Chinaclub Berlin

柏林中国俱乐部 / 中国电影俱乐部

In der Cranachstraße 1, am S-Bahnhof Friedenau, residieren der Chinaclub Berlin* und der Chinesische Filmclub. Hier treffen sich Chinesen, Deutsche und Gäste aller Länder, die sich für China und Ostasien interessieren.

*: Chinaclub für alle,  nicht der “Adlon China Club”  für Millionäre
 

Freitag, 26. August:
Erinnerung an den Tod des Schriftstellers Lao She 老舍
am 24. August 1966

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Vor 50 Jahren, am 24. August 1966, erschlugen Maos Rote Garden zum Auftakt der "Kulturrevolution" den Schriftsteller Lao She 老舍. Offiziell heißt es bis heute, er habe Suizid begangen. Dass dies ein Märchen ist, weise ich auf der Webseite www.laoshe.info nach.
Doch solche Märchen aus der Mao-Zeit zu korrigieren, fällt China bis heute schwer. Zum Beispiel der Mustersoldat Lei Feng: Nirgends gibt es so sorgfältige Personaldokumente wie in der Armee, also wo ist die Liste von Lei Feng's Regimentskameraden? Es gibt sie nicht ... also war (bzw. ist) offenbar der ganze Lei Feng nur ein Propagandaschwindel. Und wie soll der Suizid des Lao She geschehen sein? Angeblich ertränkte er sich am Abend des 24. August 1966 in einem See in einem öffentlichen Park. Dort, so heißt es, soll jemand am Morgen des 25. August den Leichnam aus dem See gezogen haben, der dann angeblich 16 Stunden am Seeufer lag ... aber dann müssten ihn dort Hunderte, wenn nicht Tausende gesehen haben. Doch fanden sich nach 1976 weder die Leute, die den Leichnam angeblich aus dem Wasser zogen, noch Zeugen, die ihn tagsüber am See gesehen hatten ... auch das also ein Lügenmärchen, während in Wahrheit Maos Rote Garden den Autor totgeschlagen hatten.
Der Unterschied ist wichtig, denn Lao She war ein enger Freund von Premier Zhou Enlai. Von diesem musste Mao wissen, dass dem Terror der Roten Garden, den er persönlich befohlen hatte, Chinas beste Intellektuelle zum Opfer fielen. Genau das nahm Mao, der vom Helden zum Volksfeind geworden war, bedenkenlos in Kauf - und die Partei erstarrte vor Angst und ließ das Volk im Stich. Um das zu verschleiern, wird bis heute die Version von einem Suizid aufrechterhalten, in die Welt gesetzt von Lao She's schäbigem Sohn Shu Yi, der dafür mit Geld, Posten und einem Sitz im Volkskongress belohnt wurde.
Unsere Aufgabe aber ist es, stellvertretend für die verratenen Opfer an diese zu erinnern - auch wenn die Mächtigen ihre Fehler und Verbrechen der Vergangenheit lieber unter den Teppich kehren.


Ab 18 Uhr: Xiangqi 象棋, Tischtennis, Billard, Kicker

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19 Uhr: 3 Filme in 3 Räumen zur Auswahl:

1) Luo Tuo Xiang Zi 骆驼祥子 ("Rickshaw Boy"), China 1982
2)
Wo Zhe Yi Bei Zi  我这一辈子 ("This Life of Mine"), China 1950
3) Kinderfilm oder Wunschfilm (Deutsch mit chin. UT, oder kor./jap. mit engl. UT)


19:00 Uhr (Vorderer Raum):

Luo Tuo Xiang Zi 骆驼祥子 ("Rickshaw Boy")
Drama von Ling Zifeng 凌子风, nach dem gleichnamigen Roman von Lao She, China 1982. Mit Zhang Fengyi 张丰毅und Siqin Gaowa 斯琴高娃. 113 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

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Ein grandioser Film, beruhend auf dem grandiosen Roman von Lao She. Der allerdings wird heute, nicht anders als die Werke von Lu Xun, in China nicht sehr gemocht, weil er nämlich eine tragische Geschichte ohne den süßen Trost der Hoffnung auf bessere Zeiten erzählt. Die Story: In den 30er-Jahren kommt der junge Xiangzi voller Kraft und Optimismus vom Land nach Peking. Er beginnt mit einer gemieteten Rikscha, die er schneller und eleganter zieht als alle anderen.

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Er erlebt Angriffe und Demütigungen, kommt aber dennoch so weit, sich eine eigene Rikscha kaufen zu können. Huniu, die Tochter des Rikscha-Unternehmers, verliebt sich in ihn und verführt ihn. Doch als sie mit Xiangzi zusammenlebt, wird sie von ihrem Vater verstoßen. Von nun an beginnt der Abstieg beider, bis schließlich Huniu stirbt und Xiangzi seine Rikscha verkaufen muss. Er endet als Bettler, der von jungen und starken Rikschakulis lachend zur Seite geschoben wird.
Der Film galt 1982 als Meilenstein des neuen chinesischen Kinos, mit Ling Zifeng (1917-99) als renommiertem Regisseur der "3. Generation", noch vor Filmemachern wie Zhang Yimou oder Chen Kaige.

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Ebenfalls 19:00 Uhr (Mittlerer Raum): 

Wo Zhe Yi Bei Zi  我这一辈子 ("This Life of Mine")
Drama von Shi Hu , nach der gleichnamigen Erzählung von Lao She, China 1950. Mit Shi Hu , Wei Heling 魏鹤龄, Cheng Zhi 程之, Shen Yang 沈杨. Schwarzweiß, 108 min, Chinesisch mit englischen UT. Altersempfehlung: ab 14 Jahre

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Dieser Film, nach einer Erzählung von Lao She gedreht, schließt sich gewissermaßen an die Handlung von "Rikschakuli" an. Ein Pekinger Bettler schildert sein Leben: 50 Jahre als kleiner Polizist, immer zerrieben zwischen den Herrschenden und den kleinen Leuten, zu denen er selber gehörte.

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Die Handlung umspannt hier die gesamte Republikzeit bis 1949. Der Polizist wird Zeuge, wie ein Vorgesetzter mit den Japanern kollaboriert. Als dieser, später Polizeichef geworden, ihn erkennt, lässt er ihn festnehmen, foltern, auf die Straße werfen. In den ersten Tagen der neuen Zeit stirbt er.
Das Schicksal des Regisseurs Shi Hui (1915-1957), der auch die Hauptrolle dieses bewegenden Films spielt, hat Parallelen zu dem von Lao She: Als Rechtsabweichler kritisiert, beging er 1957 Suizid - auch er ein Opfer jener revolutionären Paranoia, die stets ein Merkmal von Leuten wie Stalin, Mao oder Kim Il Sung war.

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Ebenfalls 19:00 Uhr (Lesezimmer)

Wenn Kinder da sind: Kinderfilm. Sonst Wunschfilm (Deutsch mit chinesischen UT, oder koreanisch/japanisch mit englischen UT)

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Danach wie immer:
Gespräche, Musik, Tischtennis, Billard, Kicker, Xiangqi 象棋 (Chinaschach), 卡拉-OK

Ansonsten: Der Chinaclub Berlin zeigt jeden Freitag um 19 Uhr
alte und neue Filme aus China und anderen Ländern Asiens.

E I N T R I T T    F R E I  !

Tee, Snacks, Süßes:                       3 Euro
für Studenten & Arbeitslose:        1,50 Euro
für chinesische Gäste:                   5 Renminbi/Gangbi / 20 Taiwan-D

 

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