Chinaclub Berlin

柏林中国俱乐部 / 中国电影俱乐部

In der Cranachstraße 1, am S-Bahnhof Friedenau, residieren der Chinaclub Berlin* und der Chinesische Filmclub. Hier treffen sich jeden 1. und 3. Freitag im Monat Chinesen, Deutsche und Gäste aller Länder, die sich für China und Ostasien interessieren.

*: Chinaclub für alle,  nicht der “Adlon China Club”  für Millionäre
 

Vorankündigung

Freitag, 01. September 2017,  19.00 Uhr:

Der Dokumentarfilmer Hu Jie 胡杰
im Chinaclub

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An diesem Abend wird Hu Jie 胡杰, der vielleicht wichtigste unabhängige Dokumentarfilmer Chinas, persönlich die großen Doku-Filme seiner “Mao-Trilogie” vorstellen:

- Spark (星火 Xing Huo, 2013): Der Film ist einer Gruppe Studenten in Lanzhou gewidmet, die 1961 mit einer handgeschriebenen Untergrund-Zeitschrift auf die große Hungersnot während des “Großen-Sprung-nach-vorn” aufmerksam machen wollten.
- Though I am gone (我虽死去 Wo Sui Si Qu, 2007): Dokumentation über die Lehrerin Bian Zhongyun, die zu Beginn der Kulturrevolution im August 1966 von ihren Schülerinnen zu Tode geprügelt wurde.
- In Search of Lin Zhao’s Soul (寻找林昭的灵魂 Xun Zhao Lin Zhao De Ling Hun, 2004): Während Partei und Gesellschaft Chinas sich mit Lobhudeleien an den Großen Vorsitzenden überschlugen, wagte es die Pekinger Studentin Lin Zhao, Mao auch nach der kurzen “Hundert-Blumen”-Episode offen zu kritisieren. Dafür wurde sie inhaftiert, vergewaltigt, gefoltert. Als sie auch in Gefängnis standhaft blieb, wurde sie gegen Ende der Kulturrevolution erschossen.

Es ist das Verdienst von Hu Jie, dass er - alle Arten von Einschränkungen und Einschüchterungen in Kauf nehmend - an die vergessenen Opfer erinnert, auf deren Leiden das geld- und machtstrotzende heutige China erbaut wurde.

 

 

 

Freitag, 18. August 2017:

That Demon Within 魔警 (Mo Jing)

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3 Filme in 3 Räumen zur Auswahl:
1)
That Demon Within 魔警 (Mo Jing), Hongkong 2014
2)
The 10th Bullet Hole 第十个弹孔 (Di Shi Ge Dan Kong), China 1980
3) Wenn Kinder da sind: Kinderfilm. Sonst: Wunschfilm

Ab 18 Uhr: Xiangqi 象棋, Tischtennis, Billard, Kicker

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19:00 Uhr, vorderer Raum

That Demon Within 魔警 (Mo Jing), Hongkong 2014. Action-Thriller von Dante Lam, mit Daniel Wu, Nick Cheung, Chen Sixuan. 105 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre.

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本片讲述一名盡忠職守的警員王偉業在某次當值期間無意中拯救了一名惡名昭彰的悍匪 韓江,痊愈之后的韩江更加的猖狂,杀人劫掠无所顾忌,而王伟业的同事们却因为种种 掣肘以致束手无策,这一切既让王伟业陷入了深深的自责中,也让他终于明白了自己要 走的路,既然命运帮他做出了抉择,他只能以身入魔对抗鬼王,了结这场恩怨。...

Es ist kein Zufall, dass in Hongkong immer wieder packende "Cop-Thriller" produziert werden – nicht jedoch in der Volksrepublik. Denn man kann solche Filme nicht drehen, wenn Polizei-Korruption ein Tabu ist (und keine ehrlichen Gesellschaftsfilme, wenn die Darstellung verlogener Bonzen verboten ist). Genießen wir also die Thriller aus Hongkong, bevor die VR-Zustände demnächst auch dort herrschen!
Die Story: Der introvertierte Dave Wong arbeitet als Bereitschaftspolizist in einem Krankenhaus. Ein gerade eingelieferter Verwundeter braucht eine Bluttransfusion, hat aber eine seltene Blutgruppe – zufällig die von Wong, der ihn mit einer Blutspende rettet. Der Gerettete, erfährt Wong danach, ist Hon: Chef einer brutalen Bande, die mit Dämonenmasken Überfälle begeht und soeben zwei Polizisten erschossen hat. Obwohl er das nicht wusste, fühlt Wong sich schuldig, zumal Hon flieht und sogleich weitere Zivilisten und Polizisten umbringt. Wong beginnt, Hon und dessen Bande auf eigene Faust zu jagen ... doch als die Bande dann Hon ausbootet, arbeiten Wong und Hon auf einmal ungewollt zusammen ... was den Dämonen der Vergangenheit, die in Wong hausen, nun erst recht Auftrieb gibt ... bis hin zum Showdown, dem nicht nur Hon und dessen Bande zum Opfer fallen, sondern zuletzt auch Wong.

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Ebenfalls 19:00 Uhr, mittlerer Raum

The 10th Bullet Hole 第十个弹孔 (Di Shi Ge Dan Kong), China 1980. Kulturrevolution-Aufarbeitung von Ai Shui 艾水. 97 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 12 Jahre.

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滨江市公安局长鲁泓复职后审理的第一个案子竟是他的独生儿子鲁小帆参与的炸桥案件 。鲁泓周围的人同情他,便为鲁小帆开脱罪责。鲁泓毅然决定亲自提审儿子,探出真情 。原来,四人帮横行时,鲁泓一家骨肉分离,小帆的奶奶也被抓走,只能寄养在舅舅 家。舅母伙同造反兵团拉拢腐蚀小帆,唆使他成了造反派的典型,炸毁了铁桥。鲁 泓依法判处了小帆。小帆不理解父亲,奶奶告诉小帆,抗日时石大娘亲手枪毙了出卖鲁 泓的大娘亲生儿子的故事。鲁小帆终于理解了父亲,痛悔自己的罪恶。

Ein äußerst wichtiger Film – und wie bei dem Thema zu erwarten, auch er aus den glorreichen 1980-er Jahren. Dabei ist das, was der Film ungewollt mitteilt, fast noch aufschlussreicher als das, was seine Story erzählt.
Schon deren Kernthema taucht in kaum einem anderen Film auf: Was geschah mit den Kindern der angeblichen "Konterrevolutionäre", die in der Kulturrevolution denunziert, gedemütigt und verurteilt wurden? Das wird hier am Sohn eines inhaftierten Ehepaares gezeigt: Schulkameraden beschimpfen ihn als "Sohn eines Hundes". Selbst das Einkaufen gerät zum Spießrutenlaufen. Bald wagt es der Junge nicht mehr, in die Schule zu gehen ... bis er später offenbar auf die schiefe Bahn gerät.
Die Geschichte beginnt, nachdem die Eltern des nunmehr 18-Jährigen wieder zurück in der Stadt Bingjiang und voll rehabilitiert sind. Die Mutter arbeitet wieder als Ärztin, der Vater Lu Hong ist (wieder) Chef des lokalen Sicherheitsbüros. Als solcher untersucht er auch die Sprengung einer Brücke während der Kulturrevolution – eine Tat, bei der ausgerechnet sein eigener Sohn beteiligt war. Polizeichef Lu Hong besteht auf einer kompletten Untersuchung, die am Ende zur Verurteilung des Sohnes führt (wenn auch nicht zur Todesstrafe, sondern "nur" zu einigen Jahren Haft). Also das Hohelied eines pflichtbewussten Parteihelden, der im Dienst für das Volk die eigene Familie nicht verschont .
Doch ohne dass die Filmemacher es merken, ist das Bild des hier gezeigten Justiz- und Polizeiapparates entlarvend: Dass die Untergebenen versuchen, den Sohn des Chefs mit falschen Beweisen zu entlasten, empfinden sowohl die Handelnden im Film als auch die Filmemacher als selbstverständlich. Der Gedanke, Beamte für die Fälschung von Beweisen zu bestrafen, kommt niemandem. Unmissverständlich sagt der Film: Dass ein pflichtbewusster Funktionär gegen Verwandte vorgeht, ist eine Ausnahme – dass in diesem System gefälscht und manipuliert wird, die Regel. (Und wenn es Absicht des Regisseurs gewesen wäre, dass bei Lu Hong die Narben japanischer Kugeln sämtlich auf dem Rücken liegen, dann wäre das ein hübscher Zusatzgag).
Auch das Bild der Partei, das der Film ungewollt zeichnet, ist erschreckend. Egal ob es Mao war, der die Exzesse der Kulturrevolution befahl, oder die "Viererbande": Es reicht offenbar, dass die Parteispitze befiehlt "Benehmt euch wie Tiere", und gehorsam benehmen sich 30 Millionen Parteimitglieder wie Tiere ... und keiner kommt auf die Idee, dass nicht die Parteispitze das Problem ist, sondern die gesetzmäßig Kriechertum erzeugende Parteistruktur. Keine fröhliche Aussicht für das Land, das sich anschickt, der mächtigste Staat auf dem Globus zu werden.

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Ebenfalls 19:00 Uhr (Hinterer Raum)

Wenn Kinder da sind: Kinderfilm. Sonst: Wunschfilm


Danach wie immer:
Gespräche und Diskussionen bei Musik, Tee, Snacks und Süßem.
Je nach Lust und Laune: Tischtennis, Billard, Kicker, Xiangqi,
卡拉-OK

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Ansonsten: Der Chinaclub Berlin bietet jeden 1. und 3. Freitag im Monat Filme aus China und anderen Ländern Asiens, außerdem Themenabende zu politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Fragen.

E I N T R I T T    F R E I  !

Tee, Snacks, Süßes:                       3 Euro
für Studenten & Arbeitslose:        1,50 Euro
für chinesische Gäste:                   5 Renminbi/Gangbi / 20 Taiwan-D

 

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