Chinaclub Berlin

柏林中国俱乐部 / 中国电影俱乐部

In der Cranachstraße 1, am S-Bahnhof Friedenau, residieren der Chinaclub Berlin* und der Chinesische Filmclub. Hier treffen sich Chinesen, Deutsche und Gäste aller Länder, die sich für China und Ostasien interessieren.

*: Chinaclub für alle,  nicht der “Adlon China Club”  für Millionäre
 

Freitag, 23. September 2016:
万物生长 ”Ever Since We Love” -
3 Filme in 3 Räumen zur Auswahl

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Ab 18 Uhr: Xiangqi 象棋, Tischtennis, Billard, Kicker

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19 Uhr: 3 Filme in 3 Räumen zur Auswahl:

1) Wan Wu Sheng Zhang 万物生长 ("Ever Since We Love"), China 2015
2)
Qing Chun 青春 ("Youth"), China 1977
3) Kinderfilm oder Wunschfilm (Deutsch mit chin. UT, oder kor./jap. mit engl. UT)


19:00 Uhr (Vorderer Raum):

Wan Wu Sheng Zhang 万物生长 ("Ever Since We Love")
Drama von Li Yu 李玉, China 2015, nach dem gleichnamigen Roman von Feng Tang. Mit Fan Bingbing 范冰冰, Han Geng 韩庚, Qi Xi 齐溪, Li Meng. 105 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

Die 1973 geborene Regisseurin Li Yu ist im Westen zuerst mit Fish and Elephant (今年夏天, 2001) bekannt geworden, wozu die Vermarktung als "Chinas erster Film über eine lesbische Beziehung" sicherlich beitrug. Mit Lost in Beijing (苹果, 2007) schien sie ihren Ruf als eine Art Avantgarde-Regisseurin zu bestätigen. In der Tat gelingt es ihr, Filme zu drehen, die zwar kommerziell erfolgreich sind, aber dennoch (wichtig für Cineasten und westliche Festivals) nicht ganz auf einen Anstrich von Individualität und Filmkunst verzichten. Das gilt auch für ihren neuen Film Ever Since We Love.

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Im Mittelpunkt steht als Ich-Erzähler der junge Qiu Shui, gespielt von dem in China und Südkorea bekannten Popsänger Han Geng. Auch dies ist einer jener Filme, in denen erwachende Sexualität, erste Liebschaften und Erwachsenwerden im Rahmen eines Universitätsstudiums gezeigt werden. Hier ist es das Medizinstudium an einer Pekinger Uni in den frühen 90er-Jahren.

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Es beginnt damit, dass ein Glasbehälter mit einem Dutzend Schädel (vermutlich in Formalin eingelegt) zerbirst. So wenig realistisch wie diese Szene ist im Film leider die gesamte Ausbildung: Medizin ist hier, anders als in der Romanvorlage, kaum mehr als eine Fassade, vor der sich in hektischen Schnitten eine Abfolge von Scherzen, Flirten und Herumschreien abspielt (selten sieht man einen Film, wo sich Leute so oft anschreien wie hier). Reale Probleme realer Patienten tauchen nicht auf. Es gibt auch keine Diskussion über Ethik und Geld in Chinas Medizin, und die einzige Fachdiskussion dreht sich um die Frage, welches Gehirnareal für die sexuelle Erregung zuständig ist.
Aber es geht Li Yu offenkundig gar nicht um Medizin, sondern um Beziehungskonflikte. Konkret sind das vor allem die drei Frauen in der erotischen Entwicklung des jungen Qiu Shi, vor allem die schöne Liu Qing.

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Gespielt wird diese – wie schon die weiblichen Hauptrollen in den letzten Filmen von Li Yu – erneut von Fan Bingbing. (Für mich absolut rätselhaft, hat es Fan Bingbing geschafft, nach 2013 und 2014 auch 2015 die Forbes-Liste der "100 Chinese Celebrities" anzuführen, weit vor Jackie Chan, Vicki Zhao, Andy Lau, Zhou Xun, Zhang Ziyi oder Jiang Wen). Der Film erntete viel Vorschusslorbeeren mit der Ankündigung der Regisseurin, dies würde "der sexuellste Film in Chinas Filmgeschichte" werden. Selbst China Daily und Chinas Auslands-Plattform China.org.cn verbreiteten das, und das musste angesichst der prüden chinesischen Zensur eher skeptisch machen. Tatsächlich hat der Film diverse Sexszenen – allerdings so brav, dass sie auch der Oma und der Enkelin nicht wehtun.

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Sehenswert ist der Streifen dennoch: als filmisches Dokument einer hypernervösen, wenn nicht neurotischen jungen Generation, die nicht nur verzweifelt nach den Grundlagen funktionierender Beziehungen sucht, sondern ebenso nach Leitbildern und Lebenssinn.

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Ebenfalls 19:00 Uhr (Mittlerer Raum): 

Qing Chun 青春 ("Youth")
Patriotisches Drama von Xie Jin 谢晋, China 1977. Mit Joan Chen 陈冲, Yu Ping 俞平, Wang Xiyan 王熙岩. 104 min, Chinesisch mit  CHINESISCHEN UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre

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Hier nun der Film, mit dem die 16-jährige Joan Chen in China bekannt wurde. Er ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert, schon wegen Regisseur Xie Jin – ohne Frage eines der größten Chamäleons und Stehauf-Männchen in Chinas Filmgeschichte. 1957 hatte er mit Woman Basketball Player No. 5 (女篮五号) sowie 1965 mit Two Stage Sisters (舞台姐妹) zwei der wenigen Filme dieser Zeit geschaffen, die aus der Phalanx plumper Propaganda ausscherten. Dafür landete er zu Beginn der Kulturrevolution in einem Straflager – aus dem man ihn herausholte, um ihn die Modellopern der Jiang Qing verfilmen zu lassen. Und bevor er später Werke wie Hibiscus Town (芙蓉镇, 1986) schuf, kam 1977 dieser Film in die Kinos. Der aber spiegelt immer noch zu hundert Prozent den Geist der Kulturrevolution.
Im Mittelpunkt steht die 16-jährige Yamei (Joan Chen), die als Bauernkind im Alter von 3 Jahren ertaubte und seitdem taubstumm ist. Dennoch reist sie 1966 mit anderen Jugendlichen nach Peking, um dort dem Großen Vorsitzenden Mao zu huldigen (vgl. auf Youtube: HIER).

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Eine dieser Massenparaden der Roten Garden auf dem Tiananmen-Platz (deren Fanatismus auf fatale Weise an Hitlers "Rede an die Hitlerjugend" im September 1935 erinnert; vgl. auf Youtube: HIER) – ist in Ausschnitten in den Film integriert und lässt einen schaudern.

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Und neben der großen Lüge, die der sogenannten "Kulturrevolution" zugrunde lag, gibt es hier noch eine weitere der vielen kleinen Lügenmärchen, die ebenfalls diese Zeit prägten – dass nämlich Taubstummheit mit Akupunktur geheilt werden kann.

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Genau das macht eine engagierte Ärztin mit der jungen Yamei, die zum Dank dafür PLA-Soldatin werden will, was ihr, wenn auch mit einigen Problemen, tatsächlich gelingt. – Der Film hat leider keine englischen, jedoch sehr große chinesische Untertitel, was ihn für Zuschauer mit Chinesisch-Grundkenntnissen gut geeignet macht.

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Ebenfalls 19:00 Uhr (Lesezimmer)

Wenn Kinder da sind: Kinderfilm. Sonst Wunschfilm (Deutsch mit chinesischen UT, oder koreanisch/japanisch mit englischen UT)

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Danach wie immer:
Gespräche, Musik, Tischtennis, Billard, Kicker, Xiangqi 象棋 (Chinaschach), 卡拉-OK

Ansonsten: Der Chinaclub Berlin zeigt jeden Freitag um 19 Uhr
alte und neue Filme aus China und anderen Ländern Asiens.

E I N T R I T T    F R E I  !

Tee, Snacks, Süßes:                       3 Euro
für Studenten & Arbeitslose:        1,50 Euro
für chinesische Gäste:                   5 Renminbi/Gangbi / 20 Taiwan-D

 

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