Chinaclub Berlin

柏林中国俱乐部 / 中国电影俱乐部

In der Cranachstraße 1, am S-Bahnhof Friedenau, residieren der Chinaclub Berlin* und der Chinesische Filmclub. Hier treffen sich jeden 1. und 3. Freitag im Monat Chinesen, Deutsche und Gäste aller Länder, die sich für China und Ostasien interessieren.

*: Chinaclub für alle,  nicht der “Adlon China Club”  für Millionäre
 

Freitag, 19. Januar 2018,  19.00 Uhr:

Ein Abend mit Ann Hui 许鞍华

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3 Filme in 3 Räumen zur Auswahl:
1)
"Our Time Will Come" 明月几时有, Hongkong 2017
2)
"Eighteen Springs" 半生缘, Hongkong 1997
3) Wenn Kinder da sind: Kinderfilm. Sonst: Wunschfilm


Ab 18 Uhr: Xiangqi 象棋(Chinaschach); Tischtennis; Spiele

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19:00 Uhr, Kleiner Raum
Wenn Kinder da sind: Kinderfilm
Sonst: Wunschfilm

19:00 Uhr, vorderer Raum

"Our Time Will Come" 明月几时有, von Ann Hui  许鞍华, Hongkong 2017. Mit Zhou Xun 周迅, Eddie Peng  彭于晏, Tony Leung Ka-Fai 梁家辉, Guo Tao 郭涛. 125 min, chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre.

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东江纵队生死大营救事件为叙事线索,讲述以香港传奇女性方姑为代表的仁人志 士,在1940年乱世中的香港展开生死救援的故事。影片由一系列黑白片段串联而成。以 一位年迈的抗战老兵郑家彬(梁家辉饰)的回忆贯穿全片明月几时有

日军占领香港后,为了让身在香港的茅盾(郭涛  飾)、邹韬奋(黄志忠 饰)、夏衍等多位中国文化名人乘船逃回中国内地,以刘黑仔为主要代表的抗日短枪队 成员积极担负起这些名人的安全转移任务。茅盾夫妇由于租住在教师方兰(周迅饰)家 里,方兰也为逃离行动出了一份力。任务结束后,刘黑仔(彭于晏 飾)邀请方兰加入到抗日的队伍中,在港区中队里担任一名情报队员,她因此与阿四成 为患难的战友,方兰母亲(葉德嫻 飾)则十分担心女儿的安危。而方兰(周迅 飾)的情人李锦荣(霍建華 飾)则是一个在日军领导的宪兵队工作的特工,他和其他同事秘密为抗日队员提供日军 的情报信息,同时尽量避免身份暴露。

Ann Hui, 1947 in Anshan/Liaoning als Tochter eines Chinesen und einer Japanerin geboren, macht seit fast 40 Jahren Filme: zurückhaltend, eigensinnig, beharrlich. Inzwischen ist sie nicht nur die große alte Dame des Hongkong-Kinos geworden, sondern die wichtigste chinesische Regisseurin überhaupt.
Hier nun ihr jüngstes Werk: "Our Time Will Come". Und wie bei allen namhaften chinesischen Regisseuren (von den routinierten Thriller- und Kungfu-Spezis mal abgesehen) geht man auch hier mit gewissen Sorgen in jeden neuen Film: Hat er/sie sich korrumpieren lassen? Vollzieht er/sie den stillen Kotau vor der Macht, so wie es Zhang Yimou und Chen Kaige vorgemacht haben und wie es der Nationalcharakter im Reich der Mit(te)läufer gebietet (was im Westen anrüchig klingt, während es aus chinesischer Sicht doch bloß Ausdruck der Leitkategorie "Harmonie" ist)?

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Umstände und Thematik dieses Films unterstreichen solche Sorgen: ein Film für 2017, also zum 20. Jahrestag der Rückkehr der einstmals britischen Kronkolonie zum Mutterland. Und es geht um den Hongkonger Widerstand nach der japanischen Okkupation im Dezember 1941 ... demnach der erste wahrhaft patriotische Film der Ann Hui ... also sehen wir mal.
Leider ist der internationale Titel "Our Time Will Come" schon mal ein Missgriff, wenn nicht eine Fälschung. Die Zeile stammt aus einem Gedicht des Song-Dichters Su Shi = Su Dongpo, und da steht:
明月几时有,
把酒问青天。

 "When will the bright moon appear?
I rise a cup of wine and ask the dark blue sky."
Richtiger wäre also "When Will Our Time Come?" Das klingt schon ganz anders - eher wehmütig, wenn nicht resignierend.
Nun zum Film. Im Mittelpunkt scheint wie gesagt der paramilitärische Widerstand gegen die japanische Okkupation zu stehen. Den gab es, und er wurde vor allem von der "Dongjiang-Kolonne" getragen. Der Film tut so, als wäre das eine Undercover-Truppe der Roten Armee gewesen. Tatsächlich waren es überwiegend Guomindang-Soldaten, die sich 1938, als die Japaner Kanton besetzten, nach Hongkong abgesetzt hatten, in Zivil, aber mitsamt ihren Waffen.
Diese "Ostfluss-Kolonne" führte Anfang 1942 eine im Westen wenig bekannte Aktion durch: 800 Politkader und Intellektuelle, die nach 1937 in Hongkong Zuflucht gesucht hatten, wurden an den Japanern vorbei in die nicht besetzten Gebiete Chinas geschleust. Hauptperson ist hier zunächst der Schriftsteller Mao Dun (Guo Tao). Der lebt mit seiner Frau als Untermieter bei einer Witwe und deren Tochter Fenglan (Zhou Xun). Er nennt sich "Herr Shen", was allerdings kein Deckname ist, sondern sein tatsächlicher Name Shen Dehong. Fenglan ist eine 27-jährige Lehrerin, deren Schule jetzt geschlossen ist. Dass sie die Gedichte von Mao Dun kennt und liebt, ist offenbar Gewähr genug, sie sogleich in die Aktion der Dongjiang-Kolonne einzubinden. Nachdem Mao Dun und seine Gruppe Hongkong verlassen haben, widmet sie sich ganz dem Widerstand.

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Und jetzt hört der Film auf, irgendeine historische Realität darstellen zu wollen. Fenglan arbeitet immer wieder mit "Blackie Lau" zusammen, einem tollkühnen jungen Scharfschützen (Eddie Peng). Doch beide agieren im Grunde auf eigene Faust und scheinen keinerlei Anordnungen, keinen Vorgesetzten unterworfen. Nach anfänglichen Kurierdiensten geht es bald nur noch um eine: dass die Mutter von Fenglan mit einer geheimen Nachricht festgenommen und gefoltert wird, nicht befreit werden kann und am Ende hingerichtet wird.
In der Realität war Hongkong 1941 überfüllt mit Flüchtlingen aus Shanghai, Kanton und Südchina, die sich bei den Briten in Sicherheit wähnten. Doch im geräumigen Haus der Witwe wohnt offenbar niemand außer ihr und der Tochter sowie der Mao-Dun-Familie. Die Straßen sind sogar am Tag meist menschenleer, und nachts sowieso - und die Japaner sind beim Kontrollieren der Passanten offenbar so diszipliniert, dass eine junge Frau im schönsten Qipao herumlaufen darf, ohne Belästigungen fürchten zu müssen. Radios gibt es nirgends (obwohl die Hongkong-Regierung seit 1928 einen Rundfunksender betrieb), und dass Japan gerade Pearl Harbor bombardiert und den USA den Krieg erklärt hatte, weiß folglich auch keiner.
Dann eine zentrale Frage, zumal für bewaffneten Widerstand: WOFÜR kämpfen die Hongkonger Widerständler eigentlich? Gegen die Japaner, na klar - und außerdem? Dafür, dass die Briten weiter herrschen dürfen? Oder für die Selbständigkeit, wie sie in Singapore schon damals viele forderten? Oder für den Anschluss an China, wie 1997 geschehen? So groß der Mut von Eddie Peng, Zhou Xun und ihrer Filmmutter auch zu sein scheint - über diese Frage zu sprechen wagen weder sie noch Ann Hui. Leider bestätigt sich, was anfangs zu befürchten war: eine gut gespielte, von guten Darstellern getragene patriotische Geschichte - scheinbar voller Heldenmut, doch in panischer Angst die Frage vermeidend: Was wäre, wenn sie denn wählen dürften, der Hongkonger wahres Vaterland?

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Ebenfalls 19:00 Uhr, mittlerer Raum

"Eighteen Springs" 半生缘, Drama von Ann Hui, Hongkong 1997. Mit Wu Chien-Lien 吴倩莲, Leon Lai 黎明, Anita Mui 梅艳芳, Ge You 葛优. 125 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre.

半生缘的剧情简介 · · · · · ·
1930年代的上海,在同一间工厂做工的世钧(黎明)和曼桢(吴倩莲)成为恋人。曼桢 早年丧父,姐姐曼璐(梅艳芳)为了养活一家老小,心痛离别恋人去当舞女赚钱,最终 嫁给了有妇之夫祝鸿才(葛优)。
  世钧收到告急家书回到南京,方知家人召回只为让其成亲。因为性格上的软弱,也 因久等不来曼桢的书信,世钧最终迎娶了他并不喜欢的门当户对的翠芝(吴辰君)。上 海这边,不能生育的曼璐为保全自已的地位,设计令曼桢怀上了祝鸿才的孩子,葬送了 曼桢与世钧的爱情。曼璐死后,曼桢为了孩子委身祝鸿才。两个有缘无分的人就这样错 过情缘。

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Die Handlung spielt teils in Nanjing, teils im Shanghai der 30er- und 40er-Jahre. Im Mittelpunkt steht die junge Manjin, herausragend gespielt von Wu Chien-Lien. Zuerst arbeitet sie in einer Fabrik, dann lernt sie Shujun kennen, den Sohn wohlhabender Kaufleute (Leon Lai). Sie verloben sich trotz eines familiären Problems: Manlu (Anita Mui), die ältere Schwester Manjins arbeitet als "Hostess" in einem Nachtclub. Dann jedoch wirft Manlus Liebhaber (gespielt von einem grandios zerrissenen Ge You) ein Auge auf die jüngere Schwester. Um einen Erben zu zeugen, sperrt er Manjin ein und vergewaltigt sie. Shujun lässt sich unter Vorwänden abweisen. Manjin wird schwanger und bringt das Kind zur Welt, dann verlässt sie das Haus. In parallelen Rückblenden wird die weitere Geschichte erzählt, sowohl die von Shujun als auch die von Manjin, die ihren eigenen Weg sucht, und die am Ende, als ihre Schwester stirbt, zu ihrem Kind zurückkehrt. – Bis heute vielleicht der schönste Film von Ann Hui: atmosphärisch dicht, und trotz der tragischen Elemente eine Liebeserklärung ans China dieser Zeit und die Menschen, die es prägten.

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Danach wie immer:
Gespräche, Musik, Tischtennis, Spiele,
卡拉-OK

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Ansonsten: Der Chinaclub Berlin bietet jeden 1. und 3. Freitag im Monat Filme aus China und anderen Ländern Asiens, außerdem Themenabende zu politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Fragen.

E I N T R I T T    F R E I  !

Tee, Snacks, Süßes:                       3 Euro
für Studenten & Arbeitslose:        1,50 Euro
für chinesische Gäste:                   5 Renminbi/Gangbi / 20 Taiwan-D

 

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