mitten in der Nacht allein nach Hause gehen muss. Dabei stolpert sie über den betrunkenen Bettler Gouzi, der mitten auf der Straße liegt, und jemand sieht sie, wie dieser sie festhält. Sofort verbreitet sich das Gerücht, der Bettler habe sie vergewaltigt. Dieser kommt ins Gefängnis, und der Verlobte verstößt seine Braut, ohne zu wissen (oder wissen zu wollen), dass sie von ihm schwanger ist. Sie bringt einen Sohn zur Welt, mit dem sie eine Weile nur nachts das Haus verlässt. Dann wird der Bettler Gouzi freigekauft und erbt das leere Haus seiner Eltern. Er bietet Yan Wen und ihrem Sohn an, mit ihm zu leben. Sie nimmt an, aber nur unter einer Bedingung: er darf sie nicht berühren, und wenn sie will, darf sie zu den Eltern zurückkehren. Das stille Leben, das die drei von nun an miteinander führen, ist das eigentliche Kernthema des Films - bis der Sohn durch einen Schlangenbiss getötet wird.
Kein Wunder, dass dieser ungewöhnliche Film sehr unterschiedliche Bewertungen erfuhr. Obwohl er auf dem Filmfest in Monaco als "bester Film" geehrt wurde, ist er im Westen kaum bekannt geworden - zu unrecht, wie ich finde.

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NÜ REN TAXI NÜ REN 女人Taxi女人 ("Woman-Taxi-Woman")
Von Wang Junzheng, China 1991. Mit Ding Jiali, Pan Hong, Ge You. 86 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Ding Jiali in einer Glanzrolle als Taxifahrerin Zhang Gaixiu. Diese kehrt nach der Geburt eines Sohnes und der folgenden Arbeitspause als stolze Mutter zu ihrem Job zurück. Die Umstände bringen sie mit Qing Yao zusammen, einer gut gekleideten, aber dem Anschein nach etwas verwirrten Frau (gespielt von Pan Hong). Sie erweist sich als arbeitslose Wissenschaftlerin, die jetzt potenzielle Arbeitsstellen aufsucht. Dabei wird nach und nach die tragische Geschichte enthüllt, durch die sie ihren Job verloren hat. Zwischen den beiden Frauen entwickelt sich schnell eine freundschaftliche Beziehung. Zunehmend übernimmt die Taxifahrerin die Initiative bei den Bemühungen, das Unrecht an der Wissenschaftlerin zu korrigieren. Pan Hong spielt deren Rolle dabei bis zum Schluss als zarte und verletzte Frau ohne Durchsetzungsvermögen. Hingegen gelingt Ding Jiali als Zhang Gaixiu das Porträt einer taffen Frau, die das Herz auf dem rechten Fleck hat und tiefes Mitgefühl ebenso an den Tag legt wie ein gutes Geschäftsgefühl. Ganz nebenbei wird ein kleines Motiv dargestellt, das sonst meist verschwiegen wird: während der kleine Sohn der Taxifahrerin im Kindergarten entwöhnt wird, haben ihre Brüste immer noch zuviel Milch, die immer wieder ihre BHs und Blusen durchnässt. – Der Film ist ein sympathisches Loblied auf die rauhe Herzlichkeit der kleinen Leute, zu denen hier in einer Nebenrolle auch Ge You als Mann der Taxifahrerin gehört.

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PAI MAI CHUN TIAN  拍卖春天 ("Comedy Makes You Cry")
Filmkomödie von Wu Zongde, Taiwan 2010. Mit Bai Ling und Chao-jung Chen. 110 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Oftmals sind die englischen Titel chinesischer Filme nichtssagend oder albern. Das ist hier anders. Der chinesische Titel (wörtlich "Die Jugend versteigern") stimmt nicht, denn die Hauptpersonen sind gestandene Erwachsene. Der englische Titel stimmt auch nicht ganz, trifft aber als Feststellung jedenfalls zu. Und dieser Film nennt sich zwar "Komödie", schrammt aber an einer Tragödie nur knapp vorbei.
Im Mittelpunkt stehen ein Mann und eine Frau, die sich aus Geldnot von einem Escort-Service anheuern lassen: Herr Wang als Gigolo (im Job "Super Duck" genannt) und die Frau als Callgirl (im Job "Da Mingxing" genannt, also "Großer Filmstar"). Leider ist Herr Wang ist ein eher schüchterner, durch und durch seriöser Angestellter, dessen schwerkranke Ehefrau im Hospital auf ihr Ende wartet, während die 18-jährige Tochter das Geld für ihre Tanzausbildung als Stripperin verdient. "Da Mingxing" (gespielt von Bai Ling, die u.a. durch "Dumplings" bekannt wurde) wirkt äußerlich abgebrühter, aber im Kern geht es ihr ähnlich wie Herrn Wang: Sie kämpft um das Sorgerecht für ihren kleinen Sohn, das bei der Scheidung dem Ehemann zugesprochen wurde.
Der Film lebt vor allem vom Spiel der Hauptdarsteller. Die Story nutzt zwar die komischen Aspekte der Situation, verlässt sich aber bei den erotischen Begegnungen überwiegend auf Klischees. Die übrigen Beziehungen - das Ende von Wangs Ehefrau und die zunehmende Entfremdung der Tochter ebenso wie der endgültige Verlust des Sohnes bei der Frau - verlaufen gar nicht komisch. Es braucht, in Form eines Lotteriegewinnes, ein sehr massives Eingreifen des Schicksals, um das Ganze am Ende doch noch in Richtung Happy End zu drehen - eben "Comedy Makes You Cry".

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PAO DA SHUANG DENG  炮打双灯 ("Red Firecracker, Green Firecracker ")
Von He Ping, VR China 1994. Mit Ning Jing, Wu Gang, Zhao Xiaorui. 112 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Nordchina vor 100 Jahren, in der Frühzeit der Republik. Der Maler Niubao strandet in einem kleinen Ort, der von der Familie Cai und ihrer Fabrik für Feuerwerk dominiert wird. Die Leitung des Unternehmens liegt in der Hand einer jungen Frau, der 19-jährigen Chunzhi. Diese - aus Mangel an männlichen Nachkommen von klein auf wie ein Junge erzogen - kleidet sich wie ein Mann und wird auch als "Boss" angeredet. Bald verliebt sich der Maler in sie und sie sich in ihn, obwohl die Regeln der Familie Chunzhi eine Heirat verbieten. Niubao wird vertrieben, doch es gelingt ihm, zurückzukehren und mit Chunzhi zu schlafen. Am Ende kommt es zwischen Niubao und dem Vorarbeiter Man Dihong zu einem Duell auf Leben und Tod, ausgetragen mit Feuerwerkskörpern. Niubao überlebt schwerverletzt als kastrierter Krüppel. Chunzhi jedoch ist von ihm schwanger und wird, unbekümmert um die Familienregeln, sein Kind zur Welt bringen.
Ein großer Film aus dem feudalen China, gedreht nach einer Erzählung von Feng Jicai und geehrt mit diversen Preisen, z.B. dem "Golden Rooster" 1994 für die beste Regie sowie dem Großen Preis des 14. Hawaii-Filmfestivals.

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Peng Da Jiang Jun  彭大将军 ("General Peng Dehuai")
Von Liu Bin, Li Yucai, Liu Haoxue, China 1988. Mit Ding Xiaoyi, Gu Yue, Liu Huaizheng. 83 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

Als beim "Großen Sprung nach vorn" in China Millionen verhungerten, erwiesen sich die KP-Führer als ein Haufen Feiglinge, die das Volk im Stich ließen. Nur einer wagte es, Mao offen zu kritisieren: Peng Dehuai.

Dafür musste er bitter bezahlen. Er wurde seiner Posten enthoben. In der Kulturrevolution wurde er gedemütigt und gefoltert. Am 29. November 1974 starb er in Haft, nachdem (siehe Wikipedia) Mao verboten hatte, ihm medizinische Hilfe zu gewähren. Von Rechts wegen müssten überall im Land Denkmäler dieses Helden stehen. Doch nur in dem schmalen Zeitfenster der 80er Jahre hatte man den Anstand, seiner angemessen zu gedenken. Doch selbst dieser Film wagte nicht, offen zu sagen, wie man ihn in der Haft behandelt hat.

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PING YUAN YOU JI DUI 平原游击队 ("Guerrilla in the Plain")
Von Su Li und Wu Zhaodi, China 1955. Guo Zhenqing, Wang Enqi, Zhang Ying. Schwarzweiß, 89 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

In den 30 Jahren von 1949 bis 1979 wurden in China ca. 500 Filme gedreht. Dem Filmkritiker machen es diese Filme leicht, denn von den wenigen Kunstwerken wie "Wo Zhe Yi Bei Zi (我这一辈子)" abgesehen erzählen sie alle dieselbe Geschichte: Bauern und einfache Stadtbewohner, unterdrückt und ausgesaugt von korrupten Guomindang-Leuten, die mit den Japanern kooperieren, während heldenhafte Kommunisten und PLA-Offiziere gemeinsam mit den Unterdrückten den Widerstand organisieren und am Ende den Sieg erringen. Hier, in diesem Film aus dem Jahr sechs der Volksrepublik, ist die Geschichte in den Norden verlegt, hinter die japanischen Linien, im Herbst des Jahres 1943. Der korrupte Landlord Yang Laozong kooperiert mit den Japanern und erreicht, dass die Guerrilla-Truppe mit dem heroischen Anführer Li Xangyang vertrieben wird. Dieser jedoch kehrt verkleidet in die Stadt zurück, wo die japanischen Truppen ihr Hauptquartier haben, zündet das dort gelagerte, von den Bauern geraubte Getreide an und vernichtet mit seinen Soldaten die Verräter. Woher die Getreidesäcke kommen, die am Schluss auf einen Bauernkarren geladen werden, erzählt der Film nicht, auch nicht, was aus der Stadt wird, nachdem die Truppen der 8. Armee wieder in Richtung Yanan verschwinden.
Die Wahrheit sah natürlich anders aus: Nicht die damals militärisch bedeutungslosen Mao-Truppen waren es, die z.B. im November 1943 in der Schlacht um Changde den Sieg über 60.000 Japaner davontrugen, sondern Guomindang-Truppen unter General Sun Lianzhong, und zwar unter schwersten Verlusten (wobei die Japaner vermutlich auch biologische Kampfmittel einsetzten). Die Art, wie in den Filmen der Volksrepublik Patriotismus und Opferbereitschaft vieler Guomindang-Anhänger verschwiegen und verleumdet werden, ist einer der Gründe, warum man im Westen alle chinesischen Geschichtsinterpretationen mit Misstrauen betrachtet - wohl zu Recht, denn die öffentliche Lüge gehört seit Konfuzius zu Chinas Herrschenden wie das Mehl zum Brot.

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